Zwei von drei Sektionen verladen Transrapid wird in Lathen für letzte Reise gerüstet


Lathen. Der Transrapid wird in Lathen für seine letzte Reise gerüstet. Zwei der drei Sektionen wurden bereits auf Tieflader gehievt. Die dritte soll am Tag des Abtransports zu seiner Endstation in Nortrup am Mittwoch, 13. September 2017, erfolgen.

„Das war Millimeterarbeit“, sagt Marcus Laga im Gespräch mit unserer Redaktion. Er ist Vertriebsleiter des Schwertransportunternehmens Ulferts mit Hauptsitz in Neermoor. Die Firma hatte von insgesamt sechs Bewerbern den Zuschlag für Verladung und Transport des letzten in Deutschland gebauten Magnetzuges bekommen. „Nicht, weil wir das günstigste Angebot gemacht haben, sondern das beste Konzept hatten“, sagt Laga. Zum Auftragsvolumen macht er auf Nachfrage allerdings keine Angaben.

Fast drei Monate geplant

Fest steht, dass das Unterfangen auch für Ulferts, das über mehrere Niederlassungen in Deutschland verfügt und allein an seinem Hauptstandort knapp 100 Leute beschäftigt, eine große Herausforderung. Es sei schon etwas anderes, als Gussteile oder Teile von Windkraftanlagen von A nach B zu bringen. „Wir haben fast drei Monate geplant“, umreißt Laga die logistischen Vorarbeiten für den besonderen Auftrag.

Das Gesamtleergewicht des 75 Meter langen Zuges TR 09, dessen Betrieb im Emsland Ende 2011 eingestellt wurde und den im vergangenen Herbst die Fleischwarenfirma Kemper in Nortrup im Landkreis Osnabrück für 200.000 Euro vom Bund ersteigert hatte, beträgt 170 Tonnen. „Die C-Bügel samt Magneten sowie die Batterien wurden ausgebaut“, berichtet Laga. Damit verbleibt nach seinen Worten ein Transportgewicht von 35 Tonnen pro Sektion. Hinzu komme die Fachwerktraverse. Sie wiegt 18 Tonnen.

Sektionen liegen auf Luftpolstern auf

„Das Heikle ist, dass die Sektionen auf Luftpolstern aufliegen“, erklärt Laga. Diese Luftkissen müssten ständig über einen Druck von 10 Bar verfügen sowie einer Stromspannung von 24 Volt ausgesetzt sein. Der Transport stehe also nicht nur buchstäblich unter Strom und Druck, sondern sei auch eine vergleichsweise wackelige Angelegenheit. „Es wird ein bisschen so wie auf rohen Eiern“, sagt Laga.

Viele Schaulustige erwartet

Begleitet von der Polizei, wird sich der Konvoi laut Plan am 13. September ab 22 Uhr in Bewegung setzen. Über die A 31 geht es zunächst in Richtung Lingen, wo der Transport gegen Mitternacht eintreffen soll. „Danach geht es weiter über die Dörfer in Richtung Notrup“, sagt Laga. Der Zeitplan sei eng getaktet. Bis Donnerstag, 14. September, 6 Uhr, müsse der Transport die Straßen verlassen haben. Laga rechnet im Übrigen mit zahlreichen Schaulustigen und Hobbyfilmern an der Strecke. Auf dem Kemper-Gelände soll der Zug mit zwei 250-Tonnen-Schwerlastkränen von den Tiefladern gehievt werden. Das Unternehmen will ihn als Museums-, Schulungs- und Konferenzraum herrichten. Außerdem ist ein Werksverkauf geplant. Beim Verladen in Lathen am vergangenen Dienstag, das weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, wurden die Deckenkräne in der Zentrale des Testgeländes an der Hermann-Kemper-Straße genutzt.

Erfinder der Technik

Hermann Kemper, Urgroßvater des heutigen Kemper-Geschäftsführers Wolfgang Kühnl, gilt als Erfinder Transrapids. Im Jahr 1934 hatte er sich eine Erfindung patentieren lassen, die als Basis für die Entwicklung der Magnetschwebebahntechnik gilt. Dafür wurde Hermann Kemper 1972 mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet.


Der Transrapid galt lange als eines der sichersten Verkehrsmittel. In Deutschland wurde die Magnetschwebetechnik jedoch nie kommerziell genutzt. In Schanghai (China) fährt der Transrapid hingegen seit 2004 im Regelbetrieb auf einer Strecke von 30 Kilometern.

Am 22. September 2006 waren bei einem Unfall auf der Transrapid-Teststrecke im Emsland 23 Menschen ums Leben gekommen, zehn wurden zum Teil schwer verletzt. Grund war menschliches Versagen. Auf der Strecke war ein Wartungswagen vergessen worden. Mit Tempo 170 prallte der Transrapid auf das Hindernis. Das Trümmerfeld erstreckte sich über mehrere Hundert Meter. Der Unglückstag hat sich tief ins Gedächtnis der Emsländer eingegraben. Zum 10. Jahrestag der Katastrophe fand im September 2016 eine Gedenkfeier für die Hinterbliebenen und Betroffenen statt.

Fünf Jahre nach dem Unglück wurde der Testbetrieb dort endgültig beendet. Seitdem gibt es zwischen der Betreibergesellschaft IABG und dem Bundeswirtschaftsministerium unter anderem Streit um die Abriss-Kosten der Versuchsstrecke. Damit ist auch fast zehn Jahre nach dem tödlichen Unfall weiter offen, wann die Trasse vollständig zurückgebaut wird.

(Weiterlesen: So haben zwei Papenburgerinnen das Transrapid-Unglück überlebt)

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