Platz drei bei Bundeswettbewerb Gerstenerin ist eine der besten Nachwuchs-Landwirtinnen Deutschlands

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Junglandwirtin Ann-Christin Cordes bringt mit einem Treckergespann Speisekartoffeln zu einem verarbeitenden Betrieb nach Cloppenburg. Foto: Heinz KrüsselJunglandwirtin Ann-Christin Cordes bringt mit einem Treckergespann Speisekartoffeln zu einem verarbeitenden Betrieb nach Cloppenburg. Foto: Heinz Krüssel

Gersten. Den dritten Platz hat das Team Ann-Christin Cordes aus Gersten und Katharina Leyschulte aus Westerkappeln beim Bundesentscheid des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) erreicht.

Die beiden Junglandwirtinnen gehören damit zu den besten Nachwuchslandwirten in Deutschland und werden beim Bauerntag in dieser Woche in Berlin durch den Schirmherrn des Wettbewerbes, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, geehrt. „Grüne Berufe sind voller Leben – Wachstum, Stärke, Leidenschaft“ lautete das Motto des Wettbewerbes. Gemeinsam zeigten die angehenden Forst- und Tierwirte, die Landwirte, Hauswirtschafterinnen und Winzer, wie vielseitig, anspruchsvoll und modern diese Berufe sind.

Können in Theorie und Praxis

Vielfältig und anspruchsvoll waren die Anforderungen an die Teilnehmer im Finale des 33. Berufswettbewerbes. Es galt, das Können in Berufstheorie und -praxis zu beweisen. Auch das Allgemeinwissen war gefragt, erinnert sich Ann-Christin Cordes in einem Gespräch mit der Redaktion. „Der Berufswettbewerb ist zudem eine gute Möglichkeit, viele spannende Leute kennenzulernen“, erläutert die junge Agrarexpertin einen weiteren Aspekt.

98 von 100 Punkten

Qualifiziert hatte sich die 21-Jährige gemeinsam mit ihrer Teampartnerin beim regionalen Wettbewerb, der an den Berufsbildenden Schulen Agrar und Soziales (BBS) in Lingen stattfand. In der Leistungsgruppe II (Jugendliche in der Weiterbildung) erreichten die beiden als Teilnehmer der einjährigen Fachschule Agrarwirtschaft seinerzeit mit 98 von 100 Punkten ein Traumergebnis. Über den Gebiets- und den Landesentscheid qualifizierten sie sich schließlich für den Bundesentscheid.

„Landwirtin mit Leib und Seele“

Für Ann-Christin Cordes gab es schon zu Grundschulzeiten nichts anderes, als einmal den elterlichen Hof zu übernehmen. „Ich bin Landwirtin mit Leib und mit Seele“, erzählt sie. Die Arbeit in der Natur und auf dem Acker mit moderner Landtechnik sowie der intensive Umgang mit den Tieren seien wesentliche Gründe. Zum Berufsalltag gehöre auch, dass die Ställe je nach Witterung zwei- bis fünfmal pro Tag kontrolliert werden. Dabei werden die Nester ebenso wie die Futter- und Getränkeautomaten überprüft.

„Keinen Zugang zur Landwirtschaft mehr“

Die junge Landwirtin stört die negative Darstellung moderner Landwirtschaft in der Öffentlichkeit. Kein Landwirt quäle seine Tiere, meint sie. Im Gegenteil, sie seien das Kapital des Betriebes. „Besonders viele junge Menschen haben leider überhaupt keinen Zugang mehr zur Landwirtschaft“, weiß die Gerstenerin aus eigener Erfahrung mit Altersgenossen.

Praktikum in England

Nach dem Realschulabschluss an der Oberschule in Lengerich hat Ann-Christin Cordes eine dreijährige landwirtschaftliche Ausbildung auf drei verschiedenen Lehrbetrieben absolviert. Dabei handelte es sich um einen Milchviehbetrieb, um einen Schweinehalter sowie um einen Geflügelhalter. Das Ziel sei eine vielseitige Qualifikation gewesen. Bei einem Praktikum auf einem englischen Bauernhof habe sie einen Blick „über den Tellerrand“ geworfen.

Nach einem Praxisjahr auf dem elterlichen Hof in Gersten hat Ann-Christin Cordes inzwischen die einjährige Fachschule an den BBS absolviert. Ab August wird sie die Zweijährige Fachschule mit dem Abschluss „Staatlich geprüfte Betriebswirtin“ besuchen.

„Kein Küken wird geschreddert“

Geplant ist dann die Unterstützung der Eltern Anja und Bernd Cordes im Betrieb. Die Familie Cordes bewirtschaftet einen Hof mit 350 Hektar Ackerbau. Angebaut werden auf 100 Hektar Stärke- und Speisekartoffeln, auf 200 Hektar Getreide (Triticale und Weizen) sowie auf 50 Hektar Körnermais. Das zweite Standbein ist die Geflügelhaltung. In den Ställen der Familie Cordes sorgen rund 80 000 Mastelterntiere (Hähne und Hennen) für die Bruteierproduktion. Die in einer großen Brüterei erbrüteten männlichen und weiblichen Tiere werden allesamt gemästet. „Kein Küken wird geschreddert“, betont Ann-Christin Cordes.

Drei Festangestellte, zehn Aushilfen

Auf dem Familienbetrieb haben drei festangestellte Mitarbeiter einen Arbeitsplatz; zudem werden in der Eiersortierung und -verpackung zehn Aushilfskräfte beschäftigt. Bewusst ist der Junglandwirtin, dass sie eines Tages nicht nur Bäuerin, Betriebsleiterin und Arbeitgeberin ist, sondern vor allen Dingen auch ihre fachlichen und menschlichen Qualitäten als „Managerin eines mittelständischen Unternehmens“ gefragt sind.

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