Prozessauftakt Brand in Bawinkel: Angeklagte weisen Vorwurf zurück

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Wegen versuchten Mordes müssen sich zwei Männer vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Sie sollen eine Gaststätte in Bawinkel angezündet haben. Foto: Felix ReisWegen versuchten Mordes müssen sich zwei Männer vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Sie sollen eine Gaststätte in Bawinkel angezündet haben. Foto: Felix Reis

Osnabrück. Zwei Männer, die sich vor dem Landgericht Osnabrück wegen des Vorwurfes des versuchten Mordes verantworten müssen, haben den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, die ehemalige Gaststätte "Platzhirsch" in Bawinkel angezündet zu haben, zurückgewiesen. Einer der Angeklagten sprach darüber hinaus von einer Intrige des Bürgermeisters.

Die Anklage wirft den 31 und 29 Jahre alten Männern versuchten Mord, Brandstiftung und Versicherungsbetrug vor. Sie sollen in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt und beschlossen haben, den gastronomischen Betrieb anzuzünden um Geld von der Gebäude- und Hausratsversicherung zu erhalten. (Weiterlesen: Gaststätte in Bawinkel angezündet: Versuchter Mord?)

Neun Männer konnten sich retten

Das Feuer war am frühen Morgen des 22. Dezember 2016 ausgebrochen und hatte in der mit Holzvertäfelungen ausgestatteten Gaststätte schnell um sich gegriffen. Glücklicherweise hatten die Rauchmelder im oberen Stockwerk, wo die neun Asylbewerber untergebracht waren, Alarm gegeben, so dass neun zwischen 22 und 26 Jahre alten Männer sich selbst in Sicherheit bringen konnten.

Gasflaschen

Sie hatten dann auch die Feuerwehr alarmiert, die mit einem Großaufgebot an Kräften aus der ganzen Samtgemeinde Lengerich anrückte und das Feuer schnell unter Kontrolle hatte. Während anfangs von einer defekten Elektrik als Brandursache ausgegangenen worden war, verdichtete sich später der Verdacht einer Brandstiftung. An zwei in einem Abstellraum untergebrachten Gasflaschen sollen die Ventile geöffnet worden sein, eine brennende Kerze das Gas dann entzündet haben.

"Genügend Einnahmen"

Zu Prozessbeginn vor dem Landgericht in Osnabrück widersprachen die beiden Angeklagten den Vorwürfen. Zwar habe sich der Restaurantbetrieb nach einem guten Beginn nach dem Kauf 2012 zwei Jahre später als rückläufig erwiesen, es seien aber durch den Saalbetrieb, Kegelbahn und Biergarten genügend Einnahmen zu verzeichnen gewesen, um das Bankdarlehen in Höhe von etwa 450.000 Euro bedienen zu können. Besonders nachdem 2015 ein Vertrag mit der Samtgemeinde über die Unterbringung von Asylbewerbern geschlossen worden war, sei genügend Geld dagewesen. 

"Verkauf gescheitert"

Zudem hätten sich immer wieder Bewerber für den Kauf der Immobilie gemeldet. Dass es letztlich nicht dazu gekommen sei, lastete der jüngere der Angeklagten dem Bürgermeister an. „Es hat ein unterschriftsreifer Vertrag mit einem Interessenten vom Niederrhein beim Notar vorgelegen, doch plötzlich zog sich dieser zurück. Der Bürgermeister hat, so wie ich gehört habe, eine Intrige angezettelt, weil die Gemeinde das Grundstück selbst haben wollte“. Auch ein Bauunternehmer aus der Region habe in der Zeit vor dem Brand die Immobilie kaufen wollen, sei aber wieder abgesprungen. „Ein halbes Jahr nach dem Brand kam er dann wieder, zusammen mit der Gemeinde, darauf zurück“. (Weiterlesen: Gelände beim „Platzhirsch“ in Bawinkel gerodet)

Verfahren wird fortgesetzt

In der Tatnacht wollen beide Angeklagte in den Ortschaften der Samtgemeinde unterwegs gewesen sein, um Plakate für eine Veranstaltung aufzuhängen. Später, gegen vier Uhr in der Früh, seien sie dann von der Feuerwehr über den Brand informiert worden.  Das Verfahren wird fortgesetzt. 


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