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Bürgermeister Adolf Böcker: Das ist eine Riesensauerei Rat Bawinkel gegen Lingener Pläne für „Sondergebiet Stallanlagen“

Von Burkhard Müller


Bawinkel. Auf breiten Widerstand quer durch die Bevölkerung stößt die Absicht der Stadt Lingen, genau auf der Grenze zwischen dem Lingener Ortsteil Clusorth-Bramhar und der angrenzenden Gemeinde Bawinkel ein Sondergebiet für Stallanlagen zu planen. Rund 250 Bürger waren am Mittwochabend zu einer Sitzung des Gemeinderates Bawinkel in die Gaststätte Müter in Bawinkel gekommen, um ihren Unmut über die Absichten der Stadt kundzutun und um zusammen mit dem Gemeinderat eines klarzustellen: mit uns nicht.

Und so redete auch Bürgermeister Adolf Böcker nicht lange um den heißen Brei herum: Aufgrund der massiven Planungsfehler und eines bis dato nicht da gewesenen unfairen Verhaltens gegenüber der Nachbargemeinde Bawinkel und ihren Bürgern stimmte der Rat einstimmig gegen die Absichten der Stadt Lingen, hier ein Sondergebiet für Stallanlagen bauen zu wollen. Böcker: „Das ist eine Riesensauerei, was die da mit uns machen wollen.“

Als Gründe für seine Einschätzung nannte der Bürgermeister, der auch von Matthias Lühn, Samtgemeindebürgermeister der Samtgemeinde Lengerich, in allen Teilen ausdrücklich unterstützt wurde, die massiven Planungsfehler. War ursprünglich ein Areal von rund 5,9 Hektar für mögliche 14 Stallanlagen mit insgesamt 560000 Hähnchen in der Planung, so mussten die Lingener Planer, nachdem sie von außen darauf aufmerksam gemacht wurden, dass der von ihnen überplante Beritt nicht im Besitz der Stadt ist, auf neue Planungen mit nur noch 4,3 Hektar zurückrudern.

Weil aber in dem Verfahren zum Ausweisen einer solchen Sonderbaufläche keine Flächen von unter 5 Hektar (Mindestgröße) auf ihre Tauglichkeit untersucht wurden, fordert der Gemeinderat nun neue Planungen im gesamten Stadtgebiet, die auch Flächen von um die 4 Hektar berücksichtigen.

Als eine „Ignoranz, die ihresgleichen sucht“, wertete der Bürgermeister auch den Umstand, dass die kleine Siedlung „Felde“ von den städtischen Planern anscheinend übersehen wird. „Hier leben, nur rund 270 Meter von den geplanten Stallanalgen entfernt, mehrere Generationen in fünf Einfamilienhäusern“, erboste sich Böcker und ergänzte: „Leben hier, nur weil es in den 50er-Jahren keinen Bebauungsplan gab, wie wir ihn heute kennen, Menschen zweiter Klasse?“ Laut Gesetz müssen die Stallanlagen mindestens 400 Meter von einer (qualifizierten) Siedlung entfernt sein. Da für die Siedlung „Felde“ aber kein B-Plan existiere, gelte hier nur ein einfacher Abstand.

„Ein Stück Willkür“

Böcker: „Es ist nicht im Sinne guter nachbarschaftlicher Beziehungen, wenn die eigenen Belastungsgebiete an die Grenze gelegt werden, wohlwissend, dass der Westwind den Gestank, die Keimbelastung und die anderen Immissionen zu den Anliegern und in die nahen Wohngebiete der Nachbargemeinde weht. Das, was sich hier abspielt, ist Willkür.“

Außerdem beschloss der Gemeinderat einstimmig, eine Fläche von 1,5 Hektar, die unmittelbar an die geplanten Stallanlagen grenzt, aufzuforsten – und zwar, sobald der Mais runter ist. Der Bürgermeister: „Das war sowieso vorgesehen, und damit erschweren wir es auch den Lingenern, hier ihre Planungen gegenüber ihrem nächsten Nachbarn umzusetzen.“

Seitens der Bürger wurde erklärt, dass bereits einige unmittelbar Betroffene einen Fachanwalt eingeschaltet hätten, der noch am Freitag in der Sache den Oberbürgermeister der Stadt Lingen, Dieter Krone, aufsuchen werde. „Wir werden auf jeden Fall klagen.“


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