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Infoveranstaltung der RWE Der Abbau des alten AKW in Lingen dauert 15 Jahre

Von Thomas Pertz | 12.04.2016, 19:52 Uhr

Nach der Erteilung der Genehmigung zum Abbau des alten Kernkraftwerkes in Lingen stellt RWE Power an diesem Donnerstag, 14. April, die Planungen zum Abriss des 1977 stillgelegten AKW vor. Der als Demonstrationsanlage konzipierte Siedewasserreaktor war am 31. Januar 1968 in Lingen-Darme in Betrieb gegangen.

Wenn vom Atomkraftwerk in Lingen die Rede ist, dann werden wohl viele Bürger das 1988 in Betrieb gegangene Kernkraftwerk Emsland im Industriepark meinen. Dessen Laufzeit endet Ende 2022. Das Atomzeitalter in Lingen begann aber viel früher, exakt am 31. Januar 1968, als das Kernkraftwerk Lingen an der Schüttorfer Straße den ersten Strom lieferte. Allerdings nur neun Jahre lang. 1977 war Schluss für den als Demonstrationsanlage konzipierten Siedewasserreaktor. Ein Maschinenschaden sorgte für ein jähes Ende.

Im sicheren Einschluss

Im Schatten der großen Kühltürme des benachbarten Gaskraftwerkes erinnert heute nur noch die rund 50 Meter hohe Kuppel an Anfang und Ende des in vierjähriger Bauzeit errichteten Reaktors.

Seit 1988 befindet sich die Anlage im sogenannten sicheren Einschluss. Zwischen 1993 und 1996 erfolgte der Abriss konventioneller Anlagenteile, 2009 der Abriss des Schornsteins. Brennstäbe befinden sich schon seit 1986 nicht mehr im Reaktor, wohl aber schwach- und mittelradioaktive Materialien.

Abbaugenehmigung

Den Antrag zum Abbau des Kernkraftwerks stellte RWE im Dezember 2008. Sieben Jahre später, im Dezember letzten Jahres erfolgte die Genehmigung . Mit dem Abriß betraut ist Ulrich Priesmeyer. Der Maschinenbauingenieur verfügt über viel Erfahrung bei der Stilllegung und beim Abbau kerntechnischer Anlagen. Er koordiniert die komplexen Arbeiten an der Schüttorfer Straße mit einem Team von insgesamt rund 50 Beschäftigten.

Das Gesamtgewicht des Gebäudes beläuft sich nach seinen Angaben auf 59.000 Tonnen. „Davon entfallen allein 55.000 Tonnen auf Beton, der sauber ist“, erläuterte Priesmeyer.  Materialien, die für die Endlagerung bestimmt sind, haben nach seinen Angaben ein Gewicht von 1500 Tonnen. Das Endlager Schacht Konrad für schwach- und mittelradioaktive Abfälle ist allerdings noch nicht im Betrieb. Bis dahin würden die Materialien in speziellen Fässern in den Kellerräumen des alten Reaktorgebäudes gelagert, sagte der Ingenieur. Es werde kein Zwischenlager errichtet.

Umfangreiche Dokumentation

Die Dokumentation während der Arbeiten ist umfangreich: Jedes Bauteil wird gemessen und behördlich sowie gutachterlich betreut.

Zunächst begonnen wird im ersten Teilprojekt mit allen Bauteilen, Stahl vor allem, die kontaminiert, also radioaktiv verunreinigt sein können. Sie werden gereinigt, abgebaut und recycelt. Alle weiteren Maßnahmen beim Abbau des alten Kernkraftwerkes hängen davon ab, wann ¸das stillgelegte Eisenerz-Begwerk in Salzgitter in Betrieb geht. Das verstrahlte Material in den Containern soll dann direkt dorthin gebracht und eingelagert werden.

Der gesamte Zeitraum für die Maßnahmen zum Abriss des AKW erstreckt sich über 15 Jahre bis ins Jahr 2030. Der Anblick der alten Kuppel wird den vorbeifahrenden Autofahrern also noch eine ganze Weile erhalten bleiben – und als Fotomotiv beim Abifestival weiterhin dienen können.

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