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Landkreis kritisiert SG Lengerich Zählt Abstand zum Windradmast oder zum Rotor?

Von Carsten van Bevern | 18.12.2015, 18:56 Uhr

Müssen nur die Masten oder aber die kompletten Windenergieanlagen samt der deutlich darüber hinausragenden Rotoren in für Windenergienutzung ausgewiesenen Sonderbauflächen liegen? Die Samtgemeinde Lengerich und der Landkreis Emsland sind in dieser Frage unterschiedlicher Ansicht.

Hintergrund: Die Samtgemeinde will den langsam in die Jahre kommenden Windpark Lengerich-Gersten möglichst langfristig und zukunftsfähig absichern, der Landkreis äußert dazu Bedenken. Um den Bestand des rund 15 Jahre alten Windparks langfristig zu sichern, will die Samtgemeinde den Betreibern des bestehenden Windparks eine Modernisierung durch aktuelle und damit größere Anlagen ermöglichen.

Dafür ist eine Änderung des Flächennutzungsplanes notwendig. Einen ersten Vorentwurf hatte die Samtgemeinde durch den Raum- und Umweltplaner Michael Schwarz aus Delmenhorst erarbeiten lassen, im Rat beschlossen und anschließend dafür zuständigen Behörden Stellungnahmen dazu ermöglicht.

Dabei äußerte der Landkreis jetzt Bedenken: So habe die Samtgemeinde in dem Vorentwurf die im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) festgelegten Schutz- und Vorsorgeabstände von 800 beziehungsweise 1000 Metern zu Wohngebäuden oder 100 Metern zu Waldflächen zwar „formal übernommen, allerdings in der zeichnerischen Darstellung um den Radius des Rotors reduziert. Die Sonderbauflächen fallen dadurch größer als im RROP aus.“

Mit diversen Hinweisen auf Kreistagsbeschlüsse, Rechtsauffassungen und Entscheidungen eben des Landkreises begründete der Planer Schwarz seine Sichtweise, dass die Abstände zu den Masten entscheidend sind und nicht die zu den Rotorspitzen. „Es lohnt sich, mit dem Landkreis über diese 41 Meter zu streiten“, betonte der Planer Schwarz. So könnte die jetzt vorgebrachte Sichtweise des Landkreises dazu führen, dass bei einer Modernisierung („Repowering“) des Windparks einzelne Anlagen weiter in das Vorranggebiet eingerückt werden müssten. „Dadurch ständen die Anlagen dichter zusammen, und dies hätte zum Beispiel durch mögliche Verwirbelungen negative Auswirkungen auf die Stromerzeugung und damit die Wirtschaftlichkeit des Windparks“, erklärte Schwarz.

Die Mitglieder des Samtgemeinderates stimmten dieser Sichtweise und damit dem vom Planer Schwarz erarbeiteten Vorentwurf der 33. Änderung des Flächennutzungsplanes einstimmig zu. Josef Stockel, Ratsvorsitzender und Bürgermeister der Gemeinde Handrup – dort soll gleichzeitig ein neuer aus drei Anlagen bestehender Windpark entstehen – erklärte dazu: „Wir könnten hier auf ein Problem mit dem Landkreis zugehen, denn wir wissen nicht, wie lange dieses Verfahren jetzt dauert.“ Die enge Lösung mit näher beieinanderstehenden Anlagen könne laut Schwarz aber auf jeden Fall rechtzeitig beantragt werden. Ob die von der Samtgemeinde favorisierte Lösung mit weiter auseinanderstehenden Anlagen mit entsprechend höherem Ertrag umgesetzt werden könnte, wisse er nicht: „Jetzt muss sich zeigen, wie der Landkreis auf diesen Entwurf reagiert.“