Schwarzbuntes Niederungsrind Heimatverein Niederlangen freut sich über seltenen Nachwuchs

Von Jürgen Eden


Niederlangen. Der Heimatverein Niederlangen kümmert sich um den Erhalt des Schwarzbunten Niederungsrindes. Nun gibt es einen Zuchterfolg.

Der Heimatverein Niederlangen freut sich über Nachwuchs. Aktuell allerdings nicht über neue junge Mitglieder, dafür aber über ein nahezu in Vergessenheit geratenes Nutztier. Der Neuzugang heißt Erna und wurde in der vergangenen Woche in der Nacht zu Donnerstag in einer Weide nahe der Autobahn geboren.

Die Heimatfreunde haben sich bereits Gedanken über die Zukunft des Kalbs gemacht. Wenn sie mit anderthalb Jahren geschlechtsreif ist, soll sie zum Fortbestand des „Schwarzbunten Niederungsrindes“ in der Region beitragen, indem sie selbst kalbt. Ein schwieriges Unterfangen, denn in der Vergangenheit hatte es nach Angaben des Vereins mehrere Rückschläge gegeben, da sich erst nach längerer Zeit herausstellte, dass nicht jede Kuh für die Zucht geeignet war.

Genmaterial hält die Herdbuchgesellschaft nach den Worten von Heinrich Schwarte noch vor. Gemeinsam mit Bernd Gebbeken, Hubert Albers, Heinz-Hermann Connemann und Hermann Hilling kümmert er sich täglich um das Wohlbefinden von zwei Kühen, einem Bullen und nun auch um Erna. „Die Tiere leben das ganze Jahr draußen. Sie sind nur bei schlechtem Wetter im Stall“, sagt Schwarte.

Die Weichen für diese besondere Aufgabe wurden im Kapellenmoor im Jahr 2006 gestellt. Denn das rund 30 Hektar große Areal sollte zum Ausgleich für die Erschließung des interkommunalen Industriegebiets an der A 31 dienen. Dazu gehört vor allem auch das extensive Grünland. Dort unterhält der Heimatverein Niederlangen neben den Niederungsrindern auch eine Schafherde.

Vorgaben bei Düngung und Heuernte

Strenge ökologische Vorgaben müssen die ehrenamtlichen Helfer hinsichtlich der Düngung und Heuernte befolgen. Um die Tier- und Vogelwelt zu schützen, darf beispielsweise erst nach dem 30. Juni gemüht werden. Die Emsniederungen vom Münsterland bis nach Ostfriesland bestand einst überwiegend aus Moor oder später Grünland. Die Lebensbedingungen waren karg.

Insofern erscheint es naheliegend, dass Landwirte damals auf eine Rinderrasse setzten, die nicht nur für die Milcherzeugung, sondern auch zur Fleischgewinnung dienen konnte. Daher war Heinrich Schwarte zufolge das Zweinutzungsrind, heute besser bekannt als Niederungsrind, weit verbreitet.

Heute halten nur noch wenige Landwirte in der Grafschaft Bentheim und in Ostfriesland diese äußerst seltene Rasse. Sie ist so selten, dass sie bereits auf der Stufe III der Liste gefährdeter Nutztierrassen der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) steht. Denn bedingt durch die Steigerung der Wirtschaftlichkeit und Produktivität in den 1970er- und 1980er-Jahren ging ein umfassender Strukturwandel in der Landwirtschaft einher. Dieser Produktionsdruck führte dazu, dass sich das sogenannte Holstein-Rind bei vielen Milcherzeugern durchsetzen konnte, da es speziell auf die Milcherzeugung getrimmt worden war. Diese Rasse gehört heute inzwischen weltweit zu den bedeutendsten Milchviehrassen und bildet in Deutschland mit über 1,6 Millionen eingetragenen Zuchttieren die größte Gruppe der Milchviehrassen.


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