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20. Lingener Weinlaube Zwei Abende, die "nicht jede Stadt zu bieten hat"

Von Johannes Franke | 04.08.2019, 20:09 Uhr

Kulinarisches mit Kulturellem in geselliger Atmosphäre traditionell auf dem Universitätsplatz miteinander verbinden: Das ist auch der 20. Lingener Weinlaube wieder vortrefflich gelungen. Unter den alten Bäumen, eingerahmt vom Professorenhaus, der ehemaligen Lateinschule und der Kreuzkirche bot das Fest für mehr als 2000 Besucher am vergangenen Freitag- und Samstagabend entspannende Stunden.

Für viele Lingener, Besucher aus den umliegenden Gemeinden und von weit her Angereisten ist die Lingener Weinlaube eine besondere Veranstaltung - ein fröhliches, gemütliches Beisammensein. Der Erfolg ist neben den musikalischen Darbietungen und kontaktfreudigen Begegnungen auch dem historischen Ambiente des Universitätsplatzes zuzuschreiben. Der Rebensaft, nicht nur aus deutschen Landen, lockert zudem die Zunge, sorgt für leutselige Stunden.

Regine, Janine, Daniel und Pascal staunen, wie voll der Platz bereits am Samstagabend um 19 Uhr ist und finden es jetzt schon „total schön“. Die Vier kennen sich aus ihrer Schulzeit, feiern hier ihr Wiedersehen, finden die Stimmung toll, genießen die „gute Stimmung“, den Wein und bezeichnen die Weinlaube als „außergewöhnliches Fest, das nicht jede Stadt zu bieten hat“.

Musiker aus der Region

Die Musikformation Tobias Bako & Friends hätten sie gerne am Freitagabend gehört und ihren ehemaligen Musiklehrer getroffen. Verpasst haben sie somit ein zweistündiges Programm von drei Szenemusikern aus der Region. Tobias Bako am Klavier, Eike Kumbrink mit einfühlsamer Stimme und Schlagzeuger sowie Kai Liedtke am Saxophon. Spielte das Trio „gestern“ noch als musikalischer Botschafter des Emslandes auf der Berlinale, verwöhnte es jetzt das Publikum mit Filmmusik-Improvisationen.

Ins Auge des Tigers mussten sie bei ihren „Rocky-Themen“ aus den gleichnamigen Filmen nicht schauen, sondern nur in glänzende, wohlwollende von Beifall klatschenden Besuchern. Ihr Repertoire aus bekannten Melodien aus dem Soul-, Pop- und Folkbereich war die gut gemischte Unterhaltung, sodass diese auf dem Platz auch noch geführt werden konnte. Bei smoothen Jazzstücken glänzte Kai Liedtke als Saxophonist, und Eike Kumbrink versank bei seinen gefühlvoll intonierten Balladen als Sänger und Drummer in seiner Musik. Diese Auftritte waren eine besondere „Auslese“ heimischer Musiker, die bei vielen noch besser ankamen als die Acts der folgenden, internationalen Künstler.

Nur gut, dass die heißen Tage und Abende sich abgekühlt hatten, denn mit Jean-Pierre Khonde kamen die karibischen Nächte zurück. Er ist ein alter Bekannter der Weinlaube, benötigt nur seine Stimme, die Gitarre und eingespielte Arrangements. Mit seinen „südseemäßigen Rhythmen“ versetzte er das Publikum in gute Laune und Schwung, jedoch hielt sich das Tanzen vor der Bühne am Freitag- und Samstagabend noch in Grenzen und nicht überall wurden seine Sangeskunst und die Gitarrenklänge gehört.

Doch die Zurückhaltung durchbrachen sechs junge Musiker aus Simbabwe. Die Tonga-Gruppe Mokoomba erzeugten mit ihrem Gesang und den traditionellen und modernen Instrumenten sehr lebendige afrikanische Musik und Klänge, die die verschiedenen Kulturen des südlichen Afrikas umfasst. Der durchdringende Gesang von Sänger Mathias Muzaza und die geballte Kraft der exotischen Melodien machten einfach nur Spaß. Die „explodierende Band“ mit ihrer innovativen Musik, eine elektrisierende Mischung aus Afro-Fusion und traditionellen Tonga-Rhythmen, übertrug ihre Freude auf die Besucher, die einfach nur noch tanzen wollten.

Wieder einmal ein Weinlauben-Wochenende, das Petra, Beate, Maria, Franz und Rainer aus Lohne als „geselliges Familientreffen“ feierten und nach der letzten Spätlese lieblich und froh gelaunt mit dem Rad nach Hause fuhren.