Trotz schwerer Krankheit Schlittenhundeführerin aus Langen erzielt Erfolge


Langen. Die Langenerin Catja Bach feiert ihre Erfolge in einer ungewöhnlichen Sportart: Sie fährt Hundeschlitten. Dabei lässt sich die 53-Jährige auch von einer schweren Krankheit nicht ausbremsen.

  • Catja Bach fährt seit ungefähr neun Jahren Hundeschlitten
  • Von einer Krebserkrankung lässt sich die 53-Jährige dabei nicht ausbremsen
  • Mittlerweile hat sie den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft
  • Ohne die Unterstützung ihres Partners wäre all dies nicht möglich

„Am besten verstecken Sie sich erst einmal hinter der Tür, denn die Jungs kommen gleich mit ganz schön viel Speed hier hereingerannt“, warnt Catja Bach. Ihr Mann Dirk Strietholt öffnet die Zwingertüren, und acht Hunde rennen auf den riesigen Auslaufplatz. Manch einem fällt es schon schwer, einen Hund zu händeln, doch die Langenerin hat ihre acht muskulös gebauten Jungs gut im Griff. Das sollte sie auch. Diese acht wunderschönen Tiere sind keine gewöhnlichen Hunde – es sind Schlittenhunde. Sie wurden extra für den Sport gezüchtet und sind eine Kreuzung aus Deutsch-Kurzhaar, Englisch Pointer, Greyhound und Alaskan Husky. Catja ist ihre Trainerin. Seit etwa neun Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit dem Hundesport.

Der erste Hund kommt aus dem Tierheim

„Angefangen hat alles mit Man-Ray“, erinnert sie sich. Mit elfeinhalb Jahren sei er der Rentner des Rudels und nicht mehr im Sport aktiv. „Hasi“, ruft Catja ihn, doch der ältere Herr läuft gemütlich seine Runden auf der großen Wiese. „Hasi ist leicht autistisch, würde ich sagen. Er ist ein spanischer Straßenhund. Ich habe ihn aus einem Tierheim in Wiesbaden“, berichtet sie. Mit der Zeit sei ihr aufgefallen, dass man mit ihm nicht die Dinge machen konnte, die bei anderen Hundebesitzern so normal scheinen. „Er ist immer im Vollgalopp losgerannt. Also bin ich darauf gekommen, das Bikejöring auszuprobieren.“

Preise bei vielen Wettbewerben

Dabei spanne man einen Hund vor eine Art Roller. „Danach habe ich angefangen, Rennen zu besuchen und mir nach und nach Equipment anzulegen.“ So sei dann eins zum anderen gekommen. Heute ist die 53-Jährige erfolgreiche Hundeschlitten-Trainerin und fährt Preise auf nationalen und internationalen Wettbewerben ein. Seit Längerem gehört sie auch schon zur Deutschen Nationalmannschaft.

Auf einem 8000 Quadratmeter großen Grundstück in Langen können sich Catjas stürmische Jungs richtig austoben. „Wir haben drei Jahre nach etwas Passendem gesucht. Mein Mann und ich kommen ursprünglich aus Steinfurt. Die Grundtücke, die wir besichtigt haben, waren zu klein, zu groß oder einfach unpassend gelegen.“

Diagnose: Krebs

2012 erhalten Catja und ihr Mann während ihrer Suche eine lebensverändernde Diagnose: Catja hat Brustkrebs. Zwei Jahre ist sie außer Gefecht. Doch sie ist eine starke Frau, die ganz offen über ihre Krankheit berichtet und die den Mut nicht verloren zu haben scheint: „Trotz Chemotherapie bin ich auf den Schlitten gestiegen. Die Hunde waren in der Zeit meine wichtigsten Therapeuten“, betont die kämpferische 53-Jährige. „Ein Jahr dachte ich vor mich hin: Wie soll es weitergehen?“ Auf einmal wäre nichts mehr so gewesen, wie es war. Doch sie ließ sich nicht unterkriegen, und ihr Motto ist von da an: „Leben und das machen, was einem Spaß macht und guttut.“

