Betreuung durch Ludwig Giese Zwölf Afghanen wohnen in Langen unter einem Dach



Langen. Zwölf Männer unter einem Dach in Langen: Alle sind sie aus Afghanistan geflohen. Wie viele andere Geflüchtete auch, suchen sie hier Schutz, Arbeit und eine gesicherte Zukunft. Ihrer angenommen hat sich unter anderem der Langener Ludwig Giese. Nun steht er den geflohenen Männern mit Rat und Tat zur Seite.

Zwölf Männer, zwölf Schicksale. Zwei von ihnen sind gerade erst einmal 18 Jahre alt. Was sie aber alle miteinander verbindet, ist ihre Flucht aus Afghanistan. Eine Flucht aus einem Land, das geprägt ist von Krieg, Terror und der Ungewissheit, ob man die Menschen, die man einen Tag zuvor noch gegrüßt haben mag, am nächsten Tag wiedersieht. Dort haben sie keine Perspektive. In Deutschland hoffen sie auf eine sichere, eine bessere Zukunft.

Kaum Privatsphäre

1464 Einwohner zählt  Langen in der Samtgemeinde Lengerich. Nahe der Ortsmitte befindet sich die alte Villa der Familie Ohmann. Viele Jahre blieb das Haus unbewohnt. Nun dient es den zwölf Afghanen als Unterkunft. Sechs Schlafzimmer und eine Küche teilen sie sich. Eine Wohnsituation, in der die Privatsphäre zu kurz kommen kann, da Platz, um sich zurückzuziehen, Mangelware ist.

Ludwig Giese wollte nicht untätig zuschauen: „Bereits vor einigen Jahren habe ich einmal einen Integrationslotsenkurs mitgemacht.“ Nun nutzt er diese Erfahrung, um den geflüchteten Männern im Alltag zu helfen. Es sind Dinge wie zum Beispiel Mülltrennung, auf die der 65-Jährige in der Wohngemeinschaft immer wieder ein Auge haben muss. Und auch die Fahrräder, die den jungen Männern gespendet wurden, wollen in Schuss gehalten werden. Die Begleitung zu Arzt- oder Krankenhausbesuchen gehören ebenso dazu.

“Fördern und fordern“ ist das Konzept

Doch bei all der Hilfe zur Integration bezieht Ludwig auch eine klare Position: „Ich sage ihnen immer, dass wenn wir offen ihnen gegenüber sind, sie auch offen gegenüber uns sein müssen. Und sie müssen, wenn sie nach Deutschland kommen, eben auch bereit sein, sich an gewisse Gegebenheiten zu halten und sich ihnen anzupassen“, hebt er hervor. „Fördern und fordern“ lautet für ihn das richtige Konzept.

Dass die geflüchteten Männer dies ernst nehmen, berichtet der 22-jährige Qassim: „Wir lernen jeden Tag Deutsch. Mit den Nachrichten geht es ganz gut. Es ist einfacher, zu lernen, wenn man es hört.“ Seine Familie musste er, wie so viele andere Geflüchtete auch, zurücklassen. Manchmal vermisse er sie schon, weshalb er regelmäßig mit ihnen telefoniere.

Unterricht durch Ehrenamtliche

Im November begann seine Flucht aus Afghanistan. Etwa einen Monat verbrachte Qassim im Aufnahmelager in Aschendorf und weitere drei Monate in Sögel, bevor er in Langen eine Unterkunft fand. Sei es auf einem Boot, mit dem Bus, dem Zug oder zu Fuß: „Anstrengend“ sei der weite Weg gewesen.

Eines ist für Ludwig Giese völlig unverständlich. „Ich verstehe einfach nicht, wie sich Asylbewerber aus Afghanistan vernünftig integrieren sollen, wenn sie noch nicht einmal die Möglichkeit haben staatlich anerkannte Sprachkurse besuchen zu dürfen. Das ist für mich absolut widersprüchlich“, hebt er hervor.

Um dennoch die ersten Schritte zur Integration zu machen, besuchen die Flüchtlinge mehrmals in der Woche einen Deutschunterricht, Kurse zur Alphabetisierung und zur allgemeinen Integration sowie Gesprächskreise. Der Unterricht wird dabei von vielen Ehrenamtlichen organisiert und durchgeführt. Zur Zeit, so Ludwig, bestünde jedoch noch ein großer Bedarf an ausgebildeten Lehrern, die sich engagieren möchten.

Afghanen verrichten gemeinnützige Arbeit

Gerne sind die Männer aus Afghanistan auch dazu bereit – unter Anleitung – gemeinnützige Arbeiten zu verrichten. So haben sie beispielsweise bereits Buswartehäuschen einen neuen Anstrich verpasst oder Sitzecken gesäubert, nicht zuletzt, um in ihrer Gemeinde mitzuhelfen und etwas zurückzugeben. „Sinnvolle Beschäftigung, eine spätere Arbeit aber vor allem die Anerkennung durch ihre Mitmenschen, sind die größten Wünsche dieser jungen Leute“, fasst Ludwig Giese zusammen.

Fragebogen für Gieses Schützlinge

Um mehr über seine „Schützlinge“ zu erfahren, erstellte er einen kleinen Fragebogen, in dem die Geflüchteten kurz und knapp beispielsweise ihre familiäre Situation beschreiben sollten, aus welchem Ort sie genau stammen oder ob sie in ihrem Heimatland bereits eine Ausbildung absolviert haben. „Als ich auf den Bögen gelesen habe, dass sich alle hier sehr wohl fühlen und mit allem zufrieden sind, war ich schon sehr erleichtert“, erzählt der Langener.


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