Mitstreiterinnen gesucht Selbsthilfegruppe bei Depression in Lengerich geplant

Für die Gründung einer Selbsthilfegruppe hat die Kontakt- und Beratungsstelle für Selbsthilfe Handwerkszeug parat. Foto: Christiane AdamFür die Gründung einer Selbsthilfegruppe hat die Kontakt- und Beratungsstelle für Selbsthilfe Handwerkszeug parat. Foto: Christiane Adam

Lengerich. Eine Lengericherin möchte eine Selbsthilfegruppe, die bei Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen unterstützen soll, gründen. Dazu sucht sie Mitstreiterinnen ab 25 Jahren.

„Weine – so wie der Regen am Morgen fällt
Lächle – so wie die Sonne am Tage scheint
Tobe – wie ein Sturm in dunkelster Nacht
Glänze – so wie die Sterne am Himmel scheinen
Möchtest du auch diese Lebensfreude wieder spüren? Die Frage ist nur wie? Vielleicht finden wir die Antworten gemeinsam und zusammen einen Weg aus dieser Dunkelheit heraus.“ 

Wieder Spaß am Leben

Mit diesem Text möchte Alexandra Schartmann Frauen ansprechen, die unter Depressionen und/oder einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden. Selbst von beiden Themen betroffen, möchte die Lengericherin eine Selbsthilfegruppe gründen. Frauen ab 25 Jahren sollen sich künftig in Lengerich treffen können, um miteinander über ihre Symptomatik zu sprechen. „Es geht um Erfahrungsaustausch, darum, Wege aus der Krise zu finden und wieder Spaß am Leben empfinden zu können“, schildert Schartmann ihre Ziele.

Ingangsetzerinnen

Dazu hat sie sich an Petra Hengst gewandt. Hengst ist pädagogische Mitarbeiterin der Lingener Außenstelle der emsländischen Kontakt- und Beratungsstelle für Selbsthilfe (KoBS) in der Waldstraße 83-85. Die KoBS steht Menschen, die sich in Selbsthilfegruppen zusammenfinden, bei ihrem Vorhaben zur Seite. „Wir beraten Gründungswillige dabei, wie man so eine Gruppe am besten organisiert, wie man Mitstreiter findet und wie so eine Gruppe zunächst in Gang kommt“, erläutert sie. Für Letzteres bildet die KoBS eigens ehrenamtliche sogenannte Ingangsetzerinnen aus, die sich nach erfolgreichem Start einer Selbsthilfegruppe wieder verabschieden.

Mutig

Schartmann hat bereits Erfahrung mit einer Selbsthilfegruppe. Vor einigen Jahren hat sie eine Gruppe für Opfer von sexuellem Missbrauch in Lingen gegründet. „Ja, ich bin davon betroffen. Ich stehe dazu, und zwar, weil es mir wichtig ist, dass dieses Thema nicht tabuisiert wird“, erklärt sie mutig. Alexandra Schartmann ist sogar sehr mutig, so mutig, dass sie seit drei Jahren eine eigene Homepage unterhält, auf der sie über sexuellen Missbrauch schreibt: Auf www.aleschaswelt.de behandelt sie unter anderem dieses Thema.

Tabu

Ihre Erfahrung damit sei allerdings, dass das Thema Depressionen noch viel mehr mit einem Tabu belegt ist. Diese Einschätzung teilt Hengst. Und das, obschon psychische Erkrankungen mittlerweile die Statistik der Krankenkassen anführen. Oder vielleicht gerade deswegen? „Wir hören immer wieder, dass viele Menschen dem gestiegenen Leistungsdruck nicht mehr gewachsen sind. Sie fallen in ein Loch.“ Mehrere Seiten füllt der Themenbereich „psychische Erkrankungen“ allein im Wegweiser der KoBS, in dem sämtliche emsländische Selbsthilfegruppen aufgeführt sind. Die therapeutischen Angebote im Allgemeinen, vor allem aber hier im Emsland, seien rar gesät. „Die Situation für psychisch kranke Menschen hier vor Ort ist prekär!“, weiß die Vertreterin der KoBS Lingen aus Erfahrung. Und auch, wenn eine Selbsthilfegruppe keine psychotherapeutische Behandlung ersetze, wie es Hengst wichtig zu betonen ist, so stelle sie doch ein gutes zusätzliches Angebot dar.

Morgenröte

Die Gruppe, die Alexandra Schartmann seinerzeit gegründet hat, hatte das spezifische Thema des Missbrauchs. Die neue Gruppe möchte sich allgemein posttraumatischen Belastungsstörungen, wie sie auch nach einem schweren Unfall, dem plötzlichen Verlust eines nahestehenden Menschen oder anderen einschneidenden Ereignissen auftreten können, widmen, und eben depressiven Erkrankungen. Aurora soll sie heißen, das ist das lateinische Wort für Morgenröte. Das soll symbolisieren, dass auch für Depressive die Sonne eines Tages wieder aufgehen kann.

Wer Interesse hat, bei der Selbsthilfegruppe „Aurora – Depressionen und PTBS“ in Lengerich mitzumachen, kann sich bei der Kontakt- und Beratungsstelle für Selbsthilfe unter Telefon 05931 14000 oder kontakt@selbsthilfe-emsland.de informieren.


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