Scheibenschießen am 18. Januar Erstes Schützenfest im Emsland 2019 wieder in Wettrup

Vielleicht sogar deutschlandweit das erste Schützenfest wird im emsländischen Wettrup gefeiert: Das Scheibenschießen findet seit dem Mittelalter bereits im Januar statt, da im Sommer viele Männer in den benachbarten Niederlanden gearbeitet haben. Hier der Umzug im Jahr 2018. Foto: Gemeinde WettrupVielleicht sogar deutschlandweit das erste Schützenfest wird im emsländischen Wettrup gefeiert: Das Scheibenschießen findet seit dem Mittelalter bereits im Januar statt, da im Sommer viele Männer in den benachbarten Niederlanden gearbeitet haben. Hier der Umzug im Jahr 2018. Foto: Gemeinde Wettrup

Wettrup. Im Emsland beginnt am 18. Januar mit dem Scheibenschießen in Wettrup die Schützenfestsaison 2019. Mitten im Winter, da zwischen 1650 und 1920 viele Emsländer im Sommer als sogenannte Hollandgänger im Nachbarland arbeiten mussten, um ihre Familien ernähren zu können. Zeit zum Feiern blieb da nicht.

So arbeiteten auch viele Männer aus Wettrup, Lengerich, Handrup oder Freren dort als Grasmäher, Torfstecher, im Deichbau, als Walfänger oder zogen als Händler über das Land. Zumeist in Gruppen brachen sie im Frühjahr zu Fuß auf und nutzten feste Routen, die zu zentralen Treffpunkten führten. Bei Lingen überquerten viele die Ems. 

Viele Hollandgänger

Zwischen 1700 und 1875 wird die Zahl der Hollandgänger auf 20.000 bis 40.000 jährlich geschätzt. Sie kamen dabei hauptsächlich aus den von großer Rückständigkeit und Armut geprägten Landstrichen Westfalens, dem Emsland, dem Tecklenburger Land, dem Osnabrücker und Mindener Raum, dem Oldenburgischen sowie aus dem Unterwesergebiet.

Vor diesem Hintergrund entschied man in Wettrup, nicht im Frühjahr oder im Sommer mit den verbliebenen Bürgern, sondern bereits im Winter mit der ganzen Dorfgemeinschaft ein Schützenfest zu feiern: Die Tradition des Scheibenschießens, das sogenannte "Schieben schaiten", entstand. 

Arbeiten im Sommer, feiern im Winter

Doch nicht nur in Wettrup, wie jetzt Nachforschungen des Handruper Heimatvereinsvorsitzenden und auch im örtlichen Schützenverein aktiven Paul Driever ergaben: In alten Urkunden und Schriftstücken fand er zahlreiche Hinweise darauf, dass wahrscheinlich aus den gleichen Gründen zumindest im 19. Jahrhundert unter anderem auch in Handrup, Lengerich und Gersten Scheibenschießen beziehungsweise Schützenfeste bereits kurz nach Jahresbeginn stattgefunden haben. Die Langener schossen 1842/43 sogar bereits am 29. Dezember ihren Schützenkönig aus.

Die Lingener Tagespost berichtet regelmäßig über das Scheibenschießen in Wettrup, hier der Bericht über das Fest im Jahr 1963. Foto: Heimatverein Handrup


Beim Betrachten der Handruper Königskette fiel Driever auch auf, dass für das Jahr 1897 gleich zwei Königsplaketten existieren: "Ich vermute, dass 1897 in Handrup das Königsschießen vom Winter in den Mai verlegt wurde. und dann gleich zweimal geschossen wurde. In vorherigen Teilnehmerlisten war immer der Januar als Datum angegeben worden." Eine Vermutung, die auch der Leiter des Emslandmuseums in Lingen, Dr. Andreas Eiynck, auf Nachfrage für "gut möglich" hält.

Reitunfall im Jahr 1897

Bei seinen Recherchen stieß Driever im Frerener Volksblatt auch auf einen kleinen Bericht über einen Unglücksfall beim eventuell letzten winterlichen Schützenfest in Handrup. So heißt es dort in der Ausgabe vom 16. Januar 1897: "Der Commandeur des Festes, welcher des Reitens wohl nicht geübt, zog die Zügel des Pferdes sehr straff, so daß das Thier sich bäumte und rückwärts überschlug den Reiter unter sich begrabend. Dieser erlitt einen bösen Beinbruch."

Detaillierte Feststatuten

In Wettrup aber blieb es bis heute beim traditionell und nach festen Regeln im Winter stattfindenden Scheibenschießen. Ein sommerliches Schützenfest im üblichen Sinn kennt man in der kleinen Gemeinde bis heute nicht. So sind nicht nur der Verlauf, sondern auch die Finanzierung und Zeitpunkt des Festes in den Statuten aus dem Jahr 1997 und auch in einer ersten Fassung aus dem Jahr 1840 genau festgelegt. Laut diesem knapp 180 Jahre alten und insgesamt 26 Punkte umfassenden Regelwerk wird „jeder unverheiratete Sohn eines Landbewohners, der das Alter von 18 Jahren zurückgelegt hat, zum Schiessen zugelassen“, und unter Punkt 24 wird bestimmt, dass „auf dem Schiessplatze keine scharfen Getränke verabreicht oder Taschengläser mit solchen Getränken mitgenommen werden dürfen“.

Der Pajaz hat das Kommando

Und auch der "Pajaz" wird am Freitag, 18. Januar 2019, mit einer Fuchskappe auf dem Kopf, fetten Mettwürsten um den Hals und eine Peitsche knallend wieder den Festzug durch die Gemeinde anführen. "Seit alters her trägt er für die Ordnung des Festverlaufes Sorge und führt auch beim Schießen das Kommando. Es ist also eine sehr respektable Persönlichkeit, die gleichzeitig diesem fröhlichen Tag eine humoristische Note verleiht“, heißt es dazu in einem Bericht in der Lingener Tagespost aus dem Jahr 1955.



Das Scheibenschießen in Wettrup 2019

Das traditionelle Scheibenschießen in Wettrup beginnt am Freitag, 18. Januar, mit einem morgendlichen Gottesdienst und einem Umzug durch die Gemeinde. Anschließend findet im Gasthaus Schrichte das Königsschießen statt, am Nachmittag gibt es Kaffee und Kuchen. Am Abend findet im Festsaal der Königsball statt.

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