Diskussion in Lengerich Immer mehr Töchter übernehmen den elterlichen Betrieb

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Der Zukunftstrend Töchternachfolge stand im Mittelpunkt des Chefinnenfrühstücks der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim in den Betriebsräumen der Firma Wehlage in Lengerich. Foto: Heinz KrüsselDer Zukunftstrend Töchternachfolge stand im Mittelpunkt des Chefinnenfrühstücks der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim in den Betriebsräumen der Firma Wehlage in Lengerich. Foto: Heinz Krüssel

Lengerich. Die Übergabe eines mittelständischen Handwerksbetriebes an die nächste Generation beschäftigt immer mehr Betriebsinhaber. Oft geht es um die Nachfolgeregelung innerhalb einer Familie. Dieses Thema haben jetzt Frauen auf Einladung der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim im Rahmen eines Chefinnenfrühstücks in der Firmengruppe Wehlage in Lengerich beleuchtet.

Der Fokus lag dabei insbesondere auf dem „Zukunftstrend Töchternachfolge“. Maggie Haardiek, bei der Handwerkskammer als Nachfolgemoderatorin und Ansprechpartnerin für Frauen im Handwerk engagiert, hatte gemeinsam mit Wehlage-Chefin Gertrud Wehlage und deren Tochter Ann-Christin dazu eingeladen. Gestandene Chefinnen, junge Chefinnen, die den Generationswechsel bereits erfolgreich vollzogen haben und angehende Chefinnen, berichteten dabei über ihre Erfahrungen und regten zum Gedankenaustausch an.

Wehlage hat aktuell 105 Beschäftigte

Die Firmengruppe Wehlage, ein Spezialist für Maler-, Lackier- und Beschichtungsarbeiten, bietet heute 90 festangestellten und 15 Leiharbeiter einen Arbeitsplatz. Mittelfristig steht auch hier der Genrationswechsel an. Vieles deutet darauf hin, dass Tochter Ann-Christin das Lebenswerk ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern fortführen möchte. „Eigentlich war für mich immer klar, dass ich einmal das Familienunternehmen in der vierten Generation von meinen Eltern übernehmen werde“, erläuterte die 20-jährige Ann-Christin ihre Lebensplanung. Nach dem Abitur am Leoninum in Handrup hat sie inzwischen ihre Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin mit sehr gutem Erfolg (1,0) abgeschlossen. Als nächster Schritt steht der Besuch der Betriebsakademie für Betriebsmanagement in Stuttgart auf dem Plan. Die zweijährige Fortbildung beinhaltet die Meisterprüfung im Maler- und Lackierer-Handwerk und wird als „Staatlich geprüfter Betriebsmanager“ abgeschlossen.

Führungsstärke auch bei Frauen geplant

Als Referentin stellte die Rechtsanwältin, Wirtschaftsmoderatorin und Nachfolgespezialistin Kerstin Bardua aus Bremen den „Zukunftstrend Töchternachfolge“ vor. Fakt sei, dass die Betriebsnachfolge heute nicht mehr automatisch dem erstgeborenen Jungen in der Familie zufalle. „Die interessierten jungen Frauen müssen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben. Auf alle Fälle muss die künftige Chefin fachliche Kompetenz und Führungsstärke mitbringen.“ Die Anforderungen an die künftigen Chefinnen machte die Juristin an den Attributen deutlich, die Pippi Langstrumpf zugesprochen werden: stark, mutig, überdreht und kreativ.

„Offen sein für ein Nein“

Bardua empfahl, auf jeden Fall frühzeitig das Interesse der Mädchen zu wecken: „Es gilt, Brücken für ein Ja zur denkbaren Übernahme zu bauen, aber auch offen zu sein für ein Nein.“ Oftmals scheitere die innerfamiliäre Nachfolgeregelung an der Angst vor einer negativen Reaktion der Kinder. Es gelte, schon früh Möglichkeiten anzusprechen und die Kommunikation zwischen den Generationen zu pflegen. „Ein wichtiges Thema für viele junge Frauen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dies kann in den meisten mittelständischen Betrieben gut gelöst werden,“ erklärte die Referentin.


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