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Ausbildung in Hauswirtschaft und Gartenbau Reholand in Lingen eröffnet benachteiligten Menschen Perspektiven

Von PM. | 23.09.2018, 17:31 Uhr

Der soziale Wirtschaftsbetrieb Reholand in Lingen ist auch im Ausbildungsbereich aktiv. So haben kürzlich junge Leute eine Ausbildung zur Fachpraktikerin Hauswirtschaft und zum Gartenbauwerker erfolgreich absolviert. "eine tolle Ausbildung mit beruflicher Perspektive", zitiert Reholand in einer Mitteilung Geschäftsführer Alfons Hennekes.

Vier junge Erwachsene haben vor Kurzem ihre Ausbildung zur Fachpraktikerin Hauswirtschaft erfolgreich absolviert. In einer kleinen Feierstunde bedankten sie sich für die Unterstützung durch die Berufsschullehrer, den Betrieben aus der Region, welche die betriebliche Ausbildungsphasen ermöglichten, bei der Landwirtschaftskammer für die Betreuung sowie bei der Agentur für Arbeit für die Förderung. In ihren Dank schlossen sie auch die Ausbilder und Lehrkräfte und das ganze Ausbildungsteam von Reholand für die Begleitung mit ein.

Afrah kam 2009 aus dem Irak

Wie viel diese jungen Menschen durch die Ausbildung erreichen können, zeigt nach Angaben von Reholand das Beispiel von Afrah. Sie hatte am 1. September 2014 die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme Reha (BvB-Reha) bei Reholand begonnen. Dort werden allgemeine und berufliche Inhalte vermittelt sowie Schlüsselkompetenzen gefördert. Afrah, die 2009 mit ihrer Familie vom Irak nach Deutschland geflüchtet war, hatte zu diesem Zeitpunkt nur geringe Deutschkenntnisse. Deshalb wurde zusätzlicher Sprachunterricht eingerichtet. Ihre ausgeprägte Motivation bewirkten von Anfang an gute Fortschritte, heioßt es in der Mitteilung von Reholand. Mit viel Fleiß wurde nach elf Monaten die Ausbildungsfähigkeit erreicht und mit der Agentur für Arbeit der Übergang in die Ausbildung ab 2. September 2015 vereinbart. Afrah begann an diesem Tag ihre Ausbildung zur Fachpraktikerin Hauswirtschaft bei Reholand.

Da Afrah in Deutschland keine allgemeinbildende Schule, sondern nur das Berufsvorbereitungsjahr an der BBS in Nordhorn besuchte, stand ihr viel Arbeit bevor. Trotz geringer Deutschkenntnisse konnten ihr die fachlichen Kenntnisse vermittelt werden. Durch Wiederholungen, praxisnahem Unterricht und betrieblichen Ausbildungsphasen verfestigten und erweiterte sich ihr Wissensstand und ihr deutscher Wortschatz. Obwohl sie vor Beginn der Berufsausbildung wenige Erfahrungen im schulischen Kontext hatte, meisterte sie durch die Unterstützung und das Verständnis der Lehrer die Berufsschule während der Ausbildung und schaffte sogar ihren Hauptschulabschluss.

Hiesige Kultur näher gebracht

Auch die so genannten Soft Skills hat Afrah im Laufe der Maßnahme durch den Schul- und Arbeitsalltag und mit Unterstützung der Sozialpädagogen verinnerlicht. Zudem wurde ihr die hiesige Kultur näher gebracht, welche sie mittlerweile auch ein Stück weit selbst lebt. So hat sie auf einer der Weihnachtsfeiern von Reholand zusammen mit ihren Kolleginnen eine weihnachtliche Kurzgeschichte vorgetragen. Gleichzeitig ließ Afrah aber auch andere an ihrer Herkunftskultur teil haben. So kochte sie zum Beispiel in einer der Küchen von Reholand als Mittagsmenü für alle ein irakisches Gericht.

Zum Ende der Ausbildung absolvierte Afrah schließlich ein Vermittlungspraktikum in einer Einrichtung der Bürgerhilfe in Nordhorn, woraus sich für sie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ergeben hat. Dabei kam ihr der Lehrgang „Pflegehilfe im hauswirtschaftlichen Bereich“ zugute, den sie während der Ausbildung mit viel Lernbereitschaft und Eigeninitiative erfolgreich absolviert hatte.

Deutsche Staatsbürgerschaft als Ziel

Afrahs nächstes Ziel ist nun die deutsche Staatsbürgerschaft. Durch den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung und die Arbeitsaufnahme hat sie nun bessere Chancen auf die Bewilligung ihres Antrages auf Einbürgerung.

Erstmals bei Reholand wurde die praktische Abschlussprüfung für die Werker und Werkerinnen im Gartenbau durchgeführt. Vielfach verbindet man mit einer Fachwerker-Ausbildung eine, die für Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung und geringen Anforderungen gedacht ist. Dies entspricht nach Angaben von Reholand nicht der Realität. Die Prüflinge sind Menschen, die im bisherigen Leben benachteiligt waren und nun mit dem Berufsabschluss ihre Qualifikation und Fähigkeiten nachweisen können. Am Beispiel der nachfolgenden Anforderungen werde der Anspruch an die Ausbildung des Gartenbauwerkers ersichtlich, heißt es in der Mitteilung: -Pflanzen bestimmen und deren Eigenschaften und Ansprüche benennen, Pflanzenkunde (deutsche und botanische Bezeichnung), Ausführen von vegetationstechnischen Arbeiten ( u.a. Pflanzarbeiten) und das Herstellen von befestigten Flächen (u. a. Pflasterarbeiten).

Über die geförderte Ausbildung der Agentur für Arbeit könnten benachteiligte junge Menschen sehr viel erreichen und sich qualifiziert auf dem Arbeitsmarkt bewerben und integrieren, betonte Alfons Hennekes, Geschäftsführer bei Reholand. Das Netzwerk zur Förderung der benachteiligten Menschen ermögliche zu 75 Prozent den direkten Einstieg in den 1. Arbeitsmarkt.