Themen närrisch angepackt Tausende Karnevalisten beim Umzug in Bawinkel



Bawinkel. Sind es 12000 oder 15000 Zuschauer? „Wir können es nicht mehr schätzen, wie viele Narren unseren Karnevalsumzug in Bawinkel besuchen“, sagt ein vom Verlauf und Erfolg überwältigter Zugmarschall Georg Dulle.

Egal wie viele Besucher sich das närrische Treiben in Bawinkel nicht entgehen lassen wollten – es sind deutlich mehr als im Vorjahr. Und ihnen wird so einiges geboten. Ein „ganz heißes Thema“ greift eine Gruppe aus Gersten mit ihrem Wagen auf: „Niemand will die Piepe sehen, drum müssen wir auf Reisen gehen“, verbrennen die Karnevalisten neben dem HSV auch gleich den Lingener Karneval in ihrem „mobilen Krematorium“.

Politische Themen so aufs Korn zu nehmen ist Karneval in Reinkultur. Und die besitzt auch eine Gruppe aus Emsbüren: „Gewinnt der Hemmes Klaus, ist der Oven aus“, erinnert die Wagenbesatzung an die bevorstehende Wahl des Bürgermeisters in ihrer Gemeinde – Showdown im Boxring des Wahlkampfs ist am 25. Mai.

Bundeswehr und NSA

Aber auch die Bundespolitik spielt eine Rolle in Bawinkel. „Von der Leyen’s neue Bundeswehr – mit Kind und Kegel ans Gewehr“, lautet das Motto eines höchst verteidigungsbereiten Wagens. Dass der NATO-Partner USA nicht verschont bleibt, liegt auf der Hand. Wahrscheinlich wird die NSA dies mitlesen. „Kehrst Du hier zur Beichte ein, bleiben Deine Sünden nicht geheim“ – die Antenne auf dem Dach der Kirche, die einige „Nonnen“ durch Bawinkel ziehen, ist direkt auf den amerikanischen Präsidenten Obama ausgerichtet.

Mit einem profaneren Thema, aber durchaus zutreffend, macht sich ein Motivwagen über das „Dschungelcamp“ lustig: „Fressen Promis wieder Hoden, sind sie finanziell am Boden“. Und auch der ADAC bleibt in Bawinkel nicht vom karnevalistischen Spott verschont. Die „Gelben (B)engel“ des Karnevalsvereins aus Bramhar „schleppen alles ab“ – ob damit nur Pannenfahrzeuge, die es beim Umzug in Bawinkel nicht gibt, gemeint waren, sei dahingestellt.

Feierlaune pur herrscht im Boot „Luxusliner SG Lengerich“: „40 Jahre sind wir genau – feiern ein Jahr und rufen Helau“ erinnern die „kommunalen Würdenträger“ an die Gründung ihrer Samtgemeinde 1974.

Protzbischof gesichtet

Einen anderen „Würdenträger“ verschonen die Karnevalisten im „katholischen Emsland“ weitestgehend. Auf der großen Zeltfete nach dem Umzug war nur ein – wohl aus Limburg zugereister – „Protzbischof“ zu sehen, dessen Stab am oberen Ende ein Eurozeichen schmückte.

Erwähnenswert sind die vielen Gruppen, die sich weder lokale noch Bundespolitik zu eigen machen. Auch mit den Mottos „Disneyland Bawinkel – wo Träume wahr werden“ oder „Es war einmal – Märchenland Bawinkel“ sorgen sie für gute Stimmung, egal, ob bei 12000 oder 15000 Zuschauern des Bawinkeler Karnevals.


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