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Investition von rund 500.000 Euro Altes Pfarrhaus in Lengerich wird grundsaniert

Von Carsten van Bevern | 06.02.2017, 19:16 Uhr

Das Alte Pfarrhaus der evangelisch-reformierten Gemeinde in Lengerich ist 1870/71 nach einer Spendenaktion gebaut worden und gilt als Kleinod im Schatten der am Markt gelegenen Kirche. Jetzt soll das Haus für knapp 500.000 Euro grundlegend saniert werden. Die politische Gemeinde unterstützt das Vorhaben mit 25.000 Euro.

Die hölzerne Haupteingangstür zum Alten Pfarrhaus knarzt. „Ganz öffnen lässt sie sich derzeit leider nicht, sie ist ein wenig verzogen“, entschuldigt sich Frauke Schaefer beim Betreten des Hauses. Auch nach dem Eintreten wähnt man sich in längst vergangenen Zeiten. Zeiten, in denen das Pfarrhaus noch ein Selbstversorgerhaushalt war. So umgeben rund 4000 Quadratmeter Grund und Boden das Haus, teilweise wird dieser noch vom 2010 pensionierten Pfarrer Alfred Mengel landwirtschaftlich genutzt. Im Keller gibt es noch einen fest eingebauten Ofen zum Brotbacken und im Obergeschoss ein eigenes kleines Räucherzimmer.

Hoher Energiebedarf

Die Räume sind hoch, die Flure sind lang und beim Gang ins Obergeschoss gibt die hölzerne Treppe eigenwillige Geräusche von sich. Gleichzeitig merkt man aber, dass dieses Haus heutigen Wohnansprüchen nicht mehr gerecht wird. Vor allem energetisch dürfte es weit weg sein von jedweder Einstufung in eine Effizienzklasse. „Nur im Erdgeschoss auf der Westseite sind vor einigen Jahren drei Räume von innen saniert worden“, berichtet die Pfarrerin. Dort befindet sich ihr Büro, das der stundenweise beschäftigten Rendantin und ein Zwischenraum.

Heißes Wasser per Wasserkocher

Ansonsten stehen viele Räume leer, das Bad ist noch im Stil der 1970er-Jahre blau-gelb gekachelt und die provisorische Küche besteht aus zwei Unterschränken und einer Spüle samt Kaltwasseranschluss. „Zum Spülen erhitzen wir etwas Wasser im Wasserkocher“, berichtet Frauke Schaefer. Es sei – vor allem nach dem Verkauf des benachbarten Bonhoeffer-Hauses – „halt alles etwas provisorisch“. Das merkt man auch im derzeit einzigen verfügbaren Gruppenraum der aktuell rund 1100 Mitglieder zählenden Gemeinde: Zwölf Stühle stehen dort an Tischen im Kreis.

Bonhoeffer-Haus ist verkauft

Zuvor hatten sich der Frauen- und der Seniorenkreis, mehrere Musikgruppen und der Projektchor oder auch die Konfirmanden im Bonhoeffer-Haus getroffen. Der Verkauf dieses Hauses war aber nötig, um den Eigenanteil der Sanierung des Alten Pfarrhauses bezahlen zu können. Denn die geschätzten Investitionen für die Komplettsanierung belaufen sich auf 495.490 und der Eigenanteil der Gemeinde 105.000 Euro. Die Landeskirche gibt 90.000 Euro, vom Amt für regionale Landentwicklung könnten bis zu 220.000 Euro kommen. Die Gemeinde wird die Sanierung nach einem einstimmigen Ratsbeschluss mit 25.000 Euro bezuschussen, der gleiche Betrag wird wohl vom Landkreis Emsland kommen.

Noch verschiedene Förderanträge

„Weitere Förderanträge haben wir bei der niedersächsischen Bingo Umweltstiftung und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gestellt“, berichtet Schaefer, die selber künftig zwar mit ihrer Familie nicht im Pfarrhaus leben, aber doch wieder ihr Büro beziehen wird. Mit der grundlegenden Sanierung des Hauses gehen auch ein Umbau und eine modernere Raumaufteilung einher: So soll im Untergeschoss im Westen ein großer Gruppenraum für maximal 70 Personen inklusive Stuhllager und Teeküche und im Ostflügel neben dem Amts- und einem Besprechungszimmer ein kleiner, behindertengerechter Sanitärbereich entstehen. Im Obergeschoss sollen drei kleine Gruppenräume, ein WC sowie ein Technik- und ein Archivraum entstehen.

Baubeginn noch 2017?

„Wir hoffen, dass alle von uns beantragten Förderungen auch zugesagt werden. Dann können wir noch in diesem Jahr die Arbeiten ausschreiben und Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres mit den Arbeiten beginnen“, erklärte Frauke Schaefer.

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