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Geplanter Pumpversuch Wasserförderung: Gemeinderat Lengerich drängt auf Nachbesserungen

Von Ludger Jungeblut | 28.02.2017, 19:01 Uhr

Der Gemeinderat Lengerich kann wegen nicht ausreichender Antragsunterlagen des Wasserverbandes Lingener Land keine abschließende Bewertung des beantragten Pumpversuchs vornehmen. Das hat der Rat in seiner jüngsten Sitzung im Rathaus in einer Stellungnahme einstimmig beschlossen. Diese wird im Rahmen des Beteiligungsverfahrens dem Landkreis Emsland als Genehmigungsbehörde übersandt.

Bürgermeister Gerd Wübbe und Samtgemeindebürgermeister Matthias Lühn hoben hervor, dass die Thematik sachlich diskutiert werden müsse. Wertvolle Anregungen habe die „AG Unser Wasser Lengerich/Handrup“ gegeben. Die Stellungnahme stützt sich auf eine Bewertung des Gutachters Frank Schmidt vom Büro Schmidt + Partner aus Bielefeld, der sich auf Bitten der Kommune mit dem Antrag des Wasserverbandes auf Erteilung einer wasserrechtlichen Erlaubnis zur befristeten Entnahme von Grundwasser im Rahmen eines dreijährigen Pumpversuchs befasste. Genehmigungsbehörde ist der Landkreis Emsland.

Beginnt Pumpversuch 2018?

Reinhold Gels, Geschäftsführer des Wasserverbandes, hofft darauf, dass der Pumpversuch 2018 beginnen kann. Im ersten Jahr sollen 0,5 Millionen Kubikmeter, im zweiten eine Million Kubikmeter und im dritten 1,5 Millionen Kubikmeter gefördert werden. Laut Gels dient der Pumpversuch dazu, herauszufinden, ob es zu vertreten ist, im geplanten Wassergewinnungsgebiet Lengerich/ Handrup mittelfristig 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr zu fördern. „Falls dies der Fall sein sollte, müsste der Verband anschließend ein weiteres Genehmigungsverfahren zur Wassergewinnung beantragen“, teilte Gels unserer Redaktion mit.

Frank Schmidt selbst hatte in der Sitzung zunächst festgestellt, dass die hydrogeologische, landschaftsökologische und bodenkundliche Bestandserfassung umfangreich und dem Stand der Technik entsprechend ausgeführt wurde. Die hydrogeologischen Grundlagen sind laut Schmidt nachvollziehbar und plausibel dargestellt. Der Experte hob hervor, dass einige Grundwasserhemmer zwischen den einzelnen grundwasserführenden Schichten nicht horizontbeständig sind und in einigen Bereichen fehlen.„Es ist somit davon auszugehen, dass Grundwasserstandabsenkungen in den betroffenen Bereichen auch oberflächennah und im Bereich von hydraulischen Fenstern in unterschiedlicher Dämpfung und teilweise ungedämpft eintreten werden.“

Keine Auswirkungsprognose

In der Stellungnahme wird auch darauf verwiesen, dass in den Antragsunterlagen keine Auswirkungsprognose der Grundwasserstandveränderungen im oberflächennahen Grundwasserleiter zu finden ist. „Eine Bewertung im Hinblick auf die Erheblichkeit der Auswirkung der Entnahme auf naturschutzrechtliche Belange, Vorfluter, Hausbrunnen, Gebäude und andere Wasserrechtsinhaber liegt nicht vor und kann auf der Basis der Unterlagen auch nicht vorgenommen beziehungsweise geprüft werden.“

Um eine unbeabsichtigte Vorschädigung von Schutzgütern durch den Pumpversuch ausschließen zu können, wird daher gefordert, ergänzende Unterlagen vorzulegen, um prüfen zu können, ob das angedachte Vorhaben einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden muss.

Die dargestellte Bedarfsdeckung ist laut Stellungnahme nachvollziehbar. In diesem Zusammenhang schloss sich der Rat der Auffassung des Gutachters an, dass eine Wasserentnahme aus dem Dortmund-Ems-Kanal nicht grundsätzlich unmöglich ist, da dies im benachbarten Nordrhein-Westfalen gerade auch aus dem Dortmund-Ems-Kanal an einigen Stellen seit vielen Jahren praktiziert wird. Für die „AG Unser Wasser Lengerich/Handrup“ drängte Ludger Raming den Rat dazu, diese Option als Plan B ausarbeiten zu lassen.

Nicht umsetzbar

Laut Gels ist es aber nicht umsetzbar, Oberflächengewässer für die Trinkwassergewinnung zu nutzen. „Der Wasserverband bezieht sein Wasser seit seinem Bestehen aus Grundwasser. Eine Entnahme aus der Ems scheidet aus, weil die Ems in Trockenzeiten Niedrigwasser führt und ab einem gewissen Mindestabfluss eine Wasserentnahme einzustellen ist.“

Unabhängig von der Wirtschaftlichkeit scheide eine Entnahme aus dem Dortmund-Ems-Kanal ebenfalls aus, weil die Wasserschifffahrtsverwaltung eine solche ablehne. Mit Schreiben vom 24. Juni 2015 habe die Behörde mitgeteilt, dass eine Entnahme aus betriebstechnischen Gründen nicht möglich und auch nach dem Bundeswasserstraßengesetz nicht genehmigungsfähig sei, unterstrich Gels.

Im Übrigen habe der Gutachter Frank Schmidt hat erst einmal festgestellt, dass eine sehr gute und fehlerfreie Grundlagenermittlung vorliege, betonte der Geschäftsführer des Wasserverbandes.

Gels teilte mit, dass über die geforderten ergänzenden Unterlagen am 25. April im Rahmen eines nichtöffentlichen Erörterungstermins im Meppener Kreishaus befunden wird. Auch über weitere Einwendungen wird beraten.

Die Wasserbedarfsprognose des Verbandes ist nach Auffassung von Gels sehr umfangreich und detailliert aufgestellt worden. Gerade für die Erhöhung im Zusammenhang mit der Landwirtschaft sei eigens eine Studie speziell für das Versorgungsgebiet des Verbandes von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Emsland, erarbeitet worden.

Gels: „Auch der tatsächliche Wasserbedarf ist deutlich steigend. So wurden 2016 im Vergleich zum Vorjahr 184000 Kubikmeter mehr an Trinkwasser abgegeben.“

Die „AG Unser Wasser Lengerich-Handrup“ sieht sich nach dem Vortrag des Gutachters Schmidt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Lengerich in vielen Punkten bestätigt.

Für die AG bedankte sich Ludger Raming beim Rat dafür, sich intensiv mit dem Thema Wassergewinnung auseinanderzusetzen und mit Schmidt einen neutralen, externen Fachmann hinzugezogen zu haben.

AG sieht sich durch Gutachter bestätigt

Raming interpretierte die Aussagen des Gutachters dahingehend, dass der Untergrund des geplanten Wassergewinnungsgebietes einem Blätterteig ähnele und durch den Pumpversuch große Auswirkungen an der Oberfläche zu erwarten seien. Zudem müsse der aktuelle mittlere Grundwasserniedrigstand als sogenannter 0-Zustand festgesetzt werden. Ferner seien K.-o.-Kriterien für den Pumpversuch zu formulieren und festzusetzen. Überdies habe Schmidt eine Berechnung zu den Folgen des Pumpversuchs und dessen Auswirkungen gefordert.

Raming: „Insgesamt sehen wir uns mit der Beurteilung durch Herrn Schmidt in vielen Punkten bestätigt.“