Norbert Rüschen pflegt Moor bei Dalum Neuer Schafstall in Lathen „ein Glücksfall für beide Seiten“

Von Daniel Gonzalez-Tepper


Lathen. Einen neuen Stall für mehr als 500 Schafe hat Schäfer Norbert Rüschen am Ströhnweg in Lathen errichten lassen. Dort verbringen sie allerdings nur die Wintermonate, den Sommer über leben die Tiere im Naturschutzgebiet Dalum-Wietmarscher Moor nage der A31 bei Geeste.

Für den Standort in Lathen und nicht im Bereich Geeste hat sich der 57-Jährige bewusst entschieden. „Die Schafe sind zwischen Ende Oktober und Mitte/Ende April fünf bis sechs Monate im Stall, und diese Zeit ist arbeitsreich. Ich lebe aber seit Kindesbeinen in Lathen und wollte den Wohnort für mich und meine Familie nicht aufgeben“, berichtet Rüschen, der sich 2012 entschieden hat, aus dem Neben- einen Vollerwerb zu machen.

Etwa 450.000 Euro hat er in den Bau des 60 Meter langen und 30 Meter breiten Stalls inklusive der technischen Ausstattung wie Abluftanlage, Einstreu- und Futterverteilmaschinen oder Kehrmaschine investiert, im Außenbereich gibt es eine Remise für den Fuhrpark, als Kompensationspflanzung hat er eine Streuobstwiese im direkten Umfeld des Stalls angelegt. Knapp die Hälfte der Investition haben Land und EU gefördert.

Kleine offizielle Einweihungsfeier

2010 hatte er die ersten Gespräche mit der staatlichen Moorverwaltung in Meppen geführt, die einen Schäfer für die Pflege einer etwa 380 Hektar großen Moorfläche bei Geeste-Dalum suchten. „Die Moorflächen im Bereich Dalum-Wietmarschen werden seit 2000 schrittweise renaturiert, insgesamt werden es irgendwann 1500 Hektar sein. Neben Natur- geht es dort vornehmlich um Vogelschutz“, berichtete Eberhard Masch von der Moorverwaltung bei einer kleinen offiziellen Einweihungsfeier. Zu der hatte Rüschen etwa drei Dutzend Vertreter von Landes-, Kreis und Kommunalverwaltungen, der Landwirtschaftskammer, der am Bau beteiligten Firmen und befreundete Schäfer eingeladen.

Nur zur Ablammzeit Vollzeitkraft angestellt

Für den langfristigen Erfolg der Renaturierung ist eine Offenhaltung der Moorfläche notwendig, sprich: Es dürfen keine Bäume den Boden austrocknen. Aber auch, um seltenen Wasservögel einen Lebensraum zu geben, seien offene Wasserflächen notwendig, so Masch. Und da kommt Schäfer Rüschen ins Spiel.

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Begonnen mit der Schafhaltung und -zucht hat der bereits vor mehr als 25 Jahren. „In meinem Elternhaus gab es immer Schafe“, berichtet der Schäfer. Die Herde wuchs und wuchs, mit dem Bau des Stalls und des Beweidungsauftrags in Dalum verdoppelte sich die Herde von 250 auf etwa 500 Schafe.

Hinzu kommen etwa 50 Ziegen und fünf Herdenhunde. „Zu 90 Prozent muss ich mit den Tieren alleine klarkommen“, sagt der 57-Jährige. Lediglich im Winter zur Ablammzeit bekommt er Unterstützung durch eine Vollzeitkraft, auf eine 450-Euro-Kraft kann er zeitweise bei Bedarf zurückgreifen. Um den Bürokram kümmert sich seine Frau Petra.

Im Sommer fast täglich bei der Herde

In den Sommermonaten fährt Rüschen mit einem Pickup und zwei Herdenhunden fast täglich die knapp 45 Kilometer ins Dalum-Wietmarscher Moor, dort weiden die Schafe in zwei Herden. Nachts sind die Tiere dann dort alleine, auch ein Hütehund, den andere Schäfer 24 Stunden auf die Herde aufpassen lassen, hat der Lathener nicht im Einsatz. „Die gesamte Fläche ist mit einem etwa 1,20 Meter hohen Zaun und einer elektronischen Sicherung umgeben“, erklärt Norbert Rüschen. „Der ist angeblich wolfs- und untergrabungssicher, aber ich bin mir sicher, dass wir auch hier irgendwann leidvolle Nächte erleben werden“, ergänzt Eberhard Masch, der den politisch Handelnden „Verantwortungslosigkeit“ im Hinblick auf den Umgang mit dem Wolf vorwirft. „Wir brauchen dringend ein Wolfsmanagement, ihm muss ein Platz zugewiesen werden. Aber das tut die Politik derzeit nicht“, so der Leiter der Behörde in Meppen.

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Moorpflege „kein Allerweltsgeschäft“

Die Zusammenarbeit mit Schäfer Rüschen und dessen Stallerweiterung in Lathen bezeichnete Masch als „ein Glücksfall für beide Seiten“. „Die Moorpflege ist kein Allerweltsgeschäft. Er ist auch ein Beispiel für andere, was beispielsweise die biologische Leistungsdaten der Tiere und die gesunde wirtschaftliche Entwicklung angeht“, lobte Masch. Nicht ausgeschlossen ist, das die Zusammenarbeit auch bei der südlichen Weiterentwicklung der Renaturierung in der Grafschaft Bentheim fortgesetzt wird. „Beide Seiten habe Interesse“, bestätigte Rüschen, was mit dem Bau eines weiteren Winterstalls verbunden wäre, dieser dann aber in direkter Nähe zum Moorgebiet.

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