Bewohner mit Gaspistole bedroht Gutachter empfiehlt Drogensuchttherapie nach Raub in Langen

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Osnabrück. Jahrelange Drogenabhängigkeit und der daraus resultierende Suchtdruck hat einem Gutachten zufolge die Täter zum Überfall auf ein Gehöft in Langen geführt. Die vier aus Lingen stammenden Angeklagten hatten bei dem Raub im Juli 2018 maskiert und bewaffnet Marihuana und eine Münzsammlung erbeutet.

Den Angeklagten wird gegenwärtig vor dem Landgericht Osnabrück der Prozess gemacht. Drei von ihnen haben eingeräumt, an der Tat mitgewirkt zu haben. So hatte ein 23-Jähriger die anderen mit seinem Fahrzeug von Lingen nach Langen gebracht, wo diese, 48, 41 und 31 Jahre alt, ins Wohnhaus eines Gehöfts eingedrungen waren.

Mit Gaspistole bedroht

Dort hatten sie die Bewohnerin und deren Sohn mit einer Gaspistole bedroht und das Haus durchsucht. Dabei waren sie auf rund 200 Gramm Marihuana und eine Münzsammlung, deren Wert auf 600 Euro geschätzt wurde, sowie auf weitere Gegenstände gestoßen, mit denen sie die Flucht angetreten hatten. Teile der Münzsammlung warfen sie aus dem Autofenster, das Rauschgift wurde in den Niederlanden verkauft.

Die drei älteren Angeklagten sind hochgradig abhängig von Hartdrogen. Sie haben alle eine lange Drogenkarriere hinter sich, sind mehrfach vorbestraft und haben zum Teil unterschiedlich lange Haftstrafen hinter sich. Der 48-Jährige saß beispielsweise wegen Totschlags 13 Jahre ein.

Drei Geständnisse

Die beiden anderen, die mit ihm ins Haus eingedrungen waren, sagten bereits aus, sich am Raub beteiligt zu haben. Aus dem Erlös der Beute wollten sie Drogen kaufen. An die Umstände der Tat könnten sie sich nur schemenhaft erinnern, da sie Heroin und Alkohol konsumiert hätten. Ihre Aussage wird durch den 23-Jährigen gestützt, der von einer deutlichen mentalen Abwesenheit der beiden während der Fahrt gesprochen hatte.

Hochgradig abhängig

Zu einem ähnlichen Bericht kam der Sachverständige, der den 41- und den 31-Jährigen im Auftrag des Gerichts begutachtet hat. Beide seien seit Jahren schwerst drogenabhängig: „Sie konsumieren Heroin und weitere Drogen sowie Alkohol im erheblichen Ausmaß, so auch am Tag der Tat.“ Aus dem Grad der Abhängigkeit schloss er, dass beide zum Zeitpunkt des Überfalls nur vermindert schuldfähig gewesen waren.

Therapie empfohlen

Der Gutachter empfahl dem Gericht, die Angeklagten in einer geschlossenen Einrichtung unterzubringen, wo sie sich einer Therapie zu unterziehen hätten. Besonders der 41-Jährige sei sonst auch in Zukunft in Gefahr, wieder rückfällig zu werden und Straftaten zu begehen.

Der 48-Jährige hat bisher zur Tat geschwiegen. Doch sein Verteidiger erklärte, dass sein Mandant sich nun ebenfalls begutachten lassen und danach eine Erklärung  wolle. Das Verfahren wird fortgesetzt. 


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