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Weitere Bürger willkommen Integrationslotsen in Lengerich: Arbeit bereichernd

Von Johannes Franke | 19.11.2015, 09:52 Uhr

Für die Anfertigung einer mehrsprachigen Informationsmappe für Flüchtlinge in Lengerich haben sich die Integrationslotsen ausgesprochen. Auch dies sei eine Möglichkeit, den Zugang zu diesen Menschen zu erleichtern, hieß es in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Einmal im Monat treffen sich die über zehn tätigen Integrationslotsen zum Gedankenaustausch.

Mitte Oktober hatte ein „Runder Tisch“ zum Thema Asyl in der Gemeinde stattgefunden. Dort seien eine Reihe vielversprechender Ideen entwickelt worden, so Pastor i. R. Uwe Vollmer. Der „Knackpunkt“ ist nach seinen Angaben der Erstkontakt mit den Asylsuchenden. „Warum kommen wir Integrationslotsen so schlecht an die Menschen heran?“, habe er gefragt, und gibt die Antwort. „Weil die Informationen und Fragen viel zu bürokratisch formuliert sind und der Datenschutz uns die Hände bindet.“ In der Lengericher Verwaltung arbeite man an diesem Thema. Die Aushändigung einer mehrsprachigen Informationsmappe sei absolut wichtig, die ebenfalls nach Mustern aus anderen Kommunen auf Lengerich übertragen werde.

Vollmer beklagte die „behördenlastige“ Infomappe und verwies auf den mehrsprachigen und positiv zu bewertenden Landkreisflyer, den es bei den Volkshochschulen gebe. Als Integrationslotse wünsche er sich, dass die helfenden, sich engagierenden Bürger ebenfalls vermerkt würden. Er dankte Theresa Surmann als Sachbearbeiterin für Migrations- und Flüchtlingsarbeit vom SKM für ihre Bereitschaft, den Integrationslotsen bei rechtlichen und sozialen Fragen zu helfen. „Wir fangen klein an, sind aber auf dem richtigen Weg“, betonte Vollmer.

Konsens am Runden Tisch herrschte, Kinder und Jugendlichen u. a. in Sportvereinen schnell zu integrieren. Hubert Hockling, Vorsitzender des Sportvereins Lengerich-Handrup, habe ihm sofort den Trainingsplan aller Fußballgruppen mitgegeben. Zu Bundestrainer Jogi Löw und seinem Freund Alexander Fischinger habe er seit seiner Zeit im Schwarzwald guten Kontakt. „Sie werden uns Fußballschuhe und Trikots schicken“, freute sich Vollmer.

Schulleiter Franz-Josef Hanneken vom Gymnasium Leoninum bietet an, dass seine Kollegen ehrenamtlich Deutsch unterrichten, damit sich die Flüchtlingsfamilien über die Sprache schneller integrieren können. Es gebe bereits einen Männertreff, sagt Integrationslotse Eugen Möller, doch „unterm Strich ist die Teilnahme eher mäßig.“

„Ehrlichkeit wichtig“

Über Sport und Spiel, drinnen und draußen, wollen die Integrationslotsen zudem den Asylsuchenden die deutsche Sprache vermitteln. „Traurig und bedauerlich“ findet Möller das rigide Abschiebungsverfahren, vor allem dann, wenn Erwachsene und Kinder seit Jahren in Deutschland leben, sich hier heimisch fühlen und dann wieder fortgeschickt werden. „Ehrlichkeit“ gegenüber den Asylsuchenden sei wichtig, betont Vollmer. Er sei mit Samtgemeindebürgermeister Matthias Lühn einer Meinung, „dass nicht falsche Hoffnungen geweckt werden dürften.“

Obwohl die Gesprächsrunde am Runden Tisch und unter den zahlreichen Teilnehmern positiv verlaufen war, stieß der Aufruf auf ein zukünftiges konkretes Mitarbeiten als Integrationslotse auf relativ wenig Resonanz. Die jetzigen Integrationslotsen der Samtgemeinde Lengerich sehen ihre Arbeit als „Zugewinn“ und nicht als „Mühsal“. Es sei befriedigend, Menschen zu helfen. Doch auch aufregend und mitunter frustrierend, „weil es doch nicht so geklappt hat, wie man es sich dachte“, sagt Bärbel Vollmer.

Nach dem Neujahrsempfang mit dem Appell, Integrationslotse zu werden, habe sie sich dazu entschlossen, ebenso ihr Mann Uwe, Eugen Möller, Hatice Sonmez aus der Türkei und Ulvija Malikova aus Aserbaidschan. „Wir sind nicht die Einzigen. Etwa 20 Bürger haben Kurse in Lengerich und Freren absolviert“, sagt Hatice, die schon seit 14 Jahren in der Samtgemeinde lebt und „etwas zurückgeben möchte.“ Als Muslima hat sie eine „Scharnierfunktion“ und kann den Frauen besonders helfen. Es sei eine Bereicherung, anderen Menschen zu helfen und fremde Kulturen kennenzulernen, betont Möller.

Wunsch aller Asylsuchenden sei es, schnell zu arbeiten, die deutsche Sprache zu erlernen und einen Bleibestatus zu erlangen, so die Integrationslotsen. Die Ungewissheit mache physisch und psychisch krank.