Andrang im Flüchtlingscafé Integration pur im Haus Erdmann in Lengerich

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Lengerich. Wer das neue Flüchtlingscafé in Lengerichs Ortsmitte im früheren Gasthof Erdmann betritt, erlebt Integration pur,

Ein Stimmengewirr empfängt den Gast. Dichtgedrängt sitzen die Menschen aus aller Herren Länder im ehemaligen Schankraum der Gaststätte Erdmann. Männer und Frauen sind zu sehen, aber auch einige Kinder haben sich unter die Erwachsenen gemischt. In einem Nebenraum spielen weitere Kinder unter Aufsicht. Die Atmosphäre im Flüchtlingscafé ist heimelig. Automatisch kommt der Gast mit den Flüchtlingen ins Gespräch, auch wenn die meisten nur einige Brocken Deutsch sprechen. Ein 35-jähriger EDV-Spezialist aus Syrien hofft darauf, dass er seine Frau in Deutschland wiedersehen kann. Doch eine Einreise sei mit großen Schwierigkeiten verbunden, gibt er zu verstehen.

Samtgemeindebürgermeister Lühn ist stolz auf die Bürger

Ingrid Kähler ist Tierärztin in Langen. Sie legt ihre Hände auf die Schulter von zwei syrischen Männern aus Aleppo, als wolle sie diese beschützen. Wenig später erklingt Musik: Der 23-jährige Dilil Hasan aus Syrien spielt auf dem Keyboard. Es soll gesungen werden.

Ingrid Kähler gehört zu einer Gruppe von etwa 20 Bürgerinnen und Bürgern, die sich für Flüchtlinge in der Samtgemeinde engagieren. „Ich bin sehr stolz auf unsere Bürger, dass sie so intensiv die Neuankömmlinge begleiten“, sagt Samtgemeindebürgermeister Matthias Lühn (CDU).

„Die Menschen sind da und wir müssen uns um sie kümmern“

Nach seinen Worten ändert sich nahezu täglich die Zahl der Schutzsuchenden, die derzeit in der Samtgemeinde leben. Am Donnerstag erhöhte sich die Zahl auf 158, nachdem eine Mutter aus dem Iran mit zwei Töchtern angekommen war. Mit 42 Personen stammen die meisten Asylbewerber aus Syrien, gefolgt von Afghanistan (29), dem Iran (22) , Albanien (17), Serbien (15) und dem Sudan (14). Die anderen gehören weiteren Nationalitäten an.

„Die Menschen sind da, wir müssen uns um sie kümmern“, lässt Lühn keinen Zweifel daran, dass die Verwaltung nach allen Kräften gemeinsam mit den Bürgern diese Aufgabe bewältigen will. Bislang gebe es keine nennenswerten Probleme mit den Asylbewerbern. Das habe die Polizei bestätigt. In der Bürgerschaft seien zum Glück keine Anzeichen für fremdenfeindliche Einstellungen erkennbar. „Insgesamt bin ich mit der Situation sehr zufrieden und hoffe natürlich, dass es hier keine Veränderungen gibt.“

„Die Menschen fragen, wo sie helfen können“

Lengerichs Bürgermeister Gerd Wübbe (CDU) spricht von einem wunderbaren Engagement der einheimischen Bevölkerung . „Die Menschen fragen, wo sie helfen können“, berichtet Wübbe und fügt hinzu: „Man kann nur gemeinsam etwas Gutes erreichen.“

Der evangelische Pastor i. R. Ernst-Uwe Vollmer, der für die SPD im Samtgemeinderat und Gemeinderat sitzt, hat die Koordination der Flüchtlingshilfe übernommen und kann dabei auf ein starkes Team zählen. Mit dabei sind die evangelisch-reformierte Pastorin Frauke Schäfer und Martin Wegener vom Diakonieausschuss des Pfarrgemeinderates der katholischen Kirchengemeinde. Auch Vollmers Ehefrau Bärbel bringt sich mit Herzblut in die Flüchtlingsarbeit ein. Wichtige Dienste in der Einzelbetreuung leisten auch Annegret Breuer, Karin Gröschner und Eugen Möller.

Flüchtlingscafé ist jeden Mittwoch um 16 Uhr geöffnet

Das Flüchtlingscafé im Haus Erdmann öffnete erstmals am 3. Februar. Jeden Mittwoch finden sich Flüchtlinge und Einheimische um 16 Uhr für etwa zwei Stunden in der ehemaligen Gaststätte ein. Wichtige Dienste leisten dabei Gerhard Lucks und Marita Dojan. Die Ehrenamtliche bastelt und spielt mit den Flüchtlingskindern.

„Als Matthias Lühn beim Neujahrsempfang 2015 die Bürger dazu aufrief, die mit dem Zuzug von Flüchtlingen verbundenen Herausforderungen in der Samtgemeinde anzunehmen, fühlte ich mich angesprochen“, erinnert sich Vollmer an den Beginn seines Engagements.

Haus Erdmann für weitere Gruppen offen

Am 10. Dezember lernten sich Flüchtlinge und Einheimische bei einem Lichtfest in der evangelischen Kirche näher kennen. Vollmer: „Daraus entstand die Idee, sich regelmäßig zu treffen.“ Lühn und Wübbe verwiesen darauf, dass die Gemeinde Lengerich gerne die Räumlichkeiten der seit mehr als 20 Jahren leer stehenden Gaststätte als Flüchtlingscafé angeboten habe. „Wir haben im vorigen Jahr die Räume angemietet, um diese für verschiedene Gruppen als zentralen Treffpunkt zu nutzen“, erklärte der Lengericher Bürgermeister.

Sprachförderung wichtigste Aufgabe

Als wichtigste Aufgabe der Flüchtlingshilfe in der Samtgemeinde Lengerich bezeichnete Vollmer die Sprachförderung in den einzelnen Mitgliedsgemeinden. „Wir möchten nicht spielen, wir möchten Worte“, gab er den Wunsch eines jungen Flüchtlings wieder, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen. „Die Flüchtlinge geben sehr viel zurück“, macht der evangelische Pastor darauf aufmerksam, dass die Einheimischen ihrerseits viel von den Neuankömmlingen lernen können. Um Flüchtlingen Beschäftigungsmöglichkeiten zu geben, schlug er die Einrichtung einer Fahrradwerkstatt vor.

Weitere Berichte aus Lengerich finden Sie unter www.noz.de/lokales/lengerich


Hilfe für Flüchtlinge: Benötigt werden für die Flüchtlinge vor allem Schulranzen, gut erhaltene Räder und weitere Sachspenden. Wer helfen will, wird gebeten, sich mit der Samtgemeinde Lengerich unter Tel. 05904-93280 oder mit Ernst Uwe Vollmer unter Tel. 05904-963455 in Verbindung zu setzen. Hilfreich wäre es auch, wenn sich weitere Bürger bei der Sprachförderung engagieren würden.

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