Kirche des Monats Gläubige in Langen wollten unbedingt ein eigenes Gotteshaus

Vorgestellt wird die Kirche St. Matthias in Langen am Sonntag, 13. Oktober, um 15 Uhr im Rahmen der Reihe "Kirche des Monats." Foto: Franz GerlingVorgestellt wird die Kirche St. Matthias in Langen am Sonntag, 13. Oktober, um 15 Uhr im Rahmen der Reihe "Kirche des Monats." Foto: Franz Gerling

Langen. Im Rahmen der Reihe "Kirche des Monats" wird am Sonntag, 13. Oktober, um 15 Uhr die katholische Kirche St. Matthias in Langen vorgestellt. Für die musikalische Begleitung sorgt der Kirchenchor. Danach sind die Gäste zur Kaffeetafel eingeladen.

Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, gehörte Langen Anfang des 20. Jahrhunderts zum Kirchspiel Lengerich. Im Winter 1908/09 stellten drei Langener Hofbesitzer auf allgemeinen Wunsch die Bitte an den Lengericher Pfarrer, sonntags eine zweite Messe in der Kapelle auf Gut Grumsmühlen bei Langen zu genehmigen. Der Weg nach Lengerich war vor allem im Winter sehr beschwerlich. Diese Bitte lehnte der Pfarrer jedoch ab. Er sah darin einen Nachteil für die Lengericher Kaufleute, bei denen nach der Messe am Sonntag eingekauft wurde.

Grundsteinlegung am 16. Oktober 1913

 Daraufhin wurde in Langen der Plan entwickelt, eine eigene Kirche zu bauen. Es wurde ein Ausschuss gewählt und im Winter 1909/10 eine Abordnung beim Generalvikar in Osnabrück vorstellig. Zuerst musste Baukapital gesammelt werden. Dazu wurden Summen gezeichnet, das heißt, die Familien verpflichteten sich, eine bestimmte Summe zu zahlen. In den Jahren 1911 bis 1913 wurden gewaltige Mengen Feldsteine, Findlinge und Backsteine zum zuvor diskutierten und bestimmten Kirchplatz angefahren. Ende August 1913 begann der Bau der Kirche nach Plänen des Osnabrücker Architekten Feldwisch-Dentrup. Am 16. Oktober 1913 konnte der Grundstein gelegt werden.

Kostenlose Hand- und Spanndienste

Sämtliche Hand- und Spanndienste wurden kostenlos geleistet. Auch den Sand und den größten Teil des Bauholzes lieferte die Gemeinde unentgeltlich. Die Kirche wurde mit neuromanischen Stilelementen gebaut. Das Außenmauerwerk erhielt eine Verblendung mit gespaltenen Findlingen, die in der Gemeinde gesammelt worden waren. Die Pfeiler im Innern, Vorlagen, Bögen, Fenster und Türumrahmungen bestehen aus rotem Sollinger Sandstein. Der Bau ging zunächst schnell voran, bis am 2. August 1914 der erste Weltkrieg ausbrach. Da stockte es. Sämtliche Maurer, die den Bau angenommen hatten, und der Rechnungsführer wurden gleich in der ersten Woche der Mobilmachung zum Heeresdienst eingezogen.

Gotischer Flügelaltar

 Am 24. Juni 1915 wurde die Kirche benediziert und das erste Hochamt gefeiert. Die Kirche war nur halb fertig und für den vorläufigen Gebrauch hergerichtet worden. Im Frühjahr 1919 folgte die Ausmalung der Kirche durch den Osnabrücker Kirchenmaler Beermann. Im September 1919 wurden  ein gotischer Flügelaltar vom Osnabrücker Künstler Heinrich Thiering und eine Pietà von Bildhauer Bernd Heller aus Lathen aufgestellt. Von ihm stammt auch der Taufbrunnen aus Sandstein aus dem Jahr 1928. Im oberen Teil des Flügelaltars sind Bildnisse der zwölf Apostel zu sehen. Die rechte Bildtafel neben dem Tabernakel zeigt die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland. Auf der linken Darstellung tritt Christus mit der Siegerfahne aus dem Grab hervor und zeigt sich als der Auferstandene. Als oberer Abschluss ist die Kreuzigungsszene dargestellt.

Langen am 1. April 1964 zur Pfarrei erhoben

Am 1. Oktober 1923 wird St. Matthias zu einer selbstständigen Kuratiegemeinde erhoben. Erst in den Jahren 1924 bis 1926 erhielt der Kirchbau seinen Abschluss durch einen mächtigen Anbau aus Bruchsteinen im Westen. An der Südseite erhebt sich ein imposanter Glockenturm mit einem achtseitigen Turmhelm. Am 12. November 1925 wurde Richtfest gefeiert, das heißt, es wurde das Kreuz mit Hahn und Kugel auf den Turm gebracht. Am 13. Juni 1928 konsekrierte Bischof Wilhelm Berning die Kirche. Im November 1929 erhielt der Turm eine neue Uhr von der Turmuhrenfabrik Korfhage und Söhne in Buer bei Osnabrück. Im Mai 1933 wurde die Turmspitze mit Schiefer bedeckt. Am 1. April 1964 erhob Bischof Helmut Hermann Wittler St. Matthias zur Pfarrei.

Gemeinde erinnert jährlich am 24. Februar an ihren Schutzpatron

Aufgrund eines Gelübdes nach einer Plage der Maulwurfsgrille vor etwa 500 Jahren feiert die Gemeinde jedes Jahr am 24. Februar den Tag ihres Schutzpatrons, des Heiligen Matthias. Links neben dem Eingang der Kirche wacht eine Darstellung des Pfarrpatrons aus Naturstein über der Gemeinde und begrüßt die Besucher. Die NS-Zeit hinterließ Spuren: Im Jahr 1953 erhielt die Kirche drei neue Glocken, da 1931 drei der vier Kirchenglocken von den Nationalsozialisten abgeholt und eingeschmolzen worden waren. 


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