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Interview mit Eva Essmann "Die Leidenschaft der Lingener für die Wilhelmshöhe tut mir gut"

Von Thomas Pertz | 11.11.2018, 17:00 Uhr

Der Traditionsbetrieb Wilhelmshöhe soll zu jeder Jahreszeit der Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens in Lingen sein. Diesen Wunsch hat Eva Essmann, die den Umbau finanziert, in einem Interview mit unserer Redaktion geäußert.

Frau Essmann, können Sie sich noch daran erinnern, wann Sie das erste Mal auf der Wilhelmshöhe waren?

Ja natürlich, das war im Frühjahr 1968. Damals stellte mich mein Freund Heinrich seinen Eltern Elfriede und Heinrich sen. Essmann vor. Mutter und Vater Essmann zeigten mir mit viel Begeisterung „ihre“ Wilhelmshöhe, die sie mit Herzblut führten und die ihren Söhnen Heinrich und Henning ein wunderbares Zuhause war. Ich habe mich mit Heinrichs Eltern auf Anhieb gut verstanden und fühlte mich als Rheinländerin sehr gut aufgenommen.

Wie haben Sie die Wilhelmshöhe damals wahrgenommen?

Die Wilhelmshöhe war unter der Leitung von Mutter und Vater Essmann über die Grenzen Lingens hinaus bekannt. Wie ich später merkte, spielte sich das gesellschaftliche Leben auf der Wilhelmshöhe in vollen Zügen ab. Ich lernte den Bürgerschützenverein und den Kivelingsverein kennen, die wie auch die Bundeswehr rauschende Feste auf der Wilhelmshöhe feierten. Der Saal Wilhelmshöhe hatte darüber hinaus auch im öffentlichen Leben seinen Platz. So diente er vor dem Bau des Theaters als Theatersaal und für Empfänge der Stadt Lingen z.B. anlässlich des Besuches von Bundespräsident Walter Scheel zur 1000-Jahr-Feier. Die Gaststätte war urig eingerichtet, ich erinnere mich vor allem an den großen Stammtisch. Mutter Essmann war eine hervorragende Köchin, noch heute schwärmen alte Lingener von ihren frisch gebratenen Koteletts. Die Gäste fühlten sich hier sehr wohl. Vater Essmann hatte in den Gärten der Wilhelmshöhe Gehege angelegt, in den Pfauen und Zwerghühner gehalten wurden. Es war eine richtige Idylle, die insbesondere unser Sohn Heiner liebte.

Aus Altersgründen mussten ihre Schwiegereltern dann ihr Engagement auf der Wilhelmshöhe aufgeben. Das ist ihnen sicherlich schwer gefallen, oder?

Ja, sehr sogar. Sie waren ja immerhin 45 Jahre dort gewesen und zogen dann in ein Haus am Hagebuttenweg. Ich spürte, dass den beiden dieser Schritt nicht leicht fiel. Sie übergaben die Führung der Wilhelmshöhe an ihren Sohn Henning. Henning führte die Wilhelmshöhe im Geiste seiner Eltern erfolgreich weiter, sodass die Ära Essmann auf der Wilhelmshöhe nahezu ein halbes Jahrhundert währte.

Durch Ihr großzügiges finanzielles Engagement eröffnen Sie nun der Wilhelmshöhe ganz neue Perspektiven. Wie kam es dazu?

Im Oktober 2017 berichtete mir mein Mann von seinen Plänen, sein Elternhaus wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Er wollte die alte Terrasse, die nach dem letzten Umbau 1998 überbaut worden war und seitdem von vielen Wilhelmshöhe-Gästen vermisst wurde, wiederherstellen. Wichtig war ihm auch, dass das Gebäude Wilhelmshöhe nach außen ein etwas eleganteres Aussehen bekommt. Schließlich sollte die Wilhelmshöhe auch wieder die baulichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches tagesgastronomisches Angebot bekommen. Daher wünschte er sich eine Umgestaltung der Bierstube und des Restaurantraumes. Am 22. November 2017 verstarb mein Mann. Für mich ist seither wichtig, seinen Wunsch in Erfüllung zu bringen und meine Freunde haben mich hierin bestärkt.

Wie hat der Trägerverein Wilhelmshöhe Lingen e.V. als Eigentümer auf Ihren Wunsch reagiert ?

Die Freude war groß. Kaum hatte ich dem 1. Vorsitzenden Thomas Diepenbrock über mein Vorhaben berichtet, setzte eine starke Dynamik bei allen beteiligten Parteien ein. Ich habe gemeinsam mit dem Vorstand des Trägervereines und dem Architekten Heinz-Jürgen Krieger Ideen entwickelt und dabei auch die Wünsche des aktuellen Wilhelmshöhe-Wirtes berücksichtigt. Mit wem auch immer ich in Lingen über meine Pläne gesprochen habe – es machte sich gleich ein großes Wohlwollen und eine große Begeisterung breit. Ich durfte erleben, wieviel Leidenschaft die Lingener Bürgerinnen und Bürger noch immer ihrer Wilhelmshöhe entgegenbringen. Das hat mir richtig gut getan, weil ich weiß wie sehr sich mein verstorbener Mann darüber gefreut hätte.

Was wünschen Sie der Wilhelmshöhe für die Zukunft ?

Für die Zukunft der Wilhelmshöhe wünsche ich mir, dass dort noch viele Generationen von Lingenern wie Heinrich und ich frohe Stunden erleben. Sei es zu den großen Traditionsfesten, zu Familienfeiern oder einfach in dem schönen Biergarten – die Wilhelmshöhe möge zu jeder Jahreszeit der Mittelpunkt gesellschaftlichen Lebens in Lingen sein. Der Wirt soll die Möglichkeit haben, in den neu gestalteten Räumen sein Geschäft mit guter Qualität erfolgreich führen zu können. Und die städtischen Außenanlagen wünsche ich mir wieder so schön wie damals, als die Wilhelmshöhe ein richtiger Park umgab. So könnten wir die Nachbarschaft zum Theater und Kino nutzen, um einen richtigen Kulturpark entstehen zu lassen. Und ich würde mich freuen, wenn dabei der Name Essmann auf der Wilhelmshöhe auch künftigen Generationen in guter Erinnerung bleibt.