Mit einer „Hochzeit“ fing es an Heimat- und Traditionsverein Gersten vor 25 Jahren gegründet

Von Carsten van Bevern


Gersten. Vor 25 Jahren ist der Heimat- und Traditionsverein Gersten gegründet worden. Der von Anfang an amtierende Vorsitzende Werner Kuper konnte jetzt rund 80 der 150 Mitglieder zum Jubiläumsfest auf dem Gelände der zu großen Teilen selbst gestalteten Hofanlage Lindemann begrüßen.

Auf Ebene der Samtgemeinde Lengerich sollte es laut einem früherem SG-Ratsbeschluss nur einen Heimatverein geben. Anfang der 1990er-Jahre sollten Gerstener dann einen Lengericher Heimatabend mitgestalten. „20 bis 25 Gerstener waren sofort bereit, dort eine traditionelle emsländische Hochzeit aufzuführen. Es war ein voller Erfolg. Auch für das Binden einer Erntekrone fanden sich schnell viele Helfer. Das zeigte uns, dass es genug Interesse für einen eigenen Heimatverein gab“, erinnert sich Kuper in einem Gespräch mit unserer Redaktion an die Anfangszeit.

Unterstützung vom Bürgermeister

Gesagt, getan: Der zu dieser Zeit gerade neu gewählte heutige „Alt“-Bürgermeister Alois Bregen-Meiners stand diesem Wunsch sehr positiv gegenüber, und am 7. November 1993 wurde der Heimat- und Traditionsverein Gersten offiziell gegründet. Viel hat sich seitdem getan. An vielen Projekten im Ort war der schnell aus rund 100 Mitgliedern bestehende Heimat- und Traditionsverein beteiligt. Die Gerstener schufen sich rund um den markanten wie historisch bedeutsamen und im Besitz der Gemeinde befindlichen Hof Lindemann in viel Eigenleistung eine eigene Heimat.

1997 wurde das Backhaus eingeweiht, ein Jahr später die Ausstellungsscheune, ein traditioneller Bauerngarten wurde angelegt, der Festplatz hergerichtet und teils gepflastert sowie ein Hofkreuz aufgestellt. Für all dies bedankten sich jetzt auch der Gerstener Bürgermeister Karl Köbbe und sein Stellvertreter Hermann Beestermöller mit einem „Flachgeschenk“ für neue Blumen für den Bauerngarten. Über zwei weitere „Flachgeschenke“ hätte sich Kuper zusätzlich gerne gefreut – sind beide laut dem schmunzelnden Kuper „laut unseren Unterlagen doch bislang noch nicht als Mitglieder verzeichnet“.

Viele Aktionen für Kinder

Die Ausstellungsscheune füllte sich schnell mit historischen Arbeitsgeräten. „Sie funktionieren alle und sind auch von uns weiter eingesetzt worden“, berichtet Gründungs-Vorstandsmitglied Franz Theisling. Jahrelang bauten die Vereinsmitglieder auf einer benachbarten Freifläche auch Kartoffeln an. Ein Schwerpunkt des Vereins ist dabei die Nachwuchsarbeit, und so halfen Kita- und Grundschulkinder beim Pflanzen und der Ernte, lernten spielerisch viele landwirtschaftliche Zusammenhänge kennen. Gemeinsam wurden auch Obstbäume gepflanzt, die Früchte werden regelmäßig zu Saft verarbeitet und auch im Bauerngarten wird gemeinsam geerntet.

„Vom Ei zum Huhn“

In der ganzen Region bekannt sind der Verein und Werner Kuper im speziellen auch durch das Projekt „Vom Ei zum Huhn“: Dank einer von der örtlichen Volksbank gespendeten Brutmaschine konnten schon Kita-Kinder im ganzen südlichen Emsland das Brüten, Schlüpfen und die ersten Lebenstage von Hühnern verfolgen. „Die meisten Kinder sind wie ihre Eltern und Erzieher immer sehr begeistert. Wir haben auch mehr Anfragen als wir bewältigen können“, erklärt Kuper, der allerdings auch etwas enttäuscht darüber ist, dass über dieses Projekt nicht doch auch einige Erwachsene zu ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des Vereins geworden sind.

Helfer sind gerne gesehen

Denn Hilfe kann der Verein durchaus gebrauchen. Die Hoffläche, der Bauerngarten und die Hühner müssen gepflegt werden. Es gibt einmal im Jahr einen Diavortrag von Bernd Swarte, im Winter einen Klönabend, eine Weihnachtsbäckerei, eine Tour mit dem Gemeinderat durch den Ort und viele Aktionen mit und für Kinder. Von April bis Oktober wird an jedem letzten Sonntag im Monat auch eine Kaffeetafel mit selbst gebackenem Kuchen angeboten. Interessierte Besucher werden auch immer wieder gerne über das Gelände geführt. Im Zweifel von Werner Kuper, der oft vor Ort ist und vielleicht gerade mal wieder „nur kurz“ den Sprenger an-, um- oder am Abend ausstellt, Brote für die Rosche-Tour oder andere Gelegenheiten backt oder einfach nach dem Rechten schaut.


Nach der Einweihung des Backhausanbaus Ende April und jetzt der Feier zum 25-jährigen Bestehen folgt am Sonntag, 16. September, die dritte Großveranstaltung in Gersten: Der traditionelle Tag der Heimatvereine im südlichen Emsland findet in diesem Jahr auf dem Hofgelände Lindemann in Gersten statt. Von 14 bis 18 Uhr bietet der Heimat- und Traditionsverein Gersten gemeinsam mit den Partnervereinen aus Bawinkel, Handrup, Langen, Lengerich und Wettrup für alle Heimatfreunde und Interessierte ein buntes Programm mit vielen alten Bräuchen und Handwerkstechniken für die ganze Familie an.

Der Nachwuchs kann sich auf eine Märchenerzählerin und historische Spiele wie Stelzenlaufen, Sackhüpfen oder Kreiselspiele freuen. Ein Korbflechter, ein Holzschuhmacher, ein Falkner und ein Besenbinder werden vor Ort sein und ein Motorsägenkünstler zeigt, wie man heute Werkzeuge auch einsetzen kann.

Neben Kaffee und Kuchen gibt es auch Brot und Weggen frisch aus dem Steinofen. Abgerundet wird das Programm durch eine Tanzgruppe, einen Musikverein, zu bestaunende historische Werk- und Fahrzeuge und eine Geflügelschau. Nähere Infos zum Verein und dem Tag der Heimatvereine bei Werner Kuper unter Tel. 05904/1496 oder per E-Mail an w.kuper@heimatverein-gersten.de.

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