Im emsländischen Langen das Glück gefunden

„Nach anderthalb Jahren haben wir dann unsere Suche nach einem neuen Grundstück fortgesetzt.“ In Langen haben sie nun ihr großes Glück gefunden. Ein gemütliches Haus und, das Wichtigste: ausreichend Platz für die Hunde zum Trainieren und Rennen. „Die Nachbarn hier sind alle total offen und nett. Einer ist sogar schon einmal mit auf dem Schlitten gefahren“, schmunzelt Catja. Vollständig vom Krebs geheilt sei sie allerdings noch nicht: „Ich muss noch Medikamente nehmen und natürlich regelmäßig zu Untersuchungen.“

Neben vielen erfolgreichen kleineren Rennen konnten Catja und ihre Jungs sich schon einige der vorderen Ränge bei Meisterschaftsrennen erfahren, darunter zum Beispiel den Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2014 in Inzell. „Ein ganz besonderer Moment war, als wir den vierten Platz bei der Weltmeisterschaft 2015 in Todtmoos im Schwarzwald gemacht haben“, berichtet sie stolz.

Über Weihnachten und Neujahr zum Training nach Norwegen

Im Herbst beginnen Catja und ihr Mann mit dem Training in der Umgebung auf einem vierrädrigen Wagen. Darauf folgen Trainingsrennen und Meisterschaften der sogenannten Dryland Klasse. „Über Weihnachten und Neujahr fahren wir ins Trainingslager nach Norwegen. Dort werden die Hunde dann wieder auf das Rennen im Schnee vorbereitet.“ Ab Januar folgen Schneerennen in ganz Europa. Die Saison endet im März. Von da werden die Hunde abtrainiert.

Es ist erstaunlich, welche Schnelligkeit jeder der Hunde von null auf hundert abrufen kann und wie athletisch sie gebaut sind. „Im Rennen können sie bis zu 45 Kilometer pro Stunde erreichen. Im Training werden sie dann auf 26 Kilometer pro Stunde heruntergedrosselt. Meine Hunde sind rein für den Sprint trainiert, das heißt, sie laufen maximal 40 Kilometer an Strecke.“ Im Hundeschlittensport gebe es verschiedene Rennklassen: Von vier, sechs oder acht bis hin zu einer unbegrenzten Anzahl an Hunden, die den Schlitten ziehen. Catjas Kraftpakete wären die Formel 1 unter den Schlittenhunden. Bela ist der Größte und auch der Chef des Rudels, der an vorderster Position den anderen bei Schlittenfahrten die Richtung vorgibt. Der jüngste Zuwachs sind Bono und der Costello. Mit gerade gut sechs Monaten sind die beiden natürlich noch verspielt. Dem ruhigeren Campino passt das nicht immer. So käme es auch mal zu einer kleineren Auseinandersetzung, wenn Campino in seiner Ruhe von den munteren Jünglingen gestört würde.

Ohne Partner geht es nicht

So intensiv wie Catja sich mit ihren Hunden beschäftigt, stellt sich die Frage, wie sehr ihr Mann in das ganze Geschehen involviert ist. „Der Partner muss zu 100 Prozent mitziehen, sonst geht das nicht. Wir sind so viel unterwegs, die Hunde müssen versorgt werden, und ich brauche Hilfe im Trainingslager.“ Doch generell habe Catja in den Trainingslagern und Rennen bemerkt, dass kaum einer ohne seinen Partner in diesem Sport unterwegs sei.

Enge Verbundenheit

Immer wieder schmiegen sich die Hunde an Catja und machen es sich im Schatten unter einem Holztisch bequem. Das Wetter sei einfach zu warm für die an die Kälte gewöhnten Hunde. Die enge Verbundenheit zwischen Mensch und Tier ist deutlich zu spüren, wenn Catja mit ihren Jungs kuschelt. „Sie sind wie meine Familie, meine Babys. Ich liebe sie alle.“ Während sie das sagt, hat sie ein breites Lächeln auf den Lippen und streichelt Bela über den Kopf.