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Sprecher ist Prof. Thamer aus Münster Beirat für in Lingen geplantes Rosemeyer-Museum gegründet

Von Carsten van Bevern | 01.03.2019, 18:08 Uhr

Ein wissenschaftlicher Beirat begleitet ab sofort die Einrichtung des vom Lingener Unternehmer Heinrich Liesen in der Lingener Innenstadt geplanten Museums für den aus der Stadt stammenden und in den 1930er-Jahren berühmten Rennfahrer Bernd Rosemeyer und seiner Frau Elly Beinhorn.

Aus fünf bis maximal zehn Mitgliedern soll dieser wissenschaftliche Fachbeirat bestehen. Diese sollen laut dem Museumskurator Prof. Dr. Bernd Walter "im regionalen Museumswesen, im Bereich der historischen Forschung, der regionalen erinnerungskulturellen und Gedenkstättenarbeit oder der allgemeinen Bildungsarbeit tätig sein und sich insbesondere mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzen."

Derzeit besteht der Gründungsbeirat aus den Historikern Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer, Prof. Dr. Alfons Kenkmann, Prof. Dr. Malte Thiessen und Dr. Ludwig Remling. Zum Beiratssprecher sei von den Mitgliedern Herr Thamer gewählt worden. Im fachhistorischen Bereich sei die Gewinnung der Beiratsmitglieder laut Walter auch problemlos verlaufen: "Vor Ort ist die Situation schwieriger. Das ist wohl ein Ergebnis der aufgeheizten Kommunikation und Kontroversen."

So bedauert es der jetzige Beirat nach Angaben von Walter auch, dass die Stadt und das Forum Juden-Christen bisher nicht vertreten sind: "Die Beiratsmitglieder haben auch bereits Vorschläge für weitere Mitglieder gemacht. Das Angebot an die Stadt und das Forum bleibt natürlich ständig bestehen." Die Mitglieder des Verwaltungsausschuss des Lingener Stadtrates haben aber bereits im Mai 2017 das Museumsprojekt abgelehnt und entschieden, dass dieses "weder heute noch in Zukunft finanziell oder ideell durch die Stadt Lingen oder durch eine der städtischen Institutionen unterstützt" wird. (Weiterlesen: Lotste Erich Cassel Bernd Rosemeyer in die SS?)

Und das Forum Juden-Christen, welches das Museumsprojekt immer "grundsätzlich und generell" abgelehnt hat, hat nach Aussage des Vorsitzenden Heribert Lange über eine längere Zeit das Projekt bei unterschiedlichen Gelegenheiten kritisch begleitet, eine Beteiligung am Beirat aber abgelehnt.

Aufgaben des Beirates

Und was sind die Aufgaben des Beirates? "Zur fachlichen und wissenschaftlichen Begleitung der konzeptionellen Entwicklung, inhaltlichen Profilierung, museumsdidaktischen Gestaltung und Einrichtung der Ausstellung des Museums sowie zur kritischen Begleitung der weiteren Arbeit wird ein wissenschaftlicher Beirat/Fachbeirat eingerichtet. Er versteht sich als Organ der Vermittlung/Verbindung zwischen wissenschaftlicher Forschung, musealer Praxis und regionaler Erinnerungskultur", heißt es dazu in der einstimmig von den Mitgliedern verabschiedeten Beiratssatzung.

Dies soll insbesondere geschehen

  • durch Stellungnahmen, Anregungen und Bewertungen zum Ausstellungs- und Gestaltungskonzept und zu den Ausstellungsinhalten.
  • durch Beratung und Unterstützung der musealen Arbeit und didaktischen Vermittlungstätigkeit.
  • durch Förderung der Vernetzung und Zusammenarbeit aller Gruppen und Personen, die sich um eine kritische regionale Erinnerungskultur bemühen.
  • durch Anregungen und Vorschläge für zum Beispiel Sonderausstellungen, Veranstaltungen und Kolloquien, die eine kritische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und dadurch eine zukunftsorientierte Erinnerungsarbeit fördern.

"Die Expertise des Beirates ist zentraler Bestandteil der Qualitätssicherung der Arbeit des Museums und bildet den Referenzrahmen für die Arbeit des Vereins und die Leitung der Einrichtung“, zitierte Walter weiter aus der Satzung.

Das weitere Vorgehen

"Die Beiratsgründung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Museums, da es nun nicht mehr um die Frage des ,Ob` geht, sondern um die Herausforderungen der Umsetzung", sagte Walter. So sei in der ersten Beiratssitzung bereits über die Haupttexte diskutiert und das Material gesichtet worden. Bis Anfang April wird das „Drehbuch“ für das Museum weiter konkretisiert. "Der Beirat wird dieses Drehbuch dann diskutieren und eine vorläufige Fassung freigeben, mit der dann Museumsgestalter aufgefordert werden sollen, Gestaltungsideen einzureichen. Im Beirat wird dann über die Auftragsvergabe entschieden," erklärte Kurator Walter zum weiteren Vorgehen.