Polizei klärt auf Kinderwagen-Attacke in Lengerich: Wie verhält man sich richtig?

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In Lengerich sind eine Mutter und ihr Kleinkind von vier Männern belästigt worden. Foto: Colourbox.deIn Lengerich sind eine Mutter und ihr Kleinkind von vier Männern belästigt worden. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. In Lengerich (Landkreis Emsland) sind eine Mutter und ihr Kleinkind von vier Männern belästigt worden. Trotz Hilferufen half niemand den beiden. Wie soll man sich in solch einer Situation verhalten – sowohl als Opfer als auch als Augenzeuge?

Vor einigen Tagen ereignete sich in Lengerich ein Vorfall, der sprachlos macht: Eine Mutter und ihr Kleinkind wurden von vier Männern belästigt und verletzt. Die Frau bat Passanten um Hilfe – doch niemand schritt ein. Ein Paar soll sogar extra die Straßenseite gewechselt haben.

Das Verhalten der Passanten macht betroffen, doch mangelnde Zivilcourage ist nach Auskunft der Polizei Osnabrück wahrlich keine Seltenheit. „Das ist immer mal wieder Thema bei uns. Viele Menschen werden erst aufmerksam, wenn sie selbst betroffen sind“, sagt Anke Hamker, Pressesprecherin der Polizei Osnabrück. Häufig werde die Verantwortung einfach abgegeben – mit dem Gedanken, jemand anders werde schon helfen.

Fehlende Zivilcourage

Dass Bürger nicht helfen und nicht in der Art und Weise reagieren, wie sie reagieren sollen, mache sich in vielen Situationen bemerkbar – zum Beispiel, wenn bei Unfällen keine Rettungsgasse gebildet werde oder sich Augenzeugen von Straftaten nicht bei der Polizei melden. „Unsere Arbeit wird dadurch erschwert“, sagt Hamker.

Nicht den Helden spielen

Doch was soll man machen, wenn man jemanden wie in einer derartigen Situation wie in Lengerich sieht? Alles sei besser, als nichts zu machen, so die Pressesprecherin. Generell sollte man sich immer fragen, wie es einem selbst gehen würde, wenn man attackiert werde und niemand helfe. Dabei sollte man aber auch abschätzen, ob man sich selbst in Gefahr begeben würde, sobald man eingreift. „Man sollte nicht den Helden spielen wollen. Man braucht eine gesunde Selbsteinschätzung“, erzählt Hamker. Doch auch in diesen Fällen könne man mehr machen, als „nur“ die Polizei anzurufen. Eine weitere wirksame Strategie sei, andere Augenzeugen anzusprechen, um mit ihnen möglicherweise gemeinsam zu helfen.

Öffentlichkeit herstellen

Und was soll man machen, wenn man wie die Mutter und ihr Kleinkind aus Lengerich selbst in Gefahr gerät? „In einer bedrohlichen Situation muss man eine Öffentlichkeit herstellen, zum Beispiel durch laute Rufe“, so Hamker. Den Betroffenen empfiehlt sie dabei, Passanten gezielt anzusprechen. In Lengerich hat diese Strategie zwar offensichtlich nicht geklappt, da ein Paar laut der Geschädigten die Straßenseite gewechselt hat, nachdem es um Hilfe gebeten wurde. Dennoch sei eine direkte Ansprache die beste Methode, um Augenzeugen in die Verantwortung zu nehmen, betont Hamker.


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