Ein Artikel der Redaktion

Unsicherheit nach Betriebsversammlung IG Metall: Bei SGL Kümpers in Fresenburg droht Stellenabbau

Von Katharina Preuth | 23.04.2018, 19:27 Uhr

Das Fresenburger Unternehmen SGL Kümpers steht offenbar vor einem größeren Auftragseinbruch und Stellenabbau. Entsprechende Informationen unserer Redaktion hat Ursula Wentingmann von der IG Metall Leer-Papenburg auf Anfrage am Montag bestätigt.

Dementsprechend wurden die Mitarbeiter am vergangenen Freitag auf einer Betriebsversammlung von der Geschäftsleitung informiert. Weder Geschäftsführung noch Betriebsrat wollten sich auf Nachfrage zu dem Thema äußern.

„Mein Eindruck auf der Versammlung am Freitag war: Es ist schon dramatisch“, sagt Wentingmann. Als Gewerkschaftsvertreterin war sie anwesend, als die Geschäftsleitung die rund 130 Mitarbeiter informierte. SGL Kümpers verarbeitet Hochleistungsfasern aus Glas oder Carbon. Ein wichtiges Standbein des Fresenburger Unternehmens ist die Zulieferung für die Windindustrie.

Flaute erwartet

Die Windbranche erwarte im vierten Quartal dieses Jahres eine massive Flaute, erklärt Wentingmann. Noch gebe es ausreichend Arbeit für die Beschäftigten von SGL Kümpers, doch zeichne sich ein Auftragsrückgang ab. Wie viele Mitarbeiter ihre Jobs verlieren könnten, habe die Geschäftsleitung auf der Betriebsversammlung offengelassen, so Wentingmann.

Die Gespräche zwischen der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat, der sich rechtliche Beratung und Gewerkschaftsvertreter unterstützend hinzu holt, würden im Mai beginnen, so die Gewerkschaftssprecherin. Im Mittelpunkt würden dann Sozialplanverhandlungen und ein Interessensausgleich stehen. Konkret bedeute dies, dass Entlassungen geregelt ablaufen müssten. „Noch ist Arbeit da“, so Wentingmann. Und auch nach dem Einbruch, mit dem sie im Herbst rechnet, müssten einige Stellen besetzt bleiben. Für diejenigen, die nicht bleiben können, müsse durch zum Beispiel Abfindungen eine Minderung ihrer Kündigung erreicht werden.

Nicht nur SGL Kümpers betroffen

Nicht nur SGL Kümpers ist durch die Krise in der Windindustrie betroffen. Zum Personalabbau von Siemens Gamesa, einem Hersteller von Windkraftanlagen, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste: „Die Unternehmen der Windindustrie haben seit Anfang vergangenen Jahres bereits über 2000 Stellen gestrichen.“ Geiken forderte die Bundesregierung auf, den Ausbau der Windenergie voranzutreiben. „Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD gibt es dazu richtige Ansätze wie Sonderausschreibungen. Diese müssen jetzt schnell umgesetzt werden.“

Auch Wentingmann rechnet längerfristig mit einer Erholung in der Windindustrie. Dass es dann für die Mitarbeiter von SGL Kümpers nicht zu spät ist, dafür würden sich die Gewerkschaften einsetzen. „Unser Interesse ist es, die Arbeitsplätze zu halten oder durch Kurzarbeit zu überbrücken“, sagt sie.