„Geheime“ Orte im Kloster 170 Besucher beim „Tag der offenen Klöster“ in Handrup



Handrup „Geht zu den Menschen“: Das ist die Mission des Herz-Jesu-Klosters in Handrup. Am bundesweiten „Tag der offenen Klöster“ sind hingegen mehr als 170 Menschen quer durch alle Generationen gekommen, um spannende Einblicke hinter sonst verschlossene Türen zu bekommen.

Das Handruper Kloster war eines von bundesweit mehr als 230 Klöstern, die am vergangenen Samstag ihre Pforten öffneten und sich hinter die viel zu oft noch mystifizierten Kulissen schauen ließen. „Gut. Wir sind da.“ lautete das Motto der von der Deutschen Ordensoberkonferenz ausgerufenen Aktion und „Schön, dass Sie alle da sind“, freute sich Pater Rektor Márcio Auth im Namen aller neun in Handrup wirkenden Herz-Jesu-Priester und der drei Schwestern der Thuiner Franziskanerinnen über das Interesse am klösterlichen Leben, an fundierter Spiritualität und authentisch gelebtem Christentum.

Modernes Gymnasium Leoninum

„Priester sind nicht für die Sakristei, sondern für die Menschen gemacht“: Diesem Leitgedanken ihres Ordensgründers Leo Dehon folgend spielt die Mission innerhalb der Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester, die in 42 Ländern vertreten sind, eine wesentliche Rolle. Die einstige Missionsschule des 1923 gegründeten Handruper Klosters entwickelte sich zu dem modernen Gymnasiums Leoninum, eines von nur zwei niedersächsischen Ordensgymnasien. Derzeit lernen etwa 1200 Schüler im rund 800 Einwohner zählenden Handrup fürs Leben, Tendenz steigend. Während des Kaffeetrinkens in lockerer Atmosphäre erinnerte sich ein einstiger Internatsschüler, der 1966 in Handrup Abitur machte, gerne an seine Schulzeit mit damals nur rund 250 Mitschülern zurück, denn: „Diese Schule hat Kindern vom Land damals ganz neue Möglichkeiten eröffnet.“ Die besondere Verbindung von Schule und Orden würdigte Schulleiter Franz-Josef Hanneken: „Hier begegnen junge Leute Menschen, die fest zu ihrer Überzeugung stehen. Dieser besondere Geist verpflichtet unsere Schule nicht nur zu einer Anhäufung von Wissen in den Köpfen, sondern auch zu ihrer Herzensbildung.“

Persönliche Berufungsgeschichte

In einer Vorstellungsrunde erzählte Pater Ricardo aus Brasilien ganz offen seine persönliche Berufungsgeschichte, die mit den Worten begann: „Ich hatte nie die Idee, Priester zu werden.“ Erfolgreich im Job und verliebt in die langjährige Freundin habe er dennoch immer etwas vermisst in seinem Leben. Nach ersten Gesprächen mit einem Geistlichen und einem dann betretenen Berufungsweg habe er sich schließlich bewusst dazu entschlossen, die in Brasilien zwölf Jahre dauernde Priesterausbildung anzutreten. „Die Berufung ist ein Geschenk Gottes. Ich weiß jetzt, was Gott für mich geplant hat.

Das gibt mir Sicherheit und Zufriedenheit“, schloss der 39-jährige, bevor die mit Spannung erwartete Exkursion an die „geheimen“ Kloster-Orte begann. Dazu gehörten beispielsweise die Schwesternklausur, der „Patresgang“, die Bibliothek oder Orte des Gedenkens auf dem Handruper Friedhof. Mit dem gemeinsamen Lob Gottes in der Pfarr- und Klosterkirche endete am Vorabend des Weltgebetstags für geistliche Berufe eine lebendige Begegnung mit der Erkenntnis, dass Klöster zwar Orte der inneren Einkehr sind, aber auch viel Gutes nach außen tragen.


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