Der Hof Feye in Gersten Das wohl roteste Haus im Emsland


Gersten. Das roteste Fachwerkhaus im Emsland, das könnte das Haus Feye in Gersten sein. Zum Tag des offenen Denkmals stellt die Ems-Vechte-Stiftung im Rahmen des Tages des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September, das 1815 errichtete und nun restaurierte Bauernhaus der Öffentlichkeit vor.

Seit Kurzem ist es ein richtiger Hingucker an der Droper Straße 8 in Gersten: das historische Bauernhaus Feye. Seit Herbst 2012 lassen wir von der Ems-Vechte-Stiftung das Haus herrichten. Jetzt wird die letzte Hand an die Außenfassaden angelegt – ein gewagtes Experiment. Das Haus bot so viele gute Spuren historischer Anstriche, dass wir uns entschlossen haben, die Farbigkeit exakt gemäß den Befunden wiederherzustellen, die das Haus vor 150 Jahren hatte.

Resultat ist ein in leuchtendem „Schwedenrot“ mit weiß nachgezogenen Fugen erstrahlendes Gebäude. Und die Farbe wurde nach einem über 200 Jahre alten Rezept hergestellt, das Bindemittel besteht ausschließlich aus Roggenmehl und Leinöl. Auch sonst hat sich dort viel getan. 2012 hatte die Stiftung das Haus durch Schenkung erworben – dem Schenker war bewusst, dass es sich denkmalpflegerisch um eine Ringeltaube handelte. Ursache dafür war die teilweise recht traurige Geschichte: Die letzte Erbin des Hofes, Anna Lucia Feye, starb 1898 kurz nach ihrer Heirat an der Volksseuche Tuberkulose und mit ihr auch das einzige Kind, das wohl noch nicht einmal ein Jahr alt wurde. Die Erben verkauften den Hof dann an die Bauernfamilie Böming in Gersten. Die hatte für sich gerade einen neuen Hof erbaut und keine rechte Verwendung für das Bauernhaus selbst. Man baute es daher zu einem Doppelheuerhaus um. Der Umbau erfolgte auf sparsamste Weise, der alte Wohnbereich blieb praktisch unverändert, und zwar mit seinen vier historischen Schlafbutzen. Dabei hätte man erwarten dürfen, dass gerade sie abgerissen worden wären – waren diese fest eingebauten Wandbetten doch potenzielle Brutstätten der Tuberkulose. Und gerade in diesem Haus war die Mehrzahl der Bewohner genau an dieser Krankheit gestorben – urkundlich „Schwindsucht“ oder „Blutsturz“ genannt. In dieser Form blieb das Haus bis heute erhalten. Während in der nördlichen Hälfte zuletzt die Familie Papenbrock Ende der 1960er-Jahre auszog, blieben die unverheirateten Geschwister Wahoff dort wohnen.

Das Haus war 1815 auf jungfräulichem Grund mit einem denkbar ungünstigen Torfpaket als Untergrund errichtet worden. Also musste der Baugrund unter dem bestehenden Haus ausgetauscht werden – insgesamt mehr als 200 Kubikmeter.

Wieder im Urzustand

Das Haus wurde wieder auf den Urzustand zurückgebaut. Angesichts der exzellenten Dokumentation gab die Denkmalpflege schnell ihren Segen – stand das Haus doch jahrelang ganz oben auf der Liste der Sorgenkinder. Die historische Diele will die Stiftung künftig für zahlreiche Veranstaltungen nutzen und zur Verfügung stellen und in den historischen Wohnräumen will sie ein Dokumentationszentrum für die historische ländliche Baukultur im Raume Emsland-Bentheim einrichten.

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Der Tag des offenen Denkmals in der Region

Emsbüren

Freilichtmuseum Heimathof: Führung durch das Freilichtmuseum von 1766 mit einer Ausstellung landwirtschaftlicher Geräte mit Heilkräutergarten, Brotbackvorführung und Verkauf von Kräutern und Stauden sowie Kaffee und Kuchen. Ludgeristraße 2, 14 bis 18 Uhr.

Freren

Töddenzimmer: Führung durch das Töddenzimmer der Handelsfamilie Pott, Goldstraße 1, Führung um 15 Uhr.

Gersten

Haus Feye: Das Haus Feye an der Droper Straße 8 in Gersten ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet, einstündige Führungen finden um 11 und 15 Uhr statt, um 14.30 Uhr tritt der Gospelchor „Nameless Joy“ auf. Es gibt Kurzführungen nach Bedarf, eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses sowie Demonstrationen zum Lehmbau, zu historischen Fenstern und Anstrichen.

Hof Banke: Der Hof Banke an der Untergerstener Straße 4 ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet, ausführliche Führungen gibt es um 10 und 16 Uhr, der Gospelchor singt um 11.30 Uhr. Zudem gibt es eine Ausstellung zur Geschichte und Restaurierung des Hauses sowie zur Methode der Jahrringdatierung von Holz. Jürgen Zwick kocht und backt zudem Leckeres aus Westfalen.

