Tiergestützte Therapie Bawinkler Praxis bringt mit Hündin Cleo Freude in Pflegeheime

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Die Senioren im Haselünner Pflegeheim freuen sich auf die Besuche von Ergotherapeutin Anne Knoop und ihrer Hündin Cleo, die sich gerne mit Leckerlis verwöhnen lässt. Foto: Jessica LehbrinkDie Senioren im Haselünner Pflegeheim freuen sich auf die Besuche von Ergotherapeutin Anne Knoop und ihrer Hündin Cleo, die sich gerne mit Leckerlis verwöhnen lässt. Foto: Jessica Lehbrink

Bawinkel. Einmal in der Woche besuchen Anne Knoop und ihre Hündin Cleo die Bewohner eines Pflegeheims. Damit bereiten sie den Senioren nicht nur eine kleine Freude: Es handelt sich dabei um eine tiergestützte Therapie, die die Praxis Christine Brundirs aus Bawinkel anbietet. Denn Hunde bewirken oft mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Es ist Montag. Einige Bewohner sitzen bereits in einem kleinen Kreis im Foyer der Pflegeeinrichtung Am Hasetor in Haselünne. Dieses Mal sind es nur Frauen. Aber das ändert sich von Woche zu Woche, denn die Wohngruppen wechseln sich ab. Die Augen der älteren Damen leuchten und ein Lächeln legt sich auf ihre Gesichter, als Anne Knoop mit Hündin Cleo das Gebäude betritt. Man kennt sich. Deshalb dauert die „Schnupperrunde“ der vierjährigen Labradorhündin auch nicht allzu lang. Freundlich wird sie von den Seniorinnen begrüßt, mit Streicheleinheiten und Sätzen wie: „Ach, bist du auch wieder da?“

Demenz lässt sich nicht aufhalten, aber verlangsamen

Cleo ist ein ausgebildeter Therapiehund. Sie ist den Umgang mit fremden Menschen gewöhnt und zeigt sich aufgeschlossen. Einige Minuten zuvor war sie noch mit Frauchen Anne Knoop im benachbarten Partnerpflegeheim Am Hasetal. Dort erwarteten sie einige Bewohner mit Demenz. Auch wenn diese Krankheit sich nicht aufhalten lässt, lässt sie sich zumindest verlangsamen, erklärt Christine Brundirs. Sie betreibt zwei Praxen für Logopädie, Ergotherapie und tiergestützte Therapie in Bawinkel und in Freren. Anne Knoop ist bei ihr angestellt.

Diese besondere Form der Therapie bringt etwas, ist sich Brundirs sicher: „Die Pflegeheimbewohner erkennen Cleo wieder. Sie merken sich auch Kommandos wie ‚Sitz‘ und ‚Platz‘. Vor allem aber fördert es die motorischen Fertigkeiten.“ Es ist eine Form der Ergotherapie, bei der pflegebedürftige Menschen einfache Bewegungen und ihr Gedächtnis trainieren sollen – alles spielerisch und mithilfe von Cleo. „Wir haben es schon oft bei Demenzerkrankten erlebt: Wenn ein Hund den Raum betritt, wird ihr Blick klarer. Automatisierte Abläufe wie das Füttern aus der Hand kommen von ganz allein“, erzählt Brundirs.

Fertigkeiten trainieren

Die Gruppe an diesem Montagvormittag ist eine der fittesten. Die Frauen genießen es sichtlich, Cleo immer wieder mit kleinen Drops zu füttern – entweder mit der flachen Hand oder mit einem Futterrohr. „Das soll die Zielgenauigkeit trainieren“, erklärt Brundirs. Der Hündin scheint es egal zu sein, in welcher Form sie ihre Leckerbissen erhält: Hauptsache sie landen am Ende in ihrem Maul. Manchmal läuft ihr dabei so sehr das Wasser im „Munde“ zusammen, dass einige Speicheltropfen auf den Hosen der Pflegeheimbewohnerinnen landen. Sie nehmen es Cleo nicht übel. „Langsam. Ich habe Zeit“, sagt eine der Frauen scherzend, doch die Hündin schlabbert munter weiter. Deshalb hat Knoop auch stets Feuchttücher zum Säubern dabei. Auch Zahlenspiele, das Verstecken einer Futtertasche sowie das Zerknäulen von Backpapier gehören zum Programm. Es sind die einfachen Dinge, die gewisse Fertigkeiten üben sollen.

Cleo ist Motivator

Für die Seniorinnen ist es eine spielerische Beschäftigung und ein netter Austausch mit der Therapeutin. Doch es steckt mehr dahinter. Allein das Greifen der mal größeren und mal kleineren Leckerlis aus der Dose schult laut Brundirs die Feinmotorik der Finger. „Es ist ein unbewusstes Lerntraining“, sagt sie. Cleo dient dabei als Motivator. Es sei die nonverbale Kommunikation eines Hundes, die bei pflegebedürftigen Menschen und Demenzerkranken wirke: ein kleines Stupsen mit der Nase, ein Schlecken, selbst der Geruch. Brundirs sagt aber auch: „Die Therapie ist kein Allheilmittel. Wir können nicht alles damit behandeln, aber ich glaube, wir kommen damit schneller zum Kern des Problems.“


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