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Erste Pläne im Rat vorgestellt Wassergewinnung in Lengerich?

Von Ludger Jungeblut | 20.09.2013, 11:11 Uhr

Der Wasserverband Lingener Land möchte künftig im „Vorbehaltsgebiet Lengerich“ für die Sicherstellung der öffentlichen Trinkwasserversorgung 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser fördern. In der Sitzung des Gemeinderates Lengerich stellten Verbandsvorsteher Karl-Heinz Vehring und Geschäftsführer Reinhold Gels erste Pläne vor.

„Wir stehen erst am Anfang des Vorhabens“, betonte Gels. Das Verfahren werde sicherlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Ob die Wasserförderung in diesem Gebiet zulässig sei, müsse gutachterlich sehr genau geprüft werden. Nach den Worten von Vehring sucht der Wasserverband bei dem Projekt den Konsens mit der Gemeinde. Gegen den erklärten Willen der Gemeinde wolle der Verband das Projekt nicht durchsetzen, auch wenn eine Zustimmung der Kommune nicht erforderlich sei, hob der Verbandsvorsteher hervor. Gels fügte hinzu: „Die Landwirte sind unsere Partner.“

Vehring verwies darauf, dass Nachteile, die durch eine Wasserförderung entstünden, ausgeglichen würden. „Auch bei anderen Angelegenheiten, die in Verbindung mit Wasser stehen, wird sich der Verband als hilfsbereiter Partner erweisen.“ Der Wasserverband werde auf jeden Fall auch ökologische Belange gebührend berücksichtigen.

Nach Angaben von Gels ist in den vergangenen Jahren der Wasserbedarf für die Trinkwasserversorgung im Zuständigkeitsbereich des Wasserverbandes stark gestiegen und betrug im vorigen Jahr rund sechs Millionen Kubikmeter. Der überwiegende Bedarf kann Gels zufolge über das Trinkwasserwerk Grumsmühlen bereitgestellt werden.

Die noch fehlende Wassermenge wurde in der Vergangenheit entweder von den benachbarten Versorgungsunternehmen TAV Bourtanger Moor (Wasserwerk Varloh) und den Stadtwerken Lingen (Wasserwerk Mundersum) sowie vom Industriewasserwerk Darme sichergestellt. Aufgrund eines Runderlasses des niedersächsischen Umweltministeriums vom 25. Juni 2007 sind für die öffentliche Trinkwasserversorgung Sicherheits- und Trockenjahreszuschläge sowie Rohrnetzverluste und Wasserwerkseigenverbräuche zu berücksichtigen. Gels: „Darüber hinaus muss insbesondere durch den Anschluss weiterer Tiermastställe und zur Sicherung der Industrie- und Gewerbestandorte mit einem weiteren Anstieg des Wasserbedarfs gerechnet werden.“

Laut Vehring kann Grundlage für eine sichere Wasserversorgung aber nicht die Belieferung von anderen Versorgungsunternehmen sein. Der Wasserverband habe deshalb die Versorgungssicherheit durch eine eigene ausreichende Wassergewinnung sicherzustellen. Darauf dränge auch der Landkreis.

Das „Vorbehaltsgebiet Lengerich“ war in den 80er-Jahren bereits hydrogeologisch erkundet worden. Hier befinden sich Grundwassermessstellen sowie drei Förderbrunnen.

Landwirte, die in der Bürgerfragestunde zu Wort kamen, befürchten im Falle einer Wasserförderung massive Nachteile. Schon jetzt müssten Flächen bewässert werden, weil das geplante Wassergewinnungsgebiet relativ trocken sei. Ludger Raming sprach sogar von einer drohenden „Teilenteignung“ seiner Flächen, was die Gemeinde verhindern solle.

In einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Landvolk und der Landwirtschaftskammer will der Wasserverband im Oktober die Landwirte zu einer Informationsveranstaltung einladen. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.