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Rechtsextremismus im Alltag Langzeit-Sozialprojekt an der Oberschule Lengerich

Von Johannes Franke | 06.07.2015, 19:50 Uhr

Wo und wie zeigen sich Ausgrenzung, Rassismus und rechtsextremistisches Gedankengut im Alltag? Und wie kann darauf reagiert werden? 24 Achtklässler der Lengericher Oberschule haben zur Eröffnung der Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung ihre Sichtweise dazu nach einem einjährigen Projekt präsentiert. Die szenischen Darstellungen haben die Gäste im voll besetzten Foyer beeindruckt.

Vor allem die Teilnehmer des Sozialen Seminars stehen an diesem Abend im Mittelpunkt, ihre Projektpräsentation sind die Ergebnisse und Erkenntnisse einer einjährigen Zusammenarbeit der Schulsozialarbeiterin Juliane Schäfer und Johannes Kröger vom Ludwig-Windthorst-Haus (LWH). Fast ein Jahr haben sie an diesem Präventionsprojekt gearbeitet. Haben Themen konzipiert, Referenten eingeladen, kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede kennengelernt, Filme und Dokumentationen analysiert und ausgewertet, Collagen erstellt sowie an Wochenenden im LWH mit ausländischen Mitbürgern diskutiert.

„Wir sind jetzt gut informiert und haben klare Standpunkte. Wir wissen jetzt über Alltagsrassismus Bescheid und wissen, was wir tun können, wenn er uns begegnet“, erklärt eine Achtklässlerin. „Es darf keinen Platz für Rechtsextremismus geben“, ergänzt ein Mitschüler. Die 24 Jugendlichen präsentierten eindrucksvoll fünf Alltagsszenen, die nachdenklich stimmten, aufrüttelten sowie an Wachsamkeit und Zivilcourage appellierten. Da ist das fremde Mädchen, das ihren Platz in der Gesellschaft sucht. Sie bleibt aber draußen, ausgestoßen, allein. Geborgenheit wird ihr verwehrt. Dabei muss Fremdsein nicht negativ sein: Sie ist auch die Chance, etwas Neues kennenzulernen. Eine neue Sprache, andere Kulturen, Sitten und Gebräuche. „Wie sich fremde Menschen fühlen können, wissen wir, seitdem wir uns mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt haben“, sagt eine Darstellerin.

Weitere Auftritte thematisieren die Veränderungen in der rechten und rechtsextremen Szene. Aussehen und Kleidung waren vor einigen Jahren deutliche Erkennungsmerkmale. Heute kommen sie bürgerlich gekleidet fast unscheinbar getarnt daher, und sie finden mit ihrer manipulierenden Musik ein offenes Ohr. „Das macht uns Angst, es ist gefährlich“, erklären die Darsteller.

So wie auf dem Schülerabschlussball, auf der etwas völlig schiefläuft. Die Musik berührte die melancholischen Schüler – eine Strategie der Neonazis, um junge Menschen zu beeinflussen. Wie im „normalen Alltag“ Rassismus unterschwellig oder offen verbalisiert wird, verdeutlichten weitere Szenen. „Es darf keine Ausgrenzung geben, jeder Mensch ist gleich. Wir müssen einander respektvoll begegnen“, betonten die Jugendlichen.

Die Sozialpädagogin Medina Atalan, die an der türkisch-syrischen Grenze aufgewachsen und als junges Mädchen mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet ist, unterstrich im Gespräch mit Johannes Kröger: „Gebt bei blöden Sprüchen blöde Sprüche zurück.“ Dazu gehöre Mut – und im richtigen Moment eine Portion Schlagfertigkeit. Die Demokratie sei nicht selbstverständlich, sondern „eine Aufgabe, die wir schätzen und uns für sie einsetzen müssen.“

Mutig sein

„Ein „unglaublicher Pfeiler in unserer Gesellschaft ist dabei das Ehrenamt“, erklärte sie und forderte, Kinder ab der Kita an politische Beteiligungsmöglichkeiten heranzuführen. „Seid mutig. Sagt Nein. Setzt euch für andere ein, schwimmt nicht auf der Welle mit, findet eine gemeinsame Basis und einen respektvollen Umgang.“ Ihr Respekt galt den „tollen, jungen Menschen in der Oberschule. Hut ab!“

Sebastian Ramnitz, Bildungsreferent für Rechtsextremismusprävention und Demokratieförderung, informierte über Vorgehensweisen gegen und bei Rechtsextremisten und Hilfe suchenden Jugendlichen. Gleichzeitig eröffnete Kristian Bertz von der Friedrich-Ebert-Stiftung die Ausstellung zum Thema. Bis zum 9. Juli stehen die 13 großflächigen Tafeln mit Fotos, Grafiken, Texten im Foyer der Oberschule Lengerich.