Zuchthengst für die Region Erster Kaltblüter seit 50 Jahren in der Hengststation Bawinkel

Von Christiane Adam


Bawinkel. Er ist blond, seine Nase so groß wie der Kopf eines Hundes und sein Gemüt sanft: Hilarius ist ein rheinisch-deutsches Kaltblut. Der Hengst ist seit etwa 50 Jahren wieder der erste Kaltblüter in der staatlichen Hengststation in Bawinkel.

„In erster Linie eignen sich Kaltblüter als Zugpferde für Kutschen. Ursprünglich wurden sie daher im Ackerbau eingesetzt, wo sie Pflüge und andere schwere Geräte ziehen mussten“, erklärt Oliver Ostermeier. Ostermeier ist Pferdewirt und arbeitet beim Niedersächsischen Landgestüt in Celle, seit 2004 lebt er aber jeweils von März bis Anfang Juli in Bawinkel. Denn das Gestüt in Celle ist ein Betrieb des Landes Niedersachsen, dem die Hauptstelle in Ankum untergeordnet ist und die Hengststation Bawinkel ist als Deckstelle wiederum dort angegliedert.

Nur fünf Kaltblüter im Landesgestüt

Mit Hilarius steht einer von nur fünf Kaltblütern des Landgestüts in Bawinkel. „Es freut mich, dass der Verein Stammbuch für Kaltblutpferde Niedersachsen gern einen Kaltbluthengst für die Region haben wollte, nachdem der einzige Hengsthalter für Kaltblüter aufgehört hatte“, erklärt er. Hauptaufgabe der Hengststation ist die Besamung von Stuten. Nun können also von Bawinkel aus auch wieder Kaltblüter gezüchtet werden. Allerdings ist Hilarius Erbgut nur für Stuten, die ebenfalls einen rheinisch-deutsches Abstammungsnachweis haben, vorgesehen. Dies soll die Reinheit der Zuchtlinie garantieren.

Kräftige Kaltblüter

Kaltblüter zeichnen sich durch ihren kräftigeren Körperbau aus, zudem gelten sie als langmütig und geduldig. Eigenschaften, die beim Ziehen von Kutschen, Planwagen und anderen Gefährten wichtig sind. Im Emsland gibt es laut Ostermeier rund 200 Züchter, die aber in erster Linie Hannoveraner halten: „Das sind schnellere und wendigere Warmblüter. Noch edleren Geblüts sind Vollblüter.“

Berater und Geburtshelfer

Ostermeier betreut rund 100 Züchter. Morgens um 6 Uhr beginnt er mit dem Füttern der Pferde, bestellt im Auftrag der Züchter Samen und bringt anschließend die Hengste in Bewegung. Vormittags berät er in seinem Büro an der Haselünner Straße 52 Züchter, am Nachmittag berät er auch vor Ort. „Ich schaue mir auch Fohlen an, die ich meinem Chef eventuell zum Kauf empfehle“, ergänzt der Pferdewirt. Manchmal betätige er sich dabei auch als Geburtshelfer, fügt er schmunzelnd hinzu. Im Juli geht für ihn wieder nach Celle, Hilarius nimmt er dann natürlich mit.

Samen für bis zu zwölf Stuten

„250 Euro kostet der Samen von Hilarius. Das ist weitaus weniger als der von Hannoveranern“, ergänzt Ostermeier. Zur Beratungsleistung der Hengststation gehöre, dass er sich die Stuten anschaut und passende Hengste empfiehlt: „Hat zum Beispiel die Stute recht kurze Beine, wählt man einen Hengst mit relativ langen Beinen zur Deckung.“ Zehn bis zwölf Stuten kann der vierjährige Kaltblüter Hilarius pro Jahr beglücken. „Ein guter Hannoveraner kann hingegen jährlich bis zu 600 mal sein Erbgut weitertragen.“

Die Hengststation in Bawinkel besteht seit 1923 und die Geschichte vom Niedersächsischen Landgestüt geht auf das Jahr 1735 zurück.

Nähere Informationen unter www.landgestuetcelle.de.