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Club „So siehst du mir aus“ Geselligkeit bei Lengericher Keglern seit 111 Jahren

Von Andreas Eiynck | 09.06.2016, 16:04 Uhr

Auf ein ebenso seltenes wie vergnügliches Jubiläum kann in diesen Tagen der Lengericher Kegelclub „So siehst Du mir aus“ zurückblicken. Vor 111 Jahren wurde der Verein von einigen kegelbegeisterten Herren aus Dorf und Bauernschaft Lengerich ins Leben gerufen.

Die meisten Dorfkneipen und Kegelbahnen des Ortes hat dieser Verein mittlerweile längst überlebt und gekegelt wird heute außerhalb, bei Els in Handrup. Aber in Sachen Geselligkeit zählt der Club nach wie vor zu den Top-Adressen in Lengerich.

Kegelpause im Winter

Zu Kaisers Zeiten stand der Kegelsport als Freizeitgestaltung schon ganz hoch im Kurs. Auch in Lengerich entstand 1892 im Garten der Gaststätte Weilerschwist, später Hotel Dröge, die erste Kegelbahn des Ortes. Die Würfe wurden in einer Kladde notiert, statt einer Automatik sorgte ein „Kegeljunge“ für die Aufstellung der großformatigen Holzkegel. Die Kegelanlage war bereits überdacht, zur Seite hin aber halb offen gebaut und konnte daher naturgemäß nur im Sommer benutzt werden. In den Wintermonaten herrschte allgemeine Kegelpause, die man mit Winterfest und Jahreshauptversammlung überbrückte.

Namensgeber

1905 bildete sich in Lengerich ein neuer Kegelclub, der sich den ungewöhnlichen Namen „So siehst du mir aus“ zulegte. Dieser Name geht zurück auf einen Ausspruch eines der Gründerväter. Wenn ihm zu vorgerückter Stunde irgendetwas nicht passte, rief er immer: „So siehst du mir aus!“ – dieses Motto wurde zum Namensgeber.

Mitglieder per geheimer Wahl

Die ersten Mitglieder des Vereins waren Kaufleute, Handwerker und Bauern aus dem Ort und der näheren Umgebung, die das Interesse am Kegelsport und der Wunsch nach Geselligkeit zusammen führte. Die Aufnahme neuer Mitglieder erfolgte seinerzeit durch das sogenannte „Ballotieren“. Dies war eine geheime Wahl, bei der schon eine Gegenstimme reichte, um den Kandidaten durchfallen zu lassen. Mit der Wahl der Neumitglieder hatte der Verein offenbar stets eine glückliche Hand. Zeitweise zählte er über 20 Kegelbrüder – Kegelschwestern gab und gibt es in diesem Herrenclub nicht. Außer einmal jährlich beim „Kegeln mit Frauen“.

Launige Protokolle

Seit 1912 wurde bei jedem Kegeln und bei jedem Vereinstreffen genau Protokoll geführt. So berichtet die Chronik, dass die Kegelbrüder 1930 und 1955 die ersten „Jubelfeste“ zum 25-jährigen und 50-jährigen Bestehen feierten. Selten fehlen in den Berichten humorige Beiträge oder Nachrichten über außergewöhnliche Begebenheiten. Besonders Fehlwürfe und die angebliche „Knickerigkeit“ einzelner Mitglieder wurden gerne auf die Schippe genommen und für die Nachwelt festgehalten.

Kein Kegeln während des Krieges

Während des Zweiten Weltkriegs ruhte das Vereinsleben, aber 1949 starteten die Kegelbrüder wieder durch. Nun gehörte auch ein jährlicher Ausflug mit den Ehefrauen zum Programm, wobei der Verlauf stets ebenso ausführlich wie launig protokolliert wurde.

Die große Zeit des Kegelsports mit Bundeskegelbahnen allerorten und Kegelnächten in großen Veranstaltungshallen ging vorüber, doch der Kegelclub „So siehst du mir aus“ blieb bestehen. Er setzt sich nach wie vor aus Lengericher Bürgern unterschiedlichen Alters und unterschiedlichster Berufe zusammen, die gemeinsam die Geselligkeit pflegen.

Derzeit neun Kegelbrüder

Derzeit zählt der Verein neun aktive Mitglieder. Und auch der jährliche Ausflug am Vatertag steht nach wie vor auf dem Programm. Wenn sich die Kegelbrüder dann nach 111-jähriger Tradition mit einem obligatorischen Strohhut auf dem Kopf am Lengericher Marktplatz treffen, dann heißt es wieder einmal: „So siehst du mir aus!“