Ein Artikel der Redaktion

Mit Gitarren und Orgel Choralis bringt ungeahnte Klänge in die Kreuzkirche

Von Peter Löning | 30.04.2019, 13:12 Uhr

Ein durchaus interessantes Klangerlebnis gab es beim jüngsten Kreuz-Kirchen-Konzert mit dem Ensemble Choralis in Lingen. „Es wird Klänge geben, die ich bislang noch nicht gehört habe in der Kirche“ gab Kantor Peter Müller dem Publikum mit auf den Weg.

Choralis, das ist ein Trio aus Erich Adalbert Radke (Gitarre, E-Piano), Gerhard Koch-Darkow (Gitarre, E-Gitarre und Perkussion) sowie Karsten Klinker (Orgel). Sie verstehen sich als „ein Komponistenprojekt vornehmlich für Kirchenräume“. So widmen sich ihre Kompositionen also denn auch kirchlichen Themen.

Ihr Konzert in Lingen eröffnete das Trio allerdings mit einer Komposition des 1955 in Hamburg geborenen und dort wirkenden Komponisten Andreas Willscher. Die „Sechs Stücke für Gitarre und Orgel“ waren hier wohl ein wenig umarrangiert zum Trio, wobei die Gitarrenstimme häufig nur verdoppelt zu klingen schien. Die Stücke konnten sehr wohl die Aufmerksamkeit der Hörer an sich binden – schon durch kleine Schwebungen in der Intonation oder mikroskopische Echoeffekte durch eben nicht verschmelzend synchron gespielte Melodielinien in den verstärkten Gitarren.

Farbenreich und eindrucksvoll ging es durch die Sätze, wobei die Nummer fünf „Boléro“ durch seinen deftig folkloristischen und tänzerischen Einschlag in der Folge ein wenig herausstach. Zeigten sich die anderen Sätze doch weitaus verhaltener.

Eine eigene Komposition ist die „Missa Andalusia“, die sich dem biblischen Thema der „sieben letzten Worte Christi am Kreuz“ widmet. Eine gern und häufig vertonte Vorlage, die in der Version von Joseph Haydn aus dem Jahre 1787 wohl heute den größten Bekanntheitsgrad hat. Choralis“ haben sich die sieben Worte aufgeteilt und abwechselnd als Gitarren-Duo (unverstärkt aus dem Altarraum) und als Orgel-Solo dargeboten. In Lingen wurden diese sieben Stücke zusätzlich mit projizierten Bildern der Künstlerin „Rena N“ illustriert. Ein wenig klischeehaft klang hier den Gitarren eine Spur Flamencoerinnerung an wogegen der Orgelpart kontrastierend offensichtlich eher an Chorälen entlang improvisierte. „Wie soll ich dich empfangen“ oder „Christ ist entstanden“ konnte man der Orgel entnehmen, wogegen die Gitarren im Habanera-Rhythmus triste Seufzermotive glissandierten („Mich dürstet“).

Wie eine sehr groß angelegte viersätzige Improvisation erklang als letzter Konzertteil „Ecce Lignunm Crucis“, ein gregorianisches Thema, das hier als „Flashback in die 80er-Jahre“ mit Einflüssen indischer „Ranga“-Musik, mit Elementen aus „Psychodelic Rock“, aus Blues und Jazz-Rock erklang. In seinen Ausmaßen den Rahmen den Abends weit dehnend war hier der Punkt erreicht, wo die Musiker mit Orgel, E-Piano, Gitarre, E-Gitarre, Perkussion und einiger Elektronik ein weites klangliches Spektrum erzeugten, interessant und inspirierend.