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Klares Votum im Gemeinderat Lathen wird einen Veranstaltungssaal bekommen

Von Aloys Schulte | 15.01.2016, 21:12 Uhr

Die Gemeinde Lathen wird in absehbarer Zeit einen eigenen Veranstaltungssaal bekommen. In der Ratssitzung am Donnerstagabend wurde das Vorhaben mit großer Mehrheit bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung gebilligt.

Das Projekt, das an der Marktstraße verwirklicht werden soll, hat eine lange und bewegte Vorgeschichte. Gemeindedirektor Karl-Heinz Weber erinnerte daran, dass intensiv, aber leider vergeblich nach einem privaten Investor gesucht worden sei. Auch die Zusage öffentlicher finanzieller Unterstützung habe nicht zum Erfolg geführt.

Jetzt ist mit der Eigentümerin des Gebäudes, der von Croy’schen Vermögensverwaltung, eine Vereinbarung getroffen worden. Im Erdgeschoss, wo sich früher ein Combi-Markt befand, soll auf einer Fläche von rund 600 Quadratmetern der Veranstaltungssaal eingerichtet werden und zudem ein privater Getränkemarkt. Die Gemeinde wird den Saal also nicht bauen, sondern längerfristig mieten. Er bietet nach den jetzigen Plänen Platz für 250 bis 300 Gäste, bei Theateraufführungen sind auch 400 möglich. Die Bewirtung soll ausschließlich Gastronomen und Caterern aus der Samtgemeinde vorbehalten bleiben. Die Arzt- und die Physiotherapiepraxis im ersten Oberschoss des Gebäudes bleiben ebenso erhalten wie die fünf Wohnungen in der obersten Etage.

Strittige Diskussionen

Im Rat war in zahlreichen Sitzungen darüber gestritten worden, ob sich die Gemeinde einen eigenen Saal überhaupt leisten könne und solle. Während die CDU-Mehrheitsfraktion das Vorhaben befürwortete, schloss sich die SPD/Grüne-Gruppe der kritischen Haltung von allem von Gastronomen aus dem Bereich der Samtgemeinde an. Sie befürchteten eine öffentlich subventionierte Konkurrenz. Auch wurde von der Opposition bemängelt, dass es keine verlässlichen Kostenschätzungen gebe.

Bevölkerungsmehrheit für den Saal

Nach einer vom Pestel Institut aus Hannover im Oktober durchgeführten Haustürbefragung, bei der es eine deutliche Mehrheit von 60,5 Prozent für einen Saal gab , wurde von der Verwaltung ein voraussichtlicher Kostenplan erstellt. Laut Weber wird sich der von der Gemeinde zu zahlende Zuschuss auf rund 26000 Euro pro Jahr belaufen. „Die Summe kann geringer, aber auch höher ausfallen“, so Weber. Es werde auf jeden Fall versucht, an Fördergelder der EU zu kommen.

Ausgaben „vertretbar“

August Kock, Vorsitzender der CDU-Fraktion, bezeichnete die zu erwartenden Ausgaben als „vertretbar“. Dem stimmte sein Kollege Günther Stolte zu und ergänzte, dass Lathen durch den Saal auch mit Blick auf kulturelle Veranstaltungen deutlich attraktiver werde. Die Christdemokratin Bettina Pieper sagte, dass nach ihrer Ansicht die Lösung als Mieter aufzutreten, deutlich günstiger sei, als ein Neubau durch die Gemeinde. Der Saal werde deshalb kein finanzieller „kein Klotz am Bein“ für die Kommune.

Hermann Eiken (CDU) pflichtete ihr bei, und meinte, dass Lathen als zentraler Ort der Samtgemeinde einen Saal brauche, für „Veranstaltungen, die man einfach anbieten muss“. Heinz Niehaus wies noch einmal auf die Bürgerbefragung hin. „Wenn wird nach dem Votum der Bevölkerung für einen Saal jetzt Nein sagen, ist aber was los“, so seine Prognose.

Der Mehrheitswille der Lathener ist auch für den Sprecher der SPD/Grüne-Gruppe ein starkes Argument. Es gebe aber auch die 40 Prozent, die dagegen seien. Es werde für das Projekt unnötigerweise „Tafelsilber verscherbelt“. Seine Kollegin Anita Ludwig wurde konkreter: Es solle ein zehn Jahre laufender Mietvertrag abgeschlossen werden und die die Erstausstattung des Saales koste etwa 310000 Euro. Mit diesen Aussagen fing sie sich allerdings eine Rüge der Bürgermeisterin Luise Redenius-Heber (CDU) ein. Das seien Zahlen aus der nichtöffentlichen Sitzung und daher vertraulich.

Den Standort Lathen stärken

Für sie sei der Veranstaltungssaal in einer Linie zu sehen mit der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung und der übrigen Infrastruktur. Um den Standort Lathen zu stärken, müsse die Kommune „Geld in die Hand nehmen, so die Bürgermeisterin.

Bei der Abstimmung votierten die CDU und der fraktionslose Ingo Düttmann(SPD) für den Saal, Ernst Kock und Anita Ludwig dagegen. Bärbel Funke (SPD) enthielt sich. (Weiterlesen: Neuer Gemeindesaal in Lathen eine Kostenfrage)