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Seit April 1945 spurlos verschwunden Lengericher Königskette kehrte nach 66 Jahren zurück und wird auf dem Schützenfest im Juli auch der Öffentlichkeit präsentiert

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Lengerich. „Jetzt müssen wir nur noch beraten, wie wir unsere alte Königskette restaurieren und wiederherstellen lassen können.“ Egal, wie die Geschichte nun weitergeht – die Stimmung auf der Offiziersversammlung des Schützenvereins Lengerich-Dorf gestern Abend war laut Präsident Karl-Heinz Weltring „grandios“. Der Grund war die in den letzten Kriegstagen im April 1945 verschollene Königskette: Nach 66 Jahren sind jetzt „durch Zufall“ wesentliche Teile wieder ins Emsland zurückgekehrt.

Doch erst zur Vorgeschichte: 1863 war für den Schützenverein Lengerich-Dorf ein ganz besonderes Jahr – wurde der Schützengesellschaft doch von König Georg V. von Hannover ein silberner Brustschild samt Kette gestiftet, welcher seitdem jeder Schützenkönig als besondere Auszeichnung trug. 82 Jahre später war es mit dieser besonderen Ehre vorbei: In den Kriegswirren im April 1945 verschwand das Schützensilber spurlos. „1950 wurden die Schützenschilder seit 1921 rekonstruiert sowie eine Kopie des Brustschildes angefertigt. Die Namen der Schützenkönige ab 1858 wurden auf einer großen Plakette festgehalten“, berichtete der Präsident – der Schützenvogel wurde nicht mehr rekonstruiert.

66 Jahre ohne originale Königskette neigen sich nun aber dem Ende entgegen. Es ist erst ein paar Wochen her, da rief der Vorsitzende der Bürgerschützen von 1810 aus Lengerich in Westfalen seinen „Emsländisch-Lengericher Kollegen“ Karl-Heinz Weltring an. Er habe am Nachmittag eine E-Mail aus den Niederlanden bekommen, in der ihm aus einem privaten Nachlass Schützensilber aus Lengerich angeboten wurde, berichtete dieser. Die Krux war nur, dass der westfälische Verein gar kein Silber vermisste. Da habe er an seine emsländischen Schützenbrüder gedacht – und mitten ins Schwarze getroffen, um in der Schützensprache zu bleiben.

„Als ich die E-Mail dann gelesen hatte, konnte ich mein Glück kaum fassen. Die Beschreibungen passten genau auf Teile unserer alten Kette“, freute sich Weltring. Ein erster Kontakt und der Austausch von Fotos ließen keinen Zweifel mehr übrig: Bei den Fundstücken handelte es sich zweifelsfrei um Teile der historischen Lengericher Kette. Vor einigen Tagen nun machte sich eine kleine Delegation vom Emsland aus auf den Weg in die Niederlande. „Und dort wurden wir mit einem gemeinsamen Abendessen herzlich begrüßt“, erinnert sich Ehrenpräsident Peter Gerdes. Viele Informationen wurden ausgetauscht, und wenig später hielten die Besucher aus dem Emsland dann die Originale in den eigenen Händen. „Jetzt ist das Schützensilber wieder bei den Eigentümern, uns hat es ja nie wirklich gehört.“ Mit diesen Worten freuten sich die niederländischen Gastgeber mit den Lengericher Schützen.

Und wie gelangte das Silber in die Niederlande? „Alle Stücke stammen aus dem Nachlass eines niederländischen Offiziers, der sich im Krieg der Royal Air Force angeschlossen hatte. Diese Einheit war einige Zeit auf dem Wehrmachtsflugplatz in Gersten-Drope stationiert“, berichtet Weltring. Wie die Sachen letztlich in seinen Besitz gelangt sind, ließ sich nicht mehr klären – ebenso wie der Verbleib der restlichen Königsplaketten.

Fachlicher Rat gefragt

Gestern Abend nun präsentierte Weltring auf der turnusmäßigen Offiziersversammlung seinen begeisterten Schützenbrüdern das historische Schützensilber. Vom 9. bis 11. Juli werden die Exponate im Rahmen des traditionellen Schützenfestes auch der Öffentlichkeit präsentiert. „Ob bis dahin schon eine Restaurierung erfolgt ist, kann ich noch gar nicht sagen“, betonte Weltring. Für das weitere Vorgehen ist auf jeden Fall schon der fachliche Rat von Andreas Eyinck, dem Leiter des Emslandmuseums in Lingen und historischen Regionalexperten, eingeholt worden.


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