Lengerich

Ev.-ref. Kirche: Führung durch die evangelisch-reformierte Kirche am Marktplatz um 15 Uhr, geöffnet von 9.30 bis 18 Uhr.

Kath. St.-Benedikt-Kirche: Führung um 14 Uhr, geöffnet von 8 bis 18 Uhr, Kirchweg.

Ramings Mühle: Führung um 16 Uhr, geöffnet von 11 bis 18 Uhr, Hestruper Straße.

Lingen

Kunstschule: Die Kunstschule als ehemalige Lateinschule, Universitätsplatz 3, 14 bis 18 Uhr, Führungen nach Bedarf und Kreativaktionen für Kinder.

Professorenhaus: TPZ als ehemalige Universität aus 1685, Universitätsplatz 5-6, 14 bis 18 Uhr, Führungen nach Bedarf und Kreativaktionen für Kinder.

Ev.-luth. Kreuzkirche: Kirche aus dem Jahr 1737, Universitätsplatz 2, Führungen nach Bedarf.

Lünne

Ev.-ref. Kirche: Die Kirche ist seit 1856 als Kapelle im klassizistischen Stil nachgewiesen, Waldstraße 2, geöffnet 14 bis 17 Uhr.

Haus Schmeing: Ehemaliges Müllerhaus von 1837, heute Bürgerbegegnungszentrum mit Heimatmuseum, Kirchstraße 4, geöffnet 14 bis 17 Uhr; Führungen nach Bedarf.

Mühlenkolk am Bürgerpark: Parkanlage und Naturerlebnispfad Wassermühle, Am Damm 1, ganztags geöffnet.

Nordhorn

Bustour: Bustour zu Kulturdenkmalen in der Grafschaft und im Emsland von 10 bis 18 Uhr unter anderem zu einer archäologischen Ausgrabung am Döppersweg in Nordhorn, zum ehemaligen Spinnerei-Hochhaus von Niegues & Dütting in Nordhorn sowie zum Universitätsplatz in Lingen, Kosten inklusive Mittagessen 15 Euro, nähere Infos unter www.nordhorn.de sowie unter Tel. 05921/878502.

Salzbergen

Heimathaus: Ausstellungsscheune mit Waschmaschinen-, Geologie- und Archäologiemuseum, Kolpingstraße 1, 11 bis 18 Uhr.

„Historischen Waschstraße“: 25-jähriges Jubiläum der „Historischen Waschstraße“ mit Waschvorführungen, Getränke und Imbiss, Schaubacken des Heimatvereins im Backhaus auf dem Gelände der Kolpingbildungsstätte.

„150 Jahre Emsbrücke“: Sonderausstellung, Musikvorführungen und am Nachmittag Kaffee und Kuchen im Heimathaus.

Historische Lokomotive: Lok von 1942, Bahnhofstraße, 10 bis 18 Uhr (Führung nach Bedarf).

„Straße der Skulpturen“: Ausstellung des Salzbergener Metallgestalters Jürgen Wienand, Hasenweg 6 in Salzbergen, 10 bis 17 Uhr mit Speisen und Getränken.

Spelle

Alte Schule: Schule von 1909, heute Heimatmuseum mit dem Dorfmodell Spelles von 1940, An der alten Schule, 15 bis 17 Uhr, Führungen nach Bedarf.

Wöhlehof: Bürgerbegegnungszentrum Wöhlehof von 1791, Pastor-Batsche-Weg 1, 11 bis 17 Uhr, Führungen nach Bedarf, Café-Betrieb, Grill- und Getränkestand und 7. Oldtimer-Meile der Oldtimerfreunde Spelle - zuvor ab 9 Uhr Oldtimerausfahrt über 30 Kilometer ab dem Krone-Trainingszentrum am Löchteweg, Heimathaus von 1842, Pastor-Batsche-Weg 1, 11 bis 17 Uhr, Führungen nach Bedarf.

100 Jahre St.-Johannes-Stift: Ausstellung und Infostand über das Touristikangebot; Hölscherhof, Nordring 1, 11 bis 17 Uhr.

Rheine

Beckersche Haus: Führung, Marktplatz 12, 12 bis 13 Uhr sowie 15.30 bis 16.30 Uhr.

Alter Friedhof: Salzbergener Straße, Führung um 15 Uhr. Pfarrkirche St. Dionysius: Turmbesteigung um 14, 16 Uhr.

Gedenkstätte: Führung durch die Gedenkstätte für Säuglinge und Kinder von Zwangsarbeiterinnen und Besichtigung der Gräber von Krieg und Gewaltherrschaft sowie des Denkmals „Alte Kirche“, Mesum, Alte Kirchstraße 25, 15 Uhr.

Wietmarschen

Stift Wietmarschen: Vier Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert, Besichtigung des Verwaltungsgebäudes, Museum und Bücherei, Führungen nach Absprache, 14 bis 17 Uhr, Am Klostergarten.

Wallfahrtskirche: Wallfahrtsort, 14 bis 17 Uhr, Matthias-Rosemann-Straße 1, Führungen stündlich.

Weitere Infos unter www.tag- des-offenen-denkmals.de .