Mit Spaß dabei Viel Arbeit beim Bau der Karnevalswagen in Bawinkel

Von Wilfried Roggendorf


wrog Bawinkel. Wenn beim 19. Bawinkeler Karnevalsumzug am Samstag, 10. Februar 2018 , ab 13.11 Uhr wieder die großen Motivwagen zu bewundern sind, können die Zuschauer nur ahnen, wieviel Arbeit im Bau dieser Wagen steckt.

Es scheint in Bawinkel derzeit keine Scheune, keine Gerätehalle eines Landwirtes zu geben, in der nicht an einem der Motivwagen gebaut, geschraubt und gebastelt wird – und dies teils schon seit Wochen und Monaten. So auch auf dem Hof von Hubert Möllering. Dort haben sich seit August 2017 rund 20 junge Leute mehrmals die Woche getroffen, um ihren treffenderweise „Bauwagen Bawinkel“ genannten Karnevalswagen zu bauen. Das Motto wollen sie noch nicht verraten. „Es dreht sich allerdings um eine gemeinsame Anforderung an Bier und Silikon“, verrät Isabell Möllering, die sich in der Gruppe um die Finanzierung des Wagens kümmert.

Rund 400 Arbeitsstunden

Und der kostet. Rund 3500 Euro teuer ist der völlig neue Wagen der Gruppe, die vor neun Jahren erstmals, damals mit einem Ketcar, am Bawinkeler Karnevalsumzug teilgenommen hat. Acht Meter lang und 2,50 Meter breit ist das nahezu fertiggestellte Prachtstück geworden. „Jeder hat irgendetwas an Material organisiert und mitgeholfen“, sagt Benedikt Schulten. Gebaut worden sei der Wagen dann im Wesentlichen mit sechs Leuten. Dazu wurden zunächst einmal acht Meter lange Doppel-T-Träger in den Hänger geschweißt, bevor mit dem Aufbau begonnen wurde. „Manchmal haben wir bis in die Nacht gebaut“, berichtet Schulten. Rund 400 Arbeitsstunden stecken in dem Motivwagen, der nicht nur den Besuchern des Karnevalsumzuges etwas bietet, sondern auch seiner Besatzung: Der rutschfeste Boden im Inneren ist Pflicht, damit niemand während des Umzuges auf dem Wagen stürzt. Ablagen für das süße Wurfmaterial fehlen ebenso wenig wie solche für die Bierflaschen. Und wenn ein Besatzungsmitglied des Wagens ein Bier „entsorgen“ muss? Kein Problem: Selbst eine Toilette ist an Bord. Einen ersten Härtetest hat der Wagen bereits bestanden: „Bei der Tüv-Abnahme wurde er anstandslos durchgewunken“, sagt Otto Giese, Vorsitzender des Karnevalsclubs De Spaßmakers ut Bawinkel.

Thema mit lokalem Bezug

In der Lagerhalle eines anderen landwirtschaftlichen Unternehmens bauen die „Flexer“ an ihrem Wagen. Die Gruppe ist seit dem ersten Umzug in Bawinkel im Jahr 2000 dabei. Woher ihr Name „Flexer“ kommt, darüber sprechen die Mitglieder der Gruppe nicht so gerne: „Hat irgendwas mit Frauen zu tun, diskutieren wir aber lieber nicht weiter“, geben die Männer sich verschlossen. Umso bereitwilliger berichten sie vom Wagenbau. „Den Hänger, auf den wir den Wagen bauen, kriegen wir jedes Jahr geliehen“, sagt Martin Feldker. Im Unterschied zu der „Bauwagen-Truppe“ bauen die „Flexer“ ihren Wagen jedes Jahr auf und nach Karneval wieder ab. „Wir haben ein System entwickelt, den Aufbau modulweise anzuschrauben“, erklärt Feldker, warum bei den „Flexern“ der Aubau relativ schnell funktioniert.

„Aber trotzdem haben wir in den letzten Wochen jeden Mittwoch von 18 bis 21 Uhr gearbeitet“, erzählt Feldker. Knappe 1000 Euro investieren die „Flexer“ um ihren Wagen zu dekorieren. Dieses Jahr lautet das Thema Weltraum, die „Flexer“ bauen ein Raumschiff. Schließlich gebe es in Bawinkel seit einigen Monaten eine Mondlandschaft, auf der das Raumschiff landen könnte, spielt Feldker auf eine Fläche im Ort an, über die dort durchaus kontrovers diskutiert wird.

„Die ‚Flexer‘ wählen jedes Jahr ein Thema mit lokalem Bezug“, lobt Spaßmakers-Chef Giese die Gruppe. Die ist noch fleißig am Werkeln. Zugute kommt es dabei den Männern, dass sie Handwerker aus vielen Berufen in ihren Reihen haben. „Das macht es einfacher“, sagt Feldker. Gemeinsam ist den Wagen aus Bawinkel eines: Sie alle haben eine Besatzung, die mit Spaß und Freude dabei ist – nicht nur beim Karnevalsumzug, sondern auch beim Bau der Wagen.