Traditionelles „Schieben schaiten“ In Wettrup wird im Januar Schützenfest gefeiert

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Wettrup. Als sicherlich eine der ersten Gemeinden in ganz Deutschland haben die Wettruper jetzt „Schützenfest“ gefeiert – nur heißt dieses in dem 561 Einwohner zählenden Ort nach einem mittelalterlichen Brauch „Schieben schaiten“.

Nach dem gemeinschaftlichen Kirchgang um 8 Uhr starteten die rund 150 Schützen am 19. Januar unter der Leitung des Pajaz Niklas Lücke und begleitet vom Blasorchesters Handrup zum Festumzug durch die Gemeinde. Gemäß den aktuellen Statuten begann das Schießen am Freitag nach dem Heiligen Antonius auf die exakt 42 Meter weit entfernt stehende Scheibe mit den Probeschüssen des Bürgermeisters und des letztjährigen Schützenkönigs.

42 Meter bis zur Scheibe

Aus dem anschließenden Königsschießen ging Richard Passe als König hervor. Er ernannte seine Frau Christiane zu seiner Königin. Christian Penningbernd und Franziska Lücke sind das neue Vizekönigspaar. Mit großem Geleit wurde nach dem Schießen die Scheibe zunächst zum König gebracht.

Am Abend bildete der Königsball unter Begleitung der Liveband Salinos aus Fürstenau den feierlichen Ausklang des traditionsreichen Festes. Wobei der Festsaal nach Aussage der Gemeinde bereits am Nachmittag komplett gefüllt war.

Brauch aus dem Mittelalter

Warum aber wird in Wettrup mitten im Winter gleich zu Beginn des Jahres schon Schützenfest gefeiert? Die Wettruper fühlen sich auch heute noch an uralte Überlieferungen gebunden, geht doch das sogenannte „Schieben schaiten“ auf einen uralten Brauch aus der Zeit des Mittelalters zurück.

Hintergrund für den im Emsland eher ungewöhnlichen Zeitpunkt ist, dass große Teile der ländlichen Bevölkerung auch aus dem Wettruper Gebiet früher aus finanziellen Gründen während der Sommermonate nach Holland zur Arbeit gingen. Folglich war diese Zeit für größere Volksfeste denkbar ungeeignet, sodass man sie in den Winter verlegte, ein sommerliches Schützenfest im üblichen Sinn kennt man in der kleinen Gemeinde bis heute nicht.

Statuten aus dem Jahr 1840

Nicht nur der Verlauf, die Finanzierung und Zeitpunkt des Festes sind dabei in den Statuten aus dem Jahr 1997 und auch in einer ersten Fassung aus dem Jahr 1840 genau festgelegt. Laut diesem knapp 180 Jahre alten und insgesamt 26 Punkten umfassenden Regelwerk wird „jeder unverheiratete Sohn eines Landbewohners, der das Alter von 18 Jahren zurückgelegt hat, zum Schiessen zugelassen“, und unter Punkt 24 wird bestimmt, dass „auf dem Schiessplatze keine scharfen Getränke verabreicht oder Taschengläser mit solchen Getränken mitgenommen werden dürfen“.

Der Pajaz führt den Festumzug an

Und der die Schützengesellschaft anführende sogenannte „Pajaz“? Dazu heißt es in der Lingener Tagespost aus dem Jahr 1955: „Wir entdeckten gestern morgen an der Spitze des Festzuges den sogenannten ,Pajaz‘ mit einer Fuchskappe auf dem Kopf, fetten Mettwürsten um den Hals, eine Peitsche knallend und mit tanzenden Gebärden um den Festzug springend. Die ursprüngliche Bedeutung läßt sich nicht mehr einwandfrei nachweisen. Fest steht jedenfalls, daß er seit alters her für die Ordnung des Festverlaufes Sorge trägt und auch beim Schießen das Kommando führt. Es ist also eine sehr respektable Persönlichkeit, die gleichzeitig diesem fröhlichen Tag eine humoristische Note verleiht.“


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