Wiesenwurm war eine große Plage Warum Bürger in Langen den Hundekröpel-Bitttag feiern

Der heilige Matthias bändigt die Hundekröpel auf diesem Türgriff in der Langener Kirche.
Foto: Christiane AdamDer heilige Matthias bändigt die Hundekröpel auf diesem Türgriff in der Langener Kirche. Foto: Christiane Adam

Langen. Seit etwa 500 Jahren feiert das Dorf Langen im Emsland jedes Jahr das Hundekröpelfest. Doch was ist überhaupt ein Hundekröpel? Und wie verhalf dieses Wesen der Pfarrkirche zu ihrem Namenspatron, dem heiligen Matthias?

Der Hundekröpel wird mutmaßlich nirgendwo außerhalb Langens gefeiert. Dabei wird das Fest keineswegs zu Ehren jenes Hundekröpels gefeiert. Vielmehr legten die Langener aus lauter Freude, den Hundekröpel los zu sein, ein Gelöbnis ab: nämlich jenen Tag in jedem Jahr mit einer Messfeier zu ehren. 

Ist das etwa ein Hundekröpel? Foto: Christiane Adam

Grässliches Tier

Was ist also nun besagtes Wesen? Es ist kein Schimpfname für einen Hund und auch kein verkrüppelter Vierbeiner, sondern es handelt sich um einen Wiesenwurm, wobei Hundekröpel der plattdeutsche Name für die Maulwurfsgrille oder auch den Erdkrebs ist. Auf der Homepage des Langener Heimatvereins wird er so beschrieben: „Es sind grässliche Tiere, die einem Maulwurf und einem Wurm ähnlich sehen. Die Ähnlichkeit mit dem Maulwurf ist mit den Vorderbeinen begründet, die wie beim Maulwurf als Grabwerkzeug ausgebildet sind und auch dazu benutzt werden. Die Maulwurfsgrille ist mit feinem seidigem Haar bedeckt. Die stark verkürzten Flügeldecken bilden eine panzerähnliche Abdeckung des Rückens. Die Tiere haben etwa die Größe eines Daumens und werden bis zu sieben Zentimeter lang.“

Gelübde und Gebete

Dieses so scheußlich beschriebene Tier soll nach mündlicher Überlieferung vor mehreren hundert Jahren eine Plage in Langen verursacht haben, dergestalt, dass die Plagegeister die Grasnarbe auf den Weiden weggefressen haben, so dass das Vieh der Bauern nicht mehr genug zu fressen hatte und keine Vorräte für den Winter angelegt werden konnten. „Heute würde man Pestizide einsetzen, damals wusste man sich nicht anders zu helfen als mit Gelübden und Gebeten“, erläutert Margret Wiggermann vom Heimatverein. Offenbar haben Gelübde und Gebete ziemlich gut gewirkt, denn heute ist der Hundekröpel so gut wie ausgestorben,

Der heilige Matthias ist der Patron der katholischen Kirche in Langen. Foto: Christiane Adam

Matthiastag

Doch wie verhalf nun ausgerechnet dieser kleine Geselle der Langener Kirche zu ihrem Namenspatron? Als die Langener noch nach Lengerich zur Kirche gehen mussten, war der Bitttag war zunächst auf den Josefstag, das ist der 19. März, festgelegt worden. Als die Langener eine eigene Kirche bekamen, legte man ihn im Jahr 1836 auf den 24. Februar. Das ist der Matthiastag, und deshalb ist die Kirche in Langen dem heiligen Matthias geweiht. „Bis heute feiern wir unseren Patronatstag und den Hundekröpel-Bitttag am selben Tag“, erzählt Wiggermann.

St. Matthias in Langen Foto: Christiane Adam

Niemals an einem Sonntag!

„Seit der Gründung des Heimatvereins in Langen 1994 laden wir die Gemeinde immer zu einem Frühstück ein“, führt Ludwig Giese, ebenfalls Mitglied des Heimatvereins, aus. Der Gottesdienst werde besonders feierlich begangen mit teilweise bis zu sieben Priestern. „Früher waren sogar die Geschäfte, die Schule und der Kindergarten am Hundekröpeltag geschlossen“, erinnert sich Wiggermann. Auch heute noch nehmen sich viele Langener an jenem Tag frei, der niemals an einem Sonntag begangen wird. „In diesem Jahr fällt der Hundekröpeltag auf einen Sonntag. Dann findet das Fest am Montag danach statt. Der Hundekröpel soll etwas Besonderes sein“, betont sie.

„Das Fest ähnelt einer Gemeindeversammlung. Wir haben auch immer einen Gastredner. In diesem Jahr ist es der CDU-Landratskandidat Marc-André Burgdorf. Und die Kinder der ersten und zweiten Grundschulklasse werden etwas vorführen“, führt Giese aus.

Der Hundekröpel findet sich auch in der Kirche wieder: An einer der mit Naturmotiven geschmückten Eingangstüren bändigt der heilige Matthias die Würmer. „Ich finde es erstaunlich, dass sich so etwas über Jahrhunderte hält“, meint Giese.


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