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Planspiel im Ludwig-Windthorst-Haus Schüler erleben in Lingen, wie Europa funktioniert

Von Carsten van Bevern | 22.01.2019, 19:05 Uhr

Brexit und die Europawahl Ende Mai. Europa ist hochaktuell. Was Europa aber für Jugendliche bedeutet und wie sie sich ihre Zukunft vorstellen haben Schüler vom Gymnasium Georgianum mit Gastschülern aus Ungarn jetzt im Rahmen eines vom Ludwig-Windthorst-Haus angebotenen Planspiels hautnah erlebt.

Soll eine über polnisches Gebiet verlaufende Pipeline zwischen Russland und Deutschland oder doch ein Offshore-Windpark vor Dänemark mit EU-Geldern gefördert werden? Und nach welchen Verfahren treffen welche Personen letztlich diese Entscheidung? Diese Fragen diskutierten Schüler der Gymnasien Georgianum und aus Ungarn jetzt im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) im Rahmen eines von Veronika Schniederalbers konzipierten Planspiels.

Im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens wird der Vorschlag für die beiden möglichen Projekte zunächst im Energieausschuss des Europäischen Parlaments beraten, der Kommissionspräsident ist eingebunden, Experten werden gehört, Parteivertreter geben Stellungnahmen ab und abschließend muss entschieden werden, welches Projekt die Fördergelder erhält. Jedem Schüler wird dafür die Rolle eines Politikers, Experten oder des Kommissionspräsidenten zugelost. "Auf diese Weise konnten alle Beteiligten hautnah erleben, wie solche Entscheidungsprozesse ablaufen", lobt Gerd Höckner, betreuender Lehrer vom Georgianum, die Realitätsnähe des von Schniederalbers konzipierten Planspiels.

Seit 2016 ist sie als Studienleiterin im LWH für politische Jugendbildung, Seminare für Schülervertretungen und den Bereich Berufsorientierung zuständig. Die europäischen Entscheidungsprozesse kennt sie dabei im Detail, vor ihrer Tätigkeit im LWH war sie mehrere Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin der früheren SPD-Europaabgeordneten und heutigen Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck.

Planspiele hat sie schon so einige durchgeführt – aber noch nie ein selbst konzipiertes: "Zwar gibt es auch zum Thema Europa eine Vielzahl von Planspielen. Die einen waren mir aber zu komplex und die anderen zu einfach. Daher habe ich versucht, hier die goldene Mitte zu finden." Die Schüler vom Georgianum haben es zusammen mit ihren Gästen aus Ungarn nun zum ersten Mal durchgespielt – die Ungarn waren dabei im Rahmen des zweijährigen Erasmus+ Projektes „Heimatkunde 2.0 – digital von der Heimat erzählen“ in Lingen zu Gast. Zusätzlich ist noch eine Schule aus Italien an dem Projekt beteiligt.

Nicht nur bei den betreuenden Lehrern kam dieser Europatag und vor allem das Planspiel gut an. "Das Planspiel hat uns einen guten Einblick in das Leben eines Mitarbeiters der Europäischen Kommission gegeben. Alle hatten zudem viel Spaß. Und ich war beeindruckt, wie viel die ungarischen Gastschüler verstanden haben", betonte die Lingener Schülerin Clara. "Das Planspiel hat uns und den ungarischen Schülern die europäische Politik sicherlich so gut wie möglich näher gebracht", ergänzte ihr Mitschüler Dennis. So haben die ungarischen Schüler, die alle auch Deutsch als Schulfach haben, nach Aussage ihrer Lehrer an diesem Tag nebenbei nicht nur zu Europa sondern auch sprachlich "viel dazugelernt."

Aufgabe: Kompromiss finden

Auch Veronika Schniederalbers ist mit dem Verlauf ihres ersten eigenen Planspiels zufrieden: "Die Schüler sollten sich in die Rolle von Politikern hineinversetzen und praktisch erfahren, wie schwierig es in einer großen Gruppe ist, eine Entscheidung zu treffen oder einen Kompromiss zu finden. Das haben die Schüler prima gemacht. Es wurde miteinander verhandelt, emotional diskutiert, mit Argumenten überzeugt, aber auch durcheinander geredet, gelacht und es gab negative Zwischenrufe." Anschließend hat sie mit den Schülern zudem noch über ihre Erfahrungen diskutiert – auch diese Informationen aus "erster Hand" kamen bei den Schülern nach Aussage der Jugendlichen sehr gut an.

Für Gerd Höckner vom Georgianum steht nach diesen Erfahrungen auf jeden Fall fest, dass Ende März, wenn im Rahmen des Erasmus-Projektes auch die italienischen Partnerschüler nach Lingen kommen, wieder ein solcher "Projekttag Europa" im LWH stattfinden wird. Noch ein Ergebnis zum Schluss: Die deutsch-ungarische Schülergruppe hat sich auf jeden Fall für das Offshore-Windprojekt als Empfänger der Fördergelder entschieden.