Feuerwehrkräfte am Limit Nach Großfeuer: Erneut Brand bei Pferdezuchtbetrieb in Wettrup

Von Julia Mausch

Die Feuerwehr musste am Sonntag erneut zu einem Brand auf dem Pferdezuchtbetrieb Moormann in Wettrup ausrücken. Foto: Petra EgbersDie Feuerwehr musste am Sonntag erneut zu einem Brand auf dem Pferdezuchtbetrieb Moormann in Wettrup ausrücken. Foto: Petra Egbers

Lengerich. Nachdem es am Donnerstag bei einem Pferdezuchtbetrieb in Wettrup zu einem Großbrand gekommen ist, hat es am Sonntag dort erneut ein Feuer gegeben. Die Feuerwehrkräfte in Wettrup und Handrup sind mittlerweile am Limit des Leistbaren angelangt.

Die dunklen Rauchwolken waren schon von Weitem zu sehen: In Wettrup ist es am Donnerstagabend auf dem Pferdezuchthof Moormann zu einem Großbrand gekommen. Mehr als 300 Einsatzkräfte waren im Einsatz, um das Feuer, das sich auf Ställe, einem Strohlager, einem Wirtschaftsgebäude sowie Teilen eines Wohnhauses ausgebreitet hatte, zu löschen. Der Einsatz ging über 38 Stunden. Erst am Samstagmorgen konnte die Einsatzstelle der Polizei übergeben werden. (Weiterlesen: Hoher Schaden nach Großbrand von Pferdezuchtbetrieb in Wettrup )

Brandwache rund um die Uhr

Der Schaden, der bei dem Großbrand entstanden ist, ist immens. Mehrere Hunderttausend Euro, schätzt die Polizei derzeit. Die Feuerwehr verhinderte am Freitag einen noch größeren Schaden. Auch vier Tage nach dem Großbrand sind die Einsatzkräfte aus der Samtgemeinde im Einsatz: Stichwort Brandwache. Seit Donnerstag sind sie in Kleingruppen immer mal wieder auf dem Hof und verhindern ein erneutes Aufflammen der Glutnester. Diese halten sich im Inneren des Brandguts, sprich in Strohhaufen oder -ballen, da das Löschwasser meist nicht tief genug eindringt. Die Gefahr besteht, dass sich die Glutnester im Laufe der Zeit als Schwelbrand unbemerkt wieder ausbreiten und sich durch Sauerstoff erneut offene Flammen bilden.

Strohhaufen hat sich selbst entzündet

So geschehen am Sonntag. Gegen 15 Uhr hatte eine Einsatzgruppe die Brandwache auf dem Pferdezuchthof beendet. Auffälligkeiten waren bei ihrem Dienst nicht entdeckt worden, sagt Ortsbrandmeister Jürgen Schlump. Doch gegen 16.30 Uhr schlug der Hofbesitzer plötzlich Alarm, über die Leitstelle wurde die Feuerwehr informiert. Die Info: Ein erneuter Brand auf dem Hof im Moorhook. Mit 35 Einsatzkräften aus Wettrup und Handrup ging es zur Einsatzstelle. Ein Strohhaufen nahe des Wirtschaftsgebäudes hatte sich selbst entzündet.

Brandschuttentsorgung sehr teuer

Zwar konnte das Feuer schnell gelöscht werden. Doch die Gefahr ist hoch, dass es zu weiteren Bränden kommt, vor allem beim Brandschutt, sagt Schlump. Dieser wird derzeit auf dem Hof gelagert, wann er entsorgt wird, sei noch unklar. „Derzeit laufen die Gespräche mit der Versicherung wegen der Kostenübernahme“, sagt Gemeindebrandmeister Michael Moss. Denn: Brandschuttentsorgung ist aufgrund strenger Umweltgesetze sehr teuer – wenn nicht vorgesorgt wird. Ein Großteil des Schutts in Wettrup ist Sondermüll, wie beispielsweise eine Photovoltaikanlage.

Der Schaden, der bei dem Großbrand entstanden ist, ist immens. Mehrere Hunderttausend Euro, schätzt die Polizei derzeit. Foto: Petra Egbers

Tag und Nacht vor Ort

Der Hofbesitzer und vor allem auch die Feuerwehr hoffen, dass die Frage der Kostenübernahme bereits am Dienstag geklärt ist, somit dann der Brandschutt abtransportiert werden kann. Bis dahin bleibt die Feuerwehr in Kleingruppen vor Ort – auch in der Nacht –, um mögliche Glutnester, die durch den Sauerstoff angeheizt werden, zu löschen, sagt Michael Moss. Dauerhaft vor Ort zu sein ist kein Muss, schließlich wurde die Brandstelle am Samstag bereits der Polizei übergeben. Der Einsatz von Montag auf Dienstag ist eine Geste gegenüber dem Hofbesitzer.

Was sagen die Arbeitgeber der Feuerwehrmänner?

Nicht mehr nur die Ortsfeuerwehren Handrup und Wettrup sind Tag und Nacht Einsatz, auch Lengerich und Langen wurden auf den Plan gerufen. Denn die Einsatzkräfte sind mittlerweile am Limit des Leistbaren angelangt. Feuerwehr ist in der Region Ehrenamt. „Unsere Mitglieder gehen neben ihren Einsätzen normal arbeiten“, erklärt Moss. Doch ihre Berufe mussten in den vergangenen Tagen einsatzbedingt zurückstehen. „Darüber freut sich kein Arbeitgeber“, sagt der Gemeindebrandmeister. Dennoch seien die Rückmeldungen bisher positiv gewesen, ein Kamerad sei sogar für einen halben Tag freigestellt worden.

Probleme mit Gaffern

Unterstützung erfuhr die Feuerwehr nicht nur beim Einsatz am Donnerstag, als zahlreiche Landwirte und Speditionen Wasser gefüllte Güllefässer und Silo-Auflieger zum Brandort brachten, sondern auch am Montag. Immer wieder bringen Anwohner den ehrenamtlichen Helfern Kaffee vorbei, auch mal was zu essen. Hilfe, die sich Michael Moss auch am Donnerstag von einigen Schaulustigen erwünscht hätte, die offenbar nahe am Geschehen sein wollten. Mit Autos hätten sie die Zufahrtswege blockiert. Trotz Ansprache der Feuerwehr seien sie nicht einsichtig gewesen, erinnert sich Moss. Die Feuerwehr hätte – trotz des Großbrandes – anfangs Kameraden abstellen müssen, die die „Gaffer“ zum Wegfahren bewegen sollten. Später übernahm die Polizei diese Aufgabe. „Ich habe schon viele Brände mit Gaffern erlebt, aber so etwas wie am Donnerstag noch nie“, sagt Moss.


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