Vorwürfe gegen Polizei Brand in Bawinkel: Zeugen fühlen sich unter Druck gesetzt

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Die juristische Aufklärung des Brandes der Gaststätte Platzhirsch in Bawinkel ist in vollem Gange. Foto: Felix ReisDie juristische Aufklärung des Brandes der Gaststätte Platzhirsch in Bawinkel ist in vollem Gange. Foto: Felix Reis

Osnabrück. Die juristische Aufarbeitung des Brandes der ehemaligen Gaststätte Platzhirsch in Bawinkel vor dem Landgericht Osnabrück entwickelt sich zu einem zähen Indizienprozess. Am jüngsten Verhandlungstag berichteten mehrere Zeugen, bei Vernehmungen durch die Polizei massiv unter Druck gesetzt worden zu sein.

Die Freundin eines Angeklagten sagte, ein Polizeibeamter habe bei einer Vernehmung versucht, sie auch mit Argumenten, die ihren höchst privaten Bereich betreffen, zu einer Aussage gegen ihren Freund zu bewegen. Dabei sei ihr auch suggeriert worden, dass der Brand vorsätzlich gelegt worden sei. Außerdem habe die Polizei das Gespräch mit ihrer Mutter gesucht und dieser gesagt, dass ihre Tochter Umgang mit einem Kriminellen habe. Und wenn  es seine Tochter wäre, hätte er ihr die Meinung gegeigt.

"Sollte gekauft werden"

Auch eine als Zeugin geladene Ex-Freundin des andere Angeklagten berichtete von massivem polizeilichem Druck, der während einer Vernehmung auf sie ausgeübt worden sei. So sei ihr unter anderem gesagt worden, dass man wisse, dass ihre Aussage nicht stimme und habe dann eine Durchsuchung ihrer Wohnung angedroht. Darüber hinaus habe der vernehmende Beamte ihr in Aussicht gestellt, dass sie einen Teil der von der Versicherung ausgesetzten Belohnung erhalte, wenn sie zur Aufklärung des Falles beitrage. "Ich habe das so aufgefasst, dass ich gekauft werden soll", sagte die Zeugin vor Gericht.

"Ich wollte nur noch raus"

Von einem anderen Beamten sei sie aufgefordert worden, ihrem damaligen Freund ins Gewissen zu reden, damit er ein Geständnis ablege. In der Vernehmung habe es seitens der Polizei so geklungen, dass die heute Angeklagten die Täter sein müssen, gab die Zeugin zu Protokoll des Landgerichts. Das alles habe sie sehr mitgenommen, ließ die Zeugin wissen: "Ich stand komplett neben mir und wollte nur noch raus".

Brandstiftungs-Theorie

Inhaltlich geht es weiter um die Frage, ob die beiden Angeklagten den Brand  gelegt haben um Versicherungsleistungen zu erhalten, ob es sich um einen technischen Defekt handelt, oder ob ein unbekannter Dritter für das Feuer verantwortlich ist. Für Theorie eins könnte sprechen, dass die Geschäfte der beiden Angeklagten über lange Zeit nicht gut gelaufen waren. Ein Vertreter der Bank, die seinerzeit den Kauf der Immobilie finanziert hatte berichtete dem Gericht von "zögerlichen Zahlungen der raten". Das habe dazu geführt, dass die Bank die Darlehen gekündigt habe. Vertreter der Versicherung sagten aus, dass die abgeschlossenen Versicherungssummen in einem für das Gebäude angemessenen Rahmen bewegt haben.

Defekt-Theorie

Für Theorie zwei könnte sprechen, dass zwei Asylbewerber, die in der Brandnacht in dem Gebäude gewohnt hatten, davon sprachen, dass es in den Tagen vor dem Brand in dem haus verbrannt gerochen habe. In dem raum, in dem das Feuer ausgebrochen war, hatten diverse elektrische Haushaltsgeräte gestanden.

Leiter-Theorie

Für Theorie drei könnten die Erkenntnisse eines Gutachters sprechen. Der Schließ- und Schlüsselexperte ließ wissen, dass auch Fremde über eine Leiter in das Gebäude gelangt sein könnten, ohne Einbruchsspuren zu hinterlassen.

Angeklagte weisen jegliche Schuld von sich

Die Angeklagten weisen jegliche Schuld von sich. Die Gaststätte Platzhirsch war Mitte Dezember 2016 abgebrannt. Sie sind angeklagt wegen versuchten Mordes, da in dem Haus neun Asylbewerber wohnten. 


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