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700.000 Euro für Untersuchungen Wasserverband Lingener Land braucht mehr Wasser

Von Carsten van Bevern | 06.03.2016, 20:15 Uhr

Die Bereitstellung von Wasser für Privathaushalte als auch für die Landwirtschaft sowie Gewerbe- und Industriebetriebe ist Aufgabe des Wasserverbandes Lingener Land. „Der Bedarf steigt. Eine Steigerung der Wasserförderung ist daher momentan alternativlos“, erklärten Geschäftsführer Reinhold Gels und Verbandsvorsteher Karl-Heinz Vehring in einem Gespräch mit unserer Redaktion unter anderem zur Forderung der AG Unser Wasser Lengerich-Handrup, der Industrie künftig weniger Trink- und mehr Brauchwasser zur Verfügung zu stellen – und in Lengerich auf die geplante Wasserförderung zu verzichten.

Um in Lengerich-Handrup auf die geplante Wasserförderung verzichten zu können fordert die AG Unser Wasser unter anderem, die Industrie künftig mit weniger Trinkwasser aus Grundwasser zu versorgen und Einsparpotenziale zu heben. Ein gangbarer Weg?

Gels: Wir betreiben bereits ein eigenes Industriewasserwerk in Darme, das Grundwasser für den Industriepark Lingen-Süd fördert. Eine zusätzliche Wasserentnahme aus dem Dortmund-Ems-Kanal ist allerdings nicht möglich. Dazu gibt es eine klare schriftliche Aussage des Wasserschifffahrtsamtes Meppen, die auch der AG bekannt ist. Viele Betriebe haben zudem ihre Produktion auf das aufbereitete Grundwasser ausgerichtet.

Vehring: Ich habe Verständnis dafür, dass sich die AG dafür einsetzt, dass durch eine Wassergewinnung die Umwelt nicht geschädigt wird. Mit dem Plakat „Kein Grundwasser für Industrie“ wendet sie sich aber gegen einen wichtigen Kern der Kommunalpolitik, nämlich die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen. Für diese These kann ich daher kaum Verständnis aufbringen. Wir sind schließlich für die Wasserversorgung und damit Daseinsvorsorge in allen Bereichen zuständig.

Laut der AG Unser Wasser ist der Pro-Kopf-Wasserverbrauch in unserer Region deutlich höher als im Bundesdurchschnitt: Wie bewerten Sie diese Zahlen?

Gels: Die von der AG angesprochene Wasserabgabe von bundesweit rund 125 Liter pro Einwohner und Tag bezieht sich auf Haushalte und Kleingewerbe. In unserem Verbandsgebiet liegt dieser Wert bei rund 110 Litern und somit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Die gesamte Trinkwasserabgabe beträgt rund 215 Liter je Einwohner und Tag, darin sind dann auch öffentliche und soziale Einrichtungen, Gewerbe- und Industriebetriebe sowie landwirtschaftliche Nutztierställe enthalten. Übrigens wurde der Anstieg des Trinkwasserbedarfs in den letzten Jahren bei uns zum Großteil durch den Anschluss von bestehenden und neuen Nutztierställen an die öffentliche Wasserversorgung hervorgerufen. Der Wasserverbrauch der Großindustrie ist in den letzten Jahren hingegen in etwa gleich geblieben. Auch der mögliche künftige Wasserbedarf der Privathaushalte durch Zuwanderung ist zu berücksichtigen.

Die AG wirft dem Wasserverband vor, nur in Lengerich-Handrup und damit nicht ergebnisoffen nach Wasserfördermöglichkeiten zu suchen?

Vehring: Laut einer ersten Prognose benötigen wir jährlich rund 1,5 Millionen Kubikmeter mehr Wasser, auch eine Sicherheitsreserve von 15 Prozent können wir derzeit nicht mehr vorhalten. Im Regionalen Raumordnungsprogramm sind in unserer Region die Gebiete „Lengerich“ und „Große Aa“ als Wasser-Vorbehaltsgebiete ausgewiesen. Das Wasser im Gebiet der Großen Aa ist jedoch salzbelastet und müsste aufwändiger aufbereitet werden.

Gels: Zudem ist das Vorbehaltsgebiet Lengerich bereits in den 1980er-Jahren umfangreich hydrogeologisch untersucht worden, drei Förderbrunnen sind dafür bereits gebaut worden. Für die aktuellen Untersuchungen haben wir bislang etwa 500.000 Euro für die Erstellung zusätzlicher Grundwassermessstellen und 200.000 Euro für Gutachten aufgewendet. Daraus kann man erkennen, in welchem Umfang Untersuchungen zwecks Wahrung aller ökologischen Belange durchgeführt werden. Langzeitpumpversuche sollen jetzt folgen.

Wie bewerten Sie zusammengefasst die Forderungen und die Arbeit der AG Unser Wasser?

Gels: Wir sind weiter im Gespräch und natürlich weiter zu einer Zusammenarbeit bereit.

Vehring: Dies möchte ich unterstreichen. Die Forderungen der AG sind allerdings nicht zielführend. Unser Verband trägt die Verantwortung für eine sichere Wasserversorgung in jeder Jahreszeit. Werden wir dieser Aufgabe nicht gerecht, tragen wir und nicht die AG für mögliche Versäumnisse die Verantwortung.