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Feldschlachten und Familienfest Lengericher Bürgerpark verwandelt sich in Wikinger-Lager

Von Johannes Franke, Johannes Franke | 18.06.2018, 15:24 Uhr

Am Wochenende hat sich der Bürgerpark in Lengerich in ein Wikingerzelt- und Händlerlager verwandelt. Trotz spektakulärer Feldschlachten und heißer Feuershows erlebten die Besucher ein friedfertiges Treiben mit mittelalterlicher Musik und somit ein beschauliches Familienfest in besonderer Atmosphäre.

Wikingerkämpfer Johannes hat so wie alle sportlich-fairen Haudegen seine erste große Feldschlacht überlebt. Schweißperlen tropfen ihm von der Stirn. Bei sommerlichen Temperaturen wiegen Helm, Rüstung, Schild und Waffen doppelt schwer. Mehr als 30 Kilogramm schleppt der Paderborner Kämpfer „Herrscher der Äxte“, um das Spektakel mitzugestalten. „Ich muss erst einmal Wasser trinken, etwas verschnaufen. Met gibt es heute Abend“, sagt er, noch etwas atemlos.

Faire Feldschlachten

Es ist schon aufsehenerregend, wie die etwa 30 Wikinger angreifen, sich verteidigen und zu Boden sinken. Nach fünf Attacken noch ein Befehl zum Angriff: Doch die scheinbar verfeindeten Männer fallen sich friedlich um den Hals und versöhnen sich. Die erste große Feldschlacht ist ohne große Blessuren überstanden. „Es ist ein schon ein gefährlicher, sportlicher Wettkampf, den wir in unserer Laiengruppe trainieren“, erzählt er. Noch drei Mal zeigen sie ihr waghalsiges Können, doch zwischen den Kämpfen heißt es Ausruhen vor dem nächsten Sturm in ihren weißen Zelten. Mehr als 100 stehen im grünen Bürgerpark unter schattigen Bäumen.

Mehr als 60 Händler

Mehr als 60 Händler sind gekommen, viele zum zweiten Mal, um ihre Waren anzubieten. Relaxed sitzen sie allein, mit Freunden oder im Familienclan vor ihren Zelten und Ständen. Sie nähen, kochen, spinnen Wolle, färben sie ein, verkaufen Glasperlen, Holzspielzeuge, knüpfen Kettenhemden, schmieden, hämmern, musizieren oder dösen in der Mittagssonne wie ihre Hunde vor sich hin.

Entspannte Atmosphäre

„Eine ganz tolle Veranstaltung in entspannter, friedlicher Atmosphäre in unserem Bürgerpark“, freut sich Samtgemeindebürgermeister Matthias Lühn, der mit seiner Familie die verschiedenen Stände besucht. Auch Mitorganisator Matthias Freese ist voll des Lobes und erfreut darüber, „dass der Wikingermarkt noch besser als im letzten Jahr angenommen wird“.

Ohne elektrische Musikbeschallung

Es ist keine Kirmes, es gibt keine elektrische Musikbeschallung, und das findet nicht nur er schön. „Die Musik ist handgemacht, die ruhige, entspannte Atmosphäre ist faszinierend, hier herrscht Zusammengehörigkeit“, meint auch das Lingener Ehepaar Annegret und Bernd Engels in Wikingerkleidung. Der neunjährige Jesper aus Hamburg schlendert mit seinen Eltern und der Lengericher Oma über den mittelalterlichen Markt und „findet alles einfach nur schön, vor allem das Kinderwikingerdorf.“

Ein „gelebtes Museum“

Extra aus Oberhausen angereist ist der kostümierte Richard Borggrewe mit seiner Wikingerfreundin. Beide lieben diesen authentischen Markt und bereuen es keinesfalls, nach Lengerich gefahren zu sein. Auch für den Meppener Jochen Budke vom „Mittelalterverein Nordhorn“ ist es auf einem „wunderschönen Gelände ein wunderschöner Markt.“ Sie tingeln sie über die Märkte, präsentieren sich als Friesen, Sachsen, haben Handwerker und Priester in ihrer Reisegruppe und stellen ein „gelebtes Museum“ dar. Mittelalterlich museal mutete er an, aber es war ein Wikingermarkt voller Leben für Jung und Alt in friedlicher Idylle.