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Kritik am Wasserverband AG Unser Wasser weiter gegen Wasserwerk in Lengerich

Von Carsten van Bevern | 06.03.2016, 19:47 Uhr

Eine künftige Förderung von bis zu 1,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser in der Region durch den Wasserverband Lingener Land lehnt die AG Unser Wasser Lengerich-Handrup weiter ab. Sie sehen die derzeit laufenden Voruntersuchungen seitens des Wasserverbandes als nicht ergebnisoffen an und fühlen sich auch nicht ausreichend in dieses Verfahren eingebunden. Dies erklärten drei Vertreter der AG in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Ende vergangenen Jahres erst hatte die AG in der Region mit dem Aufstellen von großen Schildern mit den Aufschriften „Kein Wasserwerk in Lengerich“, „Kein Grundwasser für Industrie“, „Grundwasserspiegel sinkt“ sowie „Natur, Fauna & Flora in Gefahr!“ für Aufmerksamkeit und Diskussionen nicht nur in der Samtgemeinde Lengerich gesorgt. „Der Wasserverband will hier Wasser fördern! Er hat nach eigenem Bekunden nicht einmal einen Plan B. Wir befürchten daher, dass die Ergebnisse schön geredet und mögliche Schädigungen beschwichtigt werden“, erklärten Josef Mönster, Ludger Raming und Matthias Teepker im Namen der AG zu den derzeit laufenden Voruntersuchungen des Wasserverbandes und den Gründen für das Aufstellen der Schilder.

AG: Abfall der Grundwasserstände

So würden Wechselwirkungen mit den benachbarten Wasserwerken in Grumsmühlen und Ohrte verneint oder kleingeredet. Auf einer Infoveranstaltung habe der Wasserverband mittlerweile einen Abfall der Grundwasserstände in den Höhenlagen wie im Zulauf zum Saller See auch zugegeben. „Der Wasserverband behauptet aber immer noch, dass es in der Ebene keine Auswirkungen gibt. Wir hingegen berücksichtigen bei unseren Berechnungen auch die Auswirkungen der Flurbereinigung und der Starkregenjahre. Seit Anfang der 90er Jahre ist überall ein Abfall der Grundwasserstände festzustellen. Bereits heute ist klar, dass eine spätere Förderung von 1,5 Millionen Kubikmetern Wasser im vorgesehenen Becken Lengerich /Andervenne ohne gravierende Schädigung der Natur, Flora und Fauna nicht möglich ist“, betonte Mönster. So fordert die AG, dass der Wasserverband „das nicht Erfolg versprechende Vorhaben“ sofort einstellt.

„Das Motto des Wasserverbandes ,Lasst uns doch einfach mal nur erkunden ist angesichts der bisher über eine Million Euro in dieses Vorhaben investierte Geld auch wenig glaubwürdig.“ Zudem kritisierten die AG-Vertreter, dass sich der Wasserverband ausschließlich der örtlichen Politik gegenüber als rechenschaftspflichtig sieht und zum Beispiel die von der AG gewünschten Probebohrungen an hydrogeologisch sensiblen Stellen abgelehnt hat.

Weniger Trinkwasser für die Industrie?

Eine Möglichkeit, auf die Ausweitung der Wasserförderung verzichten zu können, ist laut der AG eine Verringerung der Abgabe von Trinkwasser zur Verwendung als Prozesswasser an die Industrie. So liegt laut AG-Angaben der vergleichbare Pro-Kopf-Verbrauch bundesweit bei rund 125 Litern am Tag, im Versorgungsgebiet des WVLL jedoch bei mehr als 270 Litern – die Hälfte davon werde von der Industrie verbraucht. „Es gibt alternative Förderungs- und Aufbereitungstechniken für den Industriebedarf, diese werden aber bei Weitem nicht ausgeschöpft. Zudem seien die aktuellen Entnahmerechte aus dem Dortmund-Ems-Kanal derzeit viel höher als aktuell benötigt. Dort könnte mehr Wasser für die Industrie gefördert werden“, erklärte Mönster.

Wasser für die Landwirtschaft

Doch auch die Landwirtschaft und somit auch viele der AG-Mitglieder benötigen – Tendenz steigend – Wasser? „Oberflächlich betrachtet leuchtet ein, dass insbesondere die landwirtschaftliche Feldberegnung als problematisch angesehen wird. Kritische Stimmen nehmen wir sehr ernst, ohne land- und fortwirtschaftliche Produkte fehlen aber existenzielle Grundstoffe für den Menschen. Wir müssen die Landwirte nicht als Teil des Problems, sondern durch moderne Beregnungstechniken oder verdunstungsschonendes Arbeiten als Teil der Lösung begreifen“, erklärte Mönster hierzu.