Positive Reaktionen Bawinkelerin mit Down-Syndrom ist Friseurpraktikantin

Von Jessica Lehbrink


Bawinkel. Inga-Britt Lompa aus Bawinkel wurde mit dem Down-Syndrom geboren. Nun macht sie ein Praktikum im Friseursalon ihrer Mutter.

Alle drei Minuten kommt ein Kind mit dem Down-Syndrom, auch Trisomie genannt, zur Welt. Weltweit gibt es etwa fünf Millionen Menschen mit diesem Syndrom, welches sich in der äußerlichen Erscheinung und geistigen Einschränkungen der betroffenen Person widerspiegelt. Eine von ihnen ist Inga-Britt Lompa, die trotz ihrer Behinderung voll im Leben steht und nun ein Praktikum im Friseursalon ihrer Mutter Sonja König-Lompa absolviert.

„Besonders gerne schenke ich Kaffee aus, fege und wasche Haare.“ Arbeiten, die in einem Friseursalon stetig anfallen und die bei dem einen oder anderen Kollegen eher zu den weniger beliebten Aufgaben zählen. Doch die 20-jährige Inga-Britt fühlt sich genau damit sehr wohl und geht in ihrer Arbeit auf.

Zufriedene Kunden

Seit dem 21. April ist sie als Praktikantin im Friseurgeschäft ihrer Mutter tätig, erledigt anfallende Arbeiten, probiert sich an Puppen-, aber auch an einigen echten Köpfen. Haare waschen, Kopf-, oder auch Handmassagen gehören ebenso zum Alltag der Praktikantin wie das Sortieren der Haarfarben. Die Kunden seien mit der Arbeit seiner Tochter immer sehr zufrieden, äußert sich ihr Vater Andreas Lompa.

Ein geregelter Arbeitstag

Da sich die Wohnung der Familie direkt über dem Salon befindet, kann Inga-Britt ihre Mittags-, oder ihre heißgeliebte Kaffeepause auch in ihren privaten Räumen verbringen. An einiges müsse sie sich derzeit aber noch gewöhnen, berichtet ihr Vater: „Inga-Britt muss jetzt den Unterschied zwischen Freizeit und Arbeiten erkennen. Sonst, wenn sie am Wochenende und in den Ferien geholfen hat, konnte sie gehen, wann sie wollte.“ Jetzt aber hat die 20-Jährige zwei Mal wöchentlich einen geregelten Arbeitstag. „Damit ihr der Unterschied jetzt bewusst wird, geht sie bei Arbeitsbeginn und zum Feierabend durch den normalen Eingang des Salons anstatt durch den Hintereingang.“

Verantwortung übernehmen

Besonders bei der Arbeit am und mit dem Kunden geht Inga-Britt in ihrer Arbeit und Persönlichkeit auf. Dies ist allein schon merkbar, wenn sie die Kunden freundlich mit Getränken versorgt. „Ich sortiere aber auch gerne die Lockenwickler nach Größe oder helfe beim Anreichen, wenn jemand Strähnchen bekommt“, erzählt sie stolz. Nach und nach bekommt sie als motivierte neue Mitarbeiterin mehr Aufgaben zugeteilt, die für sie machbar sind.

Sinnvolle Idee

Zurzeit ist die Bawinkelerin im zweiten Jahr ihrer BBB-Ausbildung (Berufsbildungsbereich) des Christophorus-Werkes in Lingen. In einer Werkstatt macht sie dort verschiedene Übungen, beispielsweise im Lesen, Schreiben und Rechnen oder auch im Bereich Hauswirtschaft. In diesem Rahmen gibt es auch die Möglichkeit, Praktika zu machen. Die Entscheidung, Inga-Britt in das Friseurteam aufzunehmen, lag daher nahe, erläutert ihr Vater, der im Salon allerdings eher für kleine Reparaturen zuständig ist und lieber seiner Frau die Kunst des Haareschneidens überlässt: „Inga-Britt hat schon seit Jahren hier im Salon geholfen und irgendwann haben wir überlegt, was wir noch tun könnten, um sie weiter auszubilden.“ Das Christophorus-Werk sei von der Idee des Praktikums sofort begeistert gewesen.

Ein fester Arbeitsplatz

Vergütet wird Inga-Britts Ausbildung von der Agentur für Arbeit. „Später, wenn sie ihren festen Arbeitsplatz hier hat, bekommt sie auch einen richtigen Lohn. Wir werden das Geld dann an das Christophorus-Werk überweisen, und Inga-Britt bekommt dann ihren Lohn, inklusive Versicherungen, vom Christophorus-Werk ausgezahlt“, erklärt Lompa.

Zufriedenheit steht an oberster Stelle

„Wir wissen, dass unsere Tochter wahrscheinlich nie bis 100 zählen kann, aber sie soll lebenstüchtig zufrieden sein – das steht an oberster Stelle. Wir wollen, dass sie glücklich ist“, betont ihr Vater. Und genau das ist auch der Eindruck, den Inga-Britt von sich hinterlässt: Sie ist glücklich, so wie es ist.