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Mit der Macht des Schicksals Jahreskonzert des Lingener Kammerorchesters

Von Peter Löning | 30.09.2019, 17:51 Uhr

„Die Macht des Schicksals“, so überschrieb das Lingener Kammerorchester (LKO) das Programm zu seinem Jahreskonzert, das am vergangenen Sonntag so einige Musikfreunde in das Lingener Theater lockte.

„Die Macht des Schicksals“ (La forza del destino) ist auch der Titel einer Oper von Giuseppe Verdi von 1862, aus der hier das überaus bildhafte Vorspiel klangschön auf die Bühne kam. Gut gearbeitet geht es durch ein Dick und Dünn der Emotionen. Süße und schwelgende Momente wechseln sich ab mit hoch dramatischen im tosenden Tutti. Ein großes Lob an dieser Stelle für die Bläser für ihre kleinen und feinen solistischen Einwürfe, als es auf einem Scheideweg sehr still wird, eh dass eine schicksalhafte Geschäftigkeit das Geschehen wieder übernimmt. Ein fulminantes Finale schließlich unterstrich: Das war toll gemacht!

Eröffnet wurde dieses Konzert aber mit einem neuen und überaus löblichen Projekt des LKO. Mit Unterstützung der Stadt Lingen gibt es für ausgesuchte Preisträger des Musikwettbewerbs „Jugend musiziert“ hier die Möglichkeit mit dem Orchester zusammen aufzutreten. Der 2005 geborene Violinist Vincent Liu (Schüler der Musikschule des Emslandes) konnte also hier ganz großen Eindruck hinterlassen mit dem Titelthema des Spielberg-Films „Schindlers Liste“, 1993 von John Williams komponiert. Eine betörend stimmungsvolle, stille Musik.

Ganz anders am Ende des ersten Konzertteils Jean-Baptiste Albans Fantasie und Variationen über "Der Karneval von Venedig" (Mein Hut der hat drei Ecken). Als Solisten für dieses Stück konnte Dirigent Lulzim Bucaliu (heute dirigierte er mit Hut ohne Ecken) einen Kollegen aus dem Luftwaffenmusikkorps Münster der Bundeswehr gewinnen. Dominik Schneider brillierte dieses hochvirtuose Bravourstück auf dem Bariton und verzauberte das Publikum mit unvorstellbar halsbrecherischen Melodieläufen. Dem noch einen daraufzusetzen ließ er die Hörer wissen, dass er die letzte, furiose Variation mit nur einem Finger auf den Ventilen meisterte. Bravissimo!!

Eine Zugabe hatte Dominik Schneider auch im Gepäck, die nicht minder eindrucksvoll den Klang des Didgeridoo aufnehmen wollte. Bei „Fnugg“ von dem norwegischen Komponisten Oystein Baadsvik werden dem Bariton zum Staunen der Hörer enorm seltsame Klänge entlockt – gespielt und dabei gesungen -, mit denen am Ende ein beinahe poppig grooviges Stück Musik erklingt. Großartig!

Der zweite Konzertteil nahm vorweg, was uns im nächsten Jahr zuhauf begegnen wird. Ein Gruß an Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag dann ansteht. Seine 5. Sinfonie in c-Moll, bekannt auch als „Schicksalssinfonie“ ist dies ein Meisterwerk von ungeheuer erhabener sinfonischer Strahlkraft. Eine Freude, hier eintauchen zu dürfen. Leider nur, der erste Anfang, das so sehr berühmte fallende Terzmotiv, aus dem sich alles entwickelt, der erste Anfang war vergeigt und färbte auch die Folgetakte ein wenig wackelig. Schade. Erst im weiteren Verlauf konnte sich die Sache stabilisieren, und schlussendlich konnte der Finalsatz mit seinem majestätischen Dreiklang sehr wohl ein Gänsehautgefühl erzeugen. Ein großartiges Werk sinfonischer Klangkunst.

Dank an das Lingener Kammerorchester für dieses schöne Konzert.