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Nur noch 45 Plätze Lengerich sucht dringend Wohnungen für Flüchtlinge

Von Carsten van Bevern | 16.12.2015, 19:43 Uhr

„Die Situation der Asylbewerber.“ Dieser Punkt findet sich seit nunmehr einigen Monaten auf jeder Tagesordnung einer Sitzung des Lengericher Samtgemeinderates. Auf der jüngsten Sitzung berichtete SG-Bürgermeister Matthias Lühn von einem erfolgreichen Spendensammeltag und einer gemeinsamen Adventsfeier – aber auch von einer immer dringender werdenden Suche nach neuem Wohnraum.

„Wir suchen aktuell in allen Mitgliedsgemeinden dringend weitere Wohnungen. Für 35 Personen haben wir noch Wohnraum, dann noch einen Puffer für vielleicht noch einmal zehn Personen“, erläuterte Lühn die angespannter werdende Situation auf dem örtlichen Wohnungsmarkt. Dies vor dem Hintergrund, dass der emsländische Landrat Reinhard Winter auf der jüngsten Dienstversammlung der Bürgermeister aller 19 Kommunen im Landkreis bis Ende März noch mit 2500 weiteren Flüchtlingen rechnet. Dies würde laut dem Landrat allein für die Samtgemeinde Lengerich bis Ende März rund 100 weitere aufzunehmende Flüchtlinge bedeuten.

Bau von Notunterkünften?

So brachte Lühn als „allerletzten Schritt“ bereits den Bau von Notunterkünften wie die modularen Wohneinheiten in der Stadt Lingen ins Gespräch. „Dies wird gegebenenfalls notwendig werden.“ Momentan sind nach Angaben des Verwaltungschefs aber noch alle aktuell 100 in der Samtgemeinde lebenden Asylbewerber dezentral in kleineren Wohneinheiten untergebracht. So leben in Bawinkel und Gersten aktuell jeweils 20 Flüchtlinge, in Handrup 3, in Langen 9 und in Lengerich 48 Personen. 15 weitere Flüchtlinge sind aktuell der Samtgemeinde zugewiesen, leben aber in Borken oder Osnabrück und weitere 28 Personen sind bereits abgeschoben worden, gar nicht in Lengerich angekommen, untergetaucht oder aber freiwillig wieder ausgereist.

„Platzhirsch“ in Bawinkel angemietet

Als neueste Unterkunft hat die Samtgemeinde für weitere Flüchtlinge zwischenzeitlich in Bawinkel die Liegenschaft an der Haselünner Straße 17 („Platzhirsch“) angemietet. „Neue Wohnungen werden vorab immer von einer sogenannten Taskforce begutachtet und überprüft, ob aufgrund vorgeschriebener baurechtlicher Voraussetzungen zum Beispiel im Brandschutzbereich eine Anmietung auch vorgenommen werden kann. Eingerichtet werden die Wohnungen dann auch aus den Beständen eines Lagers in der Gemeinde Langen – bei einem vor kurzer Zeit stattgefundenem Sammeltag waren aus der Bevölkerung laut Matthias Lühn zahlreiche Möbel, Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände gespendet worden. „Die Hilfsbereitschaft unserer Bürger ist weiterhin groß. Im Frühjahr werden wir aber auch sicher weitere Sammeltage anbieten“, betonte Lühn.

Lichterfest mit 35 Flüchtlingen

Ein weiteres Beispiel für die auch in der Samtgemeinde Lengerich weiter gute Willkommenskultur erläuterte der Sprecher der örtlichen Integrationslotsen , der SPD-Ratsherr Ernst Uwe Vollmer, der ebenso wie Lühn direkt vor der Ratssitzung noch auf einem Lichterfest mit rund 35 Flüchtlingen in der evangelischen Kirche gewesen war: „Das war schon eine schöne Stimmung, viele Flüchtlinge suchen durchaus den Kontakt untereinander und zu den Einheimischen.“ Vor dem Hintergrund zunehmender Zahlen sei die Situation aber „durchaus ambitioniert“. Wichtig sei vor allem die schnelle Vermittlung von Deutschkenntnissen, die in Lengerich weiter an jedem Montagabend auch stattfindet. „Sehr hilfreich wäre eine Liste von Personen mit entsprechenden Hilfsangeboten, sodass wir Lotsen schnell jemanden anrufen können, der einmal eine Fahrt zum Arzt oder zu einer Behörde übernehmen kann“, erklärte Vollmer. Zudem würde er gerne eine Art „Internationales Café“ als Austausch- und Koordinierungsbörse nach dem Vorbild des Cafés im sozialen Kaufhaus im Marktplatz Freren einrichten. Dies könnte er sich zum Beispiel in den zentral am Lengericher Marktplatz gelegenen Räumen in der von der Gemeinde angemieteten ehemaligen Gaststätte Erdmann sehr gut vorstellen.

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