Wiederaufbau im Ort geplant Ältestes Bauernhaus in Gersten aus dem Jahr 1600

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Gersten. Die Erhaltung ländlicher historischer Bausubstanz hat sich die in Gersten ansässige Ems-Vechte-Stiftung auf die Fahnen geschrieben. Vom 16. bis 18. März 2018 treffen sich dort rund 100 Profis und Amateure zur Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Haus- und Gefügeforschung in Nordwestdeutschland.

„Ich finde es gut, dass es damit einmal mehr gelingt, den Blick der Öffentlichkeit auf die historischen Bauten der ,ganz normalen´ ländlichen Bevölkerung zu richten. Der Gedanke des Denkmalschutzes ist in Deutschland nicht besonders gut etabliert, und ganz unten steht dabei leider der ländliche Raum“, erklärte der Vorsitzende der Ems-Vechte-Stiftung, Dr. Dietrich Maschmeyer.

„Rotestes Haus im Emsland“

Ein Umstand, den die 2011 gegründete Stiftung gerne ändern möchte. So wird die Tagung vom 16. bis 18. März im historischen Haus Feye in Gersten-Drope stattfinden – dieser als „rotestes Haus im Emsland“ bekannte Hof aus dem Jahr 1815 hat die Stiftung als erstes Projekt seit 2012 aufwendig und nach historischem Vorbild sanieren lassen.

„Dieses Bauernhaus soll zu einem Ankerpunkt für die intensive Beschäftigung mit den historischen Bauten der Region werden. Hier wollen wir informieren und mit Rat und Tat helfen, das ländliche Kulturerbe zu erhalten,“ erklärte Maschmeyer in einer Pressemitteilung zur langfristigen Zielsetzung der Stiftung. Die Tagung sei ein wichtiger Schritt zur Umsetzung dieser Idee.

Baujahr 1600 ermittelt

Ein weiteres Ergebnis der Arbeit der Ems-Vechte-Stiftung vor Ort sei laut dem Stifter die Entdeckung des wohl ältesten noch erhaltenen Bauernhauses in Gersten: „Die vor wenigen Wochen erfolgte Jahrringdatierung des Bauholzes ergab als Baujahr 1600. Gleich danach musste der wertvolle Bau durch Abbau vor dem endgültigen Verfall gerettet werden. Dieser Schritt war unausweichlich“.

Maschmeyer, der als erfahrener Hausforscher die Arbeiten selbst geleitet hatte, erklärte dazu: „Das im Äußeren unscheinbare und relativ jung wirkende Gebäude war wie viele andere bei der Inventarisierung der Baudenkmale übersehen worden und stand somit leider auch nicht unter Denkmalschutz.“ Das Haus habe bis um 1970 als Heuerhaus zum mittlerweile untergegangenen Hof Splanemann gehört.

1770 wurde es zum Heuerhaus

„Bei den eingehenden Untersuchungen, die dem Abbau vorangingen, wurde klar, dass es ursprünglich wohl das Haus eines Brinksitzers gewesen ist“, erklärte Maschmeyer. Brinksitzer waren Dorfbewohner ohne Landbesitz, die sich im späten Mittelalter am Dorfrand – dem Brink ansiedelten, der den nördlichen Teil von Untergersten bildet.

„Die meisten Brinksitzer wurden im Laufe der Zeit durch Landerwerb zu richtigen Bauernhöfen“, so Maschmeyer, „und bauten sich neue Häuser.“ Dieses Haus, das um 1770 zum Heuerhaus absank, weil die ursprüngliche Familie wohl ausgestorben war, ist noch eines der alten und wahrscheinlich eines der letzten seiner Art in der Region.“ Die Stiftung möchte das Haus möglichst bald in Gersten wiedererichten, man denke derzeit über ein Konzept und einen Standort nach.

Ein Kloster in der Abgeschiedenheit

Auch dieses Haus wird auf der Tagung vorgestellt. Nach weiteren Vorträgen gibt es am Sonntag eine Exkursion zur reformierten Kirche in Lengerich, nach Fürstenau mit seinen vielen noch erhaltenen alten Bürgerhäusern und zum Stift Börstel.

Neben dem Kloster selbst werden dort auch die landwirtschaftlichen Nebengebäude besichtigt, zu denen eines der ältesten Bauernhäuser der Region von 1576 gehört. „In seiner Abgeschiedenheit hat sich dort bis heute eines der vollständigsten mittelalterlichen Klöster erhalten“, erklärte Maschmeyer.

Die Tagung ist fast ausgebucht, nur in Einzelfällen können noch Anmeldungen entgegengenommen werden: Nähere Infos unter Tel. 02361/16079.


Erhalt des ländlichen Kulturgutes

Die gemeinnützige Ems-Vechte Stiftung ist 2011 von Dietrich Maschmeyer gegründet worden. Der zuvor in der Forschung tätige Chemiker aus der Region legte mit einer größeren Erbschaft die Grundlage für die Stiftung mit Sitz in Gersten.

Die Stiftung engagiert sich in der Region Emsland/Bentheim unter anderemin der Erforschung des ländlichen Bauens, die Erhaltung, Restaurierung und Präsentation ländlicher Baudenkmale, die Schaffung eines Archäologiemuseums in der Grafschaft Bentheim und der Sammlung, Pflege und der Präsentation von mobilem Kulturgut.

Als erste Maßnahme hat die Stiftung den ihr geschenkten ehemaligen Hof Feye an der Droper Straße in Gersten restauriert, ein Vollbauernhaus – und wohl das „roteste Haus im Emsland“ – aus dem Jahr 1815.

Kontakt: Ems-Vechte-Stiftung, Dietrich Maschmeyer, Telefon 02361/16079 oder E-Mail igb maschmeyer@ aol.com